Mit der kostendeckenden Einspeisevergütung für Solarstrom wagte Hammelburg Anfang der 1990er Jahre die Förderung neuer Energien. Diese Vorbildrolle für das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist untrennbar mit dem Einsatz des späteren Bundestagsabgeordneten Hans-Josef Fell verbunden. Das ist Anton Hofreiter bewusst: "In Hammelburg hat manches seinen Ausgang genommen." Und heute sei Fotovoltaik eine der günstigsten Formen Strom zu produzieren.

Hofreiter, Vorsitzender der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, besuchte am Donnerstag nach dem Wahlkampfauftakt auf dem Marktplatz in Lohr die Parteikollegen im Landkreis Bad Kissingen. Denn der Kreisverband der Grünen wurde vor 35 Jahren gegründet, nachdem bereits zuvor in Bad Brückenau, Bad Kissingen, Hammelburg und Münnerstadt lokale Gruppen entstanden waren.

"Der Klimawandel entwickelt sich schneller als vermutet", sagte Hofreiter bei der Festveranstaltung im Pfarrheim in Westheim. Der Kohlendioxidausstoß in Deutschland sei im Jahr 2016 dennoch so hoch gewesen wie 2005. Hofreiter machte, dass der Klimaschutz ein wichtiges Wahlkampfthema für die Grünen ist. Als weitere Themen erwähnte er den Zusammenhalt in Europa, die Integration und die Bekämpfung der Fluchursachen.

Der Kreisverband Bad Kissingen hat laut der Grünen-Kreis- und stellvertretenden Landrätin Monika Horcher ungefähr 50 Mitglieder. Dazu kommt aber ein Kreis nahestehender Gruppierungen, wie die der "Bürger für Umwelt" in Hammelburg.

Das neueste und jüngste Mitglied ist mit 17 Jahren Jan-Malte Korff aus Trimberg. Er durfte sich in einer Gesprächsrunde mit der Bundestagskandidatin Manuela Rottmann und dem Gemeinde- und Kreisrat Volker Partsch vorstellen. Seine Entscheidung für den Parteieintritt sei in seinem persönlichen Umfeld positiv aufgenommen worden, sagte Korff. Bei Partsch war es noch ganz anders gewesen. "Am Info-Stand sagten die Leute früher zu mir: Pass auf dich auf, denn bei denen wird nie etwas aus dir", erzählte er. Korff empfahl den Grünen gar, nicht zu lasch aufzutreten.

Vor der Jubiläumsfeier hatte Hofreiter sich in das goldene Buch der Stadt eingetragen und mit Rottmann für die Wahlkampfziele geworben. Er sah im Gespräch eine Trendwende bei den Umfragen zugunsten der Grünen. Viele Kreisverbände registrierten auch steigende Mitgliederzahlen. Für die Grünen gebe es noch relevante Themen.

Hofreiter nannte Klimaschutz, Integration und den Umbau der Autoindustrie. "Wie die Leute mit manchen Themen umgehen, hat sich geändert", sagte Rottmann und meinte damit, dass diese keine Angst mehr vor grünen Themen hätten. Rottmann nannte die Probleme bei der Mobilität auf dem Land. Die Finanzierung des öffentlichen Personennahverkehrs und die Eisenbahn seien wichtige Bundesthemen, sagte Hofreiter.