Der Leiter der Rotwild-Hegegemeinschaft "Bayerische Rhön" Harm Humburg hatte zur jährlichen Hegeschau in die Thulbatal-Halle eingeladen.
Die insgesamt 152 Jagden, die diesem Rotwild-Hegebereich angehören, erstrecken sich über die Landkreise Bad Kissingen (65), Main-Spessart (45), Rhön-Grabfeld (27) inklusive Mellrichstadt (15). Ausgestellt waren 156 Hirschgeweihe, von denen acht Geweihe der Klasse I und 15 der Klasse II besondere Beachtung bei den Besuchern fanden. Allen voran die so genannten Kronhirsche, wie zum Beispiel der 14-Ender von Gunther Hahne.
"Das Rotwild ist Bestandteil der heimischen Kulturlandschaft", betonte Humburg. Auch wenn in wenigen Einzelfällen die verordneten Abschusszahlen den überhand nehmenden Schälschäden widersprechen, stimmten die Jäger im Saal den Vorgaben der Unteren Jagdbehörde im Grundsatz zu. Die wurden für das abgelaufene Jagdjahr 2015 / 2016 zu rund 108 Prozent erfüllt.
Insgesamt kamen 685 Rotwildtiere vor den Gewehrlauf, darunter 529 Stück Kahlwild: das sind 263 Kälber, 135 Schmaltiere und 131 Alttiere gewesen.
"Sie alle haben schließlich in den letzten Jahren alles dafür getan, um eine waldverträgliche Rotwildpopulation zu erreichen", sagte stellvertretender Landrat Emil Müller (CSU). Wohl wissend, dass die jahrelange Diskussion um den Vorrang von Wald oder Wild immer noch im Raum stehe. Müller dankte den Reviergruppen-Sprechern und Helfern für den Aufbau der Trophäenschau, insbesondere den Jägern Wolfgang Scholz (Hammelburg) und Stefan Armbruster.
Die Wildschäden und die damit verbundenen Abschussvorgaben spielen beim Rotwild eine besondere Rolle. Immerhin konnte der Gastreferent Peter Kroll, Revierleiter und Rotwild-Sachverständiger aus dem Sauerland (Rothaargebirge), von positiven Veränderungen in der Altersstruktur seiner Hirsche durch gezielte Maßnahmen melden. Hierzu regte er an, weibliche Alttiere frühzeitig im Jahr zu erlegen, um die Flut von zu vielen Kälbergeburten einzudämmen, die derzeit bundesweit beobachtet wird.


Vorbild Österreich

Kroll stellte ein Poolsystem vor, das unter den beteiligten Sauerlandjägern durch ein dort akzeptiertes Punktesystem zur gerechten Verteilung der Abschuss-Freigaben führe. "Wir haben uns bei dem Lösungsansatz an einem Vorbild aus Österreich orientiert", sagte Kroll. Die Jäger im Saal nickten anerkennend. Auf die zunehmende Notsituation beim Rotwild des Hegerings Bayerische Rhön macht Ehrenvorsitzender und Humburgs Vorgänger Christoph Frucht aufmerksam. Der Lebensraum dieser Herdentiere sei durch zunehmende Besiedlung, Straßendichte, Freizeitnutzung und stetig schwindenden Platz durch Forstnutzung in den Wäldern zunehmend bedroht. "Während alles frei lebende Getier wie Luchs, Biber, Wolf oder Bär sich seinen Lebensraum aussuchen darf, ist heutzutage das natürliche Weiderecht für das Rotwild in Gefahr", befürchtet Frucht. Er fordert ein praxisnahes Wildmanagement, das mitunter auch im Gegensatz zu den so genannten Schreibtisch-Abschüssen stehen dürfe.


Erhöhung der Abschusszahlen

Frucht: "Die Rotwild-Hegeschau ist deshalb so wichtig, weil anhand der Trophäen wertvolle Rückschlüsse auf den aktuellen Gesundheitszustand und die Altersstruktur des heimischen Wildes gezogen werden können." Nur die gemeinsame Erfüllung der gesetzlich vorgeschriebenen Abschusspflicht aller Rotwild-Reviere garantiere den Erhalt dieser heimischen Großwildart. Die Vorgaben für das Jagdjahr 2016 / 2017 sehen eine Erhöhung der Abschusszahlen auf insgesamt 736 Tiere, insbesondere bei den weiblichen Alttieren und bei den männlichen Hirschen der Klasse I vor. Schmaltiere sollen hingegen mehr geschont werden. Insider vermuten, dass der Grund für die starke Vermehrung der Rotwildbestände in den milden Wintern liege.