Die Sache ist verzwickt, eine Lösung nicht in Sicht: Seit Jahrzehnten wird über eine Erneuerung der Staatsstraße 2290 zwischen Sulzthal und Euerdorf diskutiert. Während die Ortsdurchfahrt unter Federführung der Gemeinde von 2002 bis 2004 komplett erneuert wurde, sind die Fahrbahnen südlich und nördlich des Ortes in einem zum Teil miserablen Zustand. Daran haben auch Ausbesserungen im Juli mit einem Dünnschichtbelag nur wenig geändert: Die Bankette sind bereits wieder dicht bewachsen, Autofahrer werden auf der unebenen Strecke ordentlich durchgeschüttelt. Hinzu kommt eine Auseinandersetzung zwischen dem Staatlichen Bauamt, der Gemeinde und mindestens einem Grundstückseigentümer.

2014 schien eine Lösung in Sicht, ein Vertreter des Staatlichen Bauamtes kündigte damals einen Ausbau der Strecke nach Sulzthal noch vor der nach Aura an, weil es dort mehrere offene Fragen gebe. Tatsächlich ist die Staatsstraße Richtung Aura längst fertig, aber für die Verbindung nach Sulzthal ist keine Lösung in Sicht.

Erfolglose Versuche

Im Juli hatte das Staatliche Bauamt noch mitgeteilt, dass die Grundstücksverhandlungen voraussichtlich "in 2020 abgeschlossen werden können" . Daraufhin meldete sich der Eigentümer der ehemaligen Mühle unterhalb des Ortes, Josef Büttner, in einem Leserbrief zu Wort: "Das letzte Gespräch, das das Bauamt im Beisein des Sulzthaler Bürgermeisters mit mir geführt hat, war im Dezember 2018", berichtete der langjährige CSU-Gemeinderat, und: "Seitdem habe ich erneut versucht, die Gespräche anzustoßen und weitere Informationen zum Sachstand zu erhalten. Leider bisher ergebnislos."

Im April 2018 habe er zudem einen Grundstückstausch bei der Gemeinde Sulzthal beantragt. Ergebnis: "Eine Antwort habe ich bis heute nicht erhalten", schrieb Büttner im Juli im Leserbrief. Auf eine aktuelle Nachfrage der Redaktion will sich Josef Büttner zu den Verhandlungen nicht weiter äußern, teilt jedoch mit, dass bis heute und trotz seines Leserbriefes weder die Gemeinde, noch das Staatliche Bauamt Kontakt mit ihm aufgenommen hätten.

Wie kann das sein? Wer ist zuständig? Und wie kam es zu der Aussage des Staatlichen Bauamtes gegenüber der Redaktion? "Uns ging es damals darum, dass keine grundsätzlichen Einwände vorhanden sind", stellt Dr. Michael Fuchs, Leiter des Staatlichen Bauamtes Schweinfurt, klar. Nach seinen Informationen sei die Planung in den wesentlichen Punkten auch mit den Anliegern abgestimmt. "In der Regel können wir sowas lösen", ist Fuchs nach wie vor zuversichtlich, dass sich die letzten Details noch klären lassen. Zu Verhandlungen mit einzelnen Eigentümern äußere er sich jedoch nicht. Nur so viel: Die Behörde setze auf die Hilfe der Kommune: "Die Gemeinde unterstützt uns bei den Verhandlungen", betont der Behördenleiter, und: "Wir warten aktuell auf den Bürgermeister."

Dazu gebe es auch bereits eine konkrete Vereinbarung: "Wir haben ein Tauschflächen-Konzept mit der Gemeinde", berichtet Fuchs. Allerdings müsse das Staatliche Bauamt noch Tauschflächen bereit stellen. Sämtliche Kosten übernehme der Freistaat als Eigentümer der Straße.

"Entlang der bestehenden Trasse"

Aus Sicht des Staatlichen Bauamtes steht die Linienführung fest: "Wir bauen entlang der bestehenden Trasse", sagt Fuchs. Die Straße solle allerdings deutlich breiter werden, nämlich durchgehend sechseinhalb Meter. An der Euerdorfer Linde ist ein Kreisverkehr vorgesehen, an den auch die KG 4 und die Zufahrt zur Siedlung angebunden werden. Aktuell gehe es darum, Baurecht zu schaffen: Für das kommende Jahr sei das Wasserrechtsverfahren geplant, weil die Straße direkt am Brunnen der Wasserversorgung von Euerdorf, Sulzthal und Ramsthal vorbeiführt, zudem müssten die Belange des Landschaftsschutzes geklärt werden.

Dass 2021 nicht gebaut werden kann, stehe längst fest, weil sämtliche Haushaltsmittel für das kommende Jahr vergeben seien. Wenn bis Mitte 2021 alle offenen Fragen geklärt seien, falle die Entscheidung, ob die Straße zwischen Euerdorf und Sulzthal vielleicht 2022 gebaut wird. Fuchs stellt aber auch klar: "Wir planen immer mehr als wir eigentlich bauen können." Falls es zu keiner Einigung mit den Grundstückseigentümern komme, müsse das Staatliche Bauamt ein Planfeststellungsverfahren einleiten, durch das auch eine Enteignung möglich wird. Für die Strecke südlich des Ortes gebe es derzeit noch gar keine Ausbaupläne.

Auf die Kritik vieler Autofahrer am Zustand der Strecke nach Euerdorf antwortet Fuchs: "Das war ein reiner betrieblicher Unterhalt, kein Ausbau." Die nach damaligen Angaben rund 10 000 Euro teure Maßnahme im Juli sollte "sicher stellen, dass der Autofahrer dort sicher fahren kann". Beim Unterhalt gehe es vor allem darum, Risse und größere Löcher zu schließen.

Sulzthals 2. Bürgermeisterin Gabriele Dehmer (SPD), die den Sulzthaler Bürgermeister August Weingart (CSU) aktuell vertritt, kann zu dem Fall wenig sagen: "Ich habe jedenfalls keinen Auftrag für Verhandlungen", stellt sie klar. In den kommenden Wochen bis zur Rückkehr Weingarts gebe es deshalb sicher keine Gespräche. Weiter sagt Dehmer: "Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass das Staatliche Bauamt jetzt am Zug ist."