Anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Biosphärenreservats Rhön bezeichnete Bürgermeister Mario Götz den Zeitpunkt für die Exkursion des Marktgemeinderates Oberthulba durch das 43 Hektar umfassende Kernzonengebiet "Reither Mühle" als perfekt. "Die Sensibilität für solche Gebiete ist in der Bevölkerung deutlich gewachsen", so Götz. Ursprünglich sei eine größere Öffentlichkeitsbeteiligung an der Exkursion geplant gewesen, aber coronabedingt habe man darauf verzichten müssen. Die Kernzone bestehe nun seit rund acht Jahren, und man wolle sich nun einmal ein Bild machen, was sich getan habe und was die weiteren Ziele seien.

Zum Treffen begrüßte er Dr. Tobias Gerlach, Bernhard Zürner (AELF Bad Neustadt), den stellvertretenden Landrat Gotthard Schlereth und vom Forst Betriebsleiter Rupert Wolf und Revierleiter Christoph Uffelmann. Gerlach betreut Forschungsprojekte und das ökologische Monitoring im bayerischen Teil des Biosphärenreservats Rhön und ist verantwortlich für die Konzeption sowie Koordination von Kernzonenforschung und -monitoring. "Endlich wieder einmal eine Exkursion, bei der man nicht alleine im Wald steht", freute sich Gerlach. Mit den Ergebnissen bei den Arterfassungen könne man wirklich Werbung machen.

In der Rhön herrsche ein dichtes Netz an Kernzonen vor. "Der Mensch ist hier nicht Gast, sondern lebt in diesen Natur-Reservaten", äußerte Gerlach. Er bezeichnete das Gebiet als Vorzeige-Kernzone. Innerhalb der Zone müsse aber auch Käferholz aufgearbeitet werden. Wenn jedoch vom Holz keine Gefahr mehr ausgehe, müsse es im Wald verbleiben, warf Zürner ein. Stets greife aber auch die Verkehrssicherungspflicht. Der Fichtenanteil in der Kernzone Oberthulba sei aber überschaubar.

Bei seinen ökologischen Forschungen habe er 71 Vogelarten und beim Insekten-Monitoring allein 180 Käferarten festgestellt, darunter auch mediterrane Arten, die man in der Rhön nicht erwartet habe, so Gerlach. "Der Klimawandel kommt nicht, er ist schon da. Das Thema wird uns noch lange beschäftigen", wusste Gerlach. Dabei hätten ihn Leute angerufen und berichtet, dass sie diese wärmeliebenden Arten schon über zehn Jahre hinweg beobachten würden. Eine Broschüre über Insekten sei in Vorbereitung. Auch die Arbeiten von Studenten hätten hier einen hohen Stellenwert, aber für richtig spannende Daten bräuchte man größere Zeitspannen. Ein Regenwurm-Monitoring hätte ergeben, dass die Zahlen teilweise auf ein 20stel zurückgegangen seien.

Zur Sprache kam auch das Messgerät zur Besucherzählung, das neu aufgebaut werden soll, dies helfe bei der touristischen Erschließung. Dieser Punkt stehe demnächst bei der Gemeinde auf der Tagesordnung, brachte Bürgermeister Götz ein. Denn viele würden derzeit die Schönheit unserer Natur und Landschaft neu schätzen lernen. Der Status des Natur-Reservats sei auf der Kippe gestanden, gab Gotthard Schlereth zu bedenken. Der Ministerratsbeschluss sei dann in Bad Kissingen gefallen. Der Druck sei damals größer gewesen als später bei der Diskussion um den Nationalpark. Es sei eine lange und intensive Diskussion gewesen, die letztendlich zu einem guten Ergebnis und zu einer Win-Win-Situation geführt habe. "Für mich war immer wichtig, dass der Schritt zur Kernzone auch wissenschaftlich hinterlegt wird", bekräftigte Schlereth. Alle hier seien auch Multiplikatoren und könnten die Informationen weitergeben. "Wenn es sich ergibt, werden wir eine solche Exkursion noch einmal mit einer breiten Öffentlichkeit machen", sagte Bürgermeister Mario Götz abschließend.