W ie Georg zum Wohnmobil kam? Der Münchner, 72 Jahre alt, ist Mitte der 1970er Jahre mit dem Surfbrett auf dem Dach seines Autos an den Gardasee gefahren. Dann kamen die ersten Wohnmobile auf den Markt. Der legendäre VW-Camper zum Beispiel. Georg hat sich "so eine Karre", wie er seine Reisemobile bis heute nennt, besorgt und war fortan frei. Am Wochenende an den Gardasee fahren, surfen und das Wohnmobil irgendwo stehen lassen. Kein Problem. Freiheit pur. Man hatte sein Bett immer dabei, was kochen konnte man sich auch und man blieb dort, wo es einem gefiel. Ja, das waren noch Zeiten. Geht das heute noch?
Wenn man wie wir, Gerti und Paul Ziegler, beide 62 Jahre, in der Ruhephase der Altersteilzeit ist, hört man immer eine Frage, wenn wir uns mit Freunden unterhalten: "Und jetzt? Wohnmobil und raus in die Welt fahren?" Naja, das wäre schon was. Affin für das Reisen sind wir, entdecken wollen wir auch noch viel... Also ein Reisemobil anschaffen? Bevor wir uns in Ausgaben stürzen, wollen wir es mal ausprobieren, wie das mit der grenzenlosen Freiheit und so funktioniert.
Das Mobil, das uns zur Verfügung steht, ist ein Globebus GT der Marke Dethleffs. 6,78 Meter lang, 2,15 Meter breit, 2,62 Meter hoch. "Nach ein paar Kilometern fährst du den wie einen Pkw", hat mir Mirko Huber von der Verleihfirma versprochen, als ich mich zum ersten Mal ans Steuer gesetzt habe. Höherer Sitz, viel Platz für Fahrer und Beifahrer, hat was vom Lkw, denke ich. Doch Mirko hält Wort. Schon nach wenigen Kilometern ist man mit dem Gefährt vertraut. Das Fahren ist kein Problem, auch für eine Frau nicht.
Praktisch ist die große Heckgarage. Hier passen die Fahrräder rein und was man sonst noch so braucht, Campingstühle, -tisch und so weiter. Überhaupt haben die Reisemobile sehr viel Stauraum. Um auszutesten, wie praktikabel so ein Wohnmobil ist, wollen wir nach Frankreich fahren, an die Loire, ein paar Schlösser besichtigen. Über die Bretagne und die Normandie soll es danach zurück gehen ins heimische Franken.
Während der Fahrt nach Orleans ist es angenehm, in den eigenen Kühlschrank greifen und sich eine Mahlzeit zusammenstellen zu können. Die Getränke sind kalt und billiger als auf dem Rasthof. Die erste Nacht verbringen wir auf einem Campingplatz. Wir sind noch vorsichtig. Ungeübt.
Die Kosten für ein Wohnmobil, zwei Personen und Stromversorgung bewegen sich auf den von uns benutzten Campingplätzen zwischen 16 und 26 Euro für eine Nacht. Billiger ist es auf den Stellplätzen, die viele Gemeinden - auch in Deutschland - eingerichtet haben. Da gibt es zwar vielleicht keine Stromversorgung (oder nur gegen Gebühr), Abwasser und die Chemietoilette kann man hier aber entsorgen und Frischwasser aufnehmen. Meist gratis. Parkgebühren für Stellplätze haben wir auf der Halbinsel Quiberon (6,40 Euro/24h), direkt an der "wilden Küste" der Bretagne, keine 100 Meter vom Wasser entfernt, und am Mont St. Michel bezahlt (17,20 Euro/24h).
Zur Besichtigung der Loire-Schlösser war das Reisemobil ideal. Wenn wir den Standplatz gefunden hatten, haben wir die Fahrräder ausgeladen. Teilweise direkt an der Loire entlang ging es zu den Sehenswürdigkeiten. So haben wir nicht nur die herrlichen Gebäude und Gärten der Schlösser in aller Ruhe erkundet, sondern auch die schöne Landschaft. In einigen Dörfern haben wir gerastet, uns Kirchen angeschaut oder sonstige Sehenswürdigkeiten. Man muss Zeit haben und sich Zeit lassen, wenn man mit dem Wohnmobil unterwegs ist.
Wir haben zwei Campingplätze am Golf von Morbihan angefahren, die eher Rummelplätzen ähnelten. Von da an haben wir uns den Stellplätzen gewidmet. Traumhaft war der in Plougastnou an der Bretagne-Küste. Der von uns gewählte Stellplatz (einer von dreien in dieser Gemeinde) liegt direkt am Hafen. Man hat einen herrlichen Blick über die Bucht, und wir hatten direkten Zugang zum Wanderweg GR 34, der entlang der gesamten Bretagne-Küste verläuft.
Man braucht nicht zu glauben, dass man mit einem Wohnmobil alleine auf der Welt fährt und immer die schönsten Plätze bekommt. Diese Zeiten sind vorbei - so wie für Georg am Gardasee. Dass gewisse Ecken dieses Planeten besonders schön sind, haben nicht nur wir herausgefunden, sondern viele andere auch. Wenn man also zu so einem Platz kommt wie in Plougastnou, seien Sie sicher, steht schon einer da, oder auch mehrere. Wer die schönen Stellplätze nicht schon um 10 Uhr vormittags anfahren kann, hat nachmittags um 16 Uhr keine Chance mehr auf einen Platz direkt am Wasser. Aber: Auch die zweite Reihe ist manchmal sehr schön und ausreichend.
Wer sich hinter das Steuer eines Wohnmobils setzt, ist ab sofort nicht mehr alleine. Man gewinnt in dieser Sekunde Abertausende Freunde hinzu. Wohnmobilisten grüßen sich beim Vorbeifahren, sie plaudern auf den Stellplätzen miteinander, tauschen sich aus über schöne Plätze und gute Routen, sie geben einander Tipps und helfen sich natürlich in einer Notlage.
Unser Fazit nach zwölf Tagen "Testtour": Toll war's, jederzeit wieder. Aber: Man muss Zeit haben. Zeitstress ist nicht gut. Gerade die Freiheit zu entscheiden, an einem Ort länger zu bleiben, sich Neuentdecktes genauer anzuschauen, mit neuen Bekannten vielleicht was zu unternehmen, macht den Reiz des Wohnmobiles aus.


Zieglers Fazit im Einzelnen:
Das Auto:
Fahrzeuge gibt es von klein bis groß, für jeden Geldbeutel, nach oben keine Grenze. Was uns gestört hat: Wenn man nur zu zweit fährt, das Reisemobil aber für vier Personen ausgelegt ist, hat man immer das Gefühl, dass Platz verschwendet wird. Es gibt auch Reisemobile, die nur für zwei Personen konzipiert sind. Suchen! Man findet was. Die Fahrzeuge verbrauchen etwa zehn bis zwölf Liter (meist Diesel) auf 100 km.

Sanitär: Die Nasszellen sind klein, für stämmige Personen bei manchen Automodellen grenzwertig. Auf doppelten Ablauf in der Dusche achten. Die Chemotoilette ist geruchsfrei. Wenn es im Auto trotzdem mal unangenehm riecht, ist das in den meisten Fällen das Abwasser. Lösung: Das Altwasser schnell an einer Entsorgungsstation los werden.

Schlafen: Wir hatten ein Mobil mit separatem Schlafzimmer (mit Türe davor), dicke Matratzen, super. Wir haben jede Nacht so gut wie zuhause geschlafen.

Kochen: Mit zwei Gasflaschen an Bord sind zwei Wochen Leben in der Selbstständigkeit kein Problem. Mit Gas wird auch der Kühlschrank 24 Stunden in Betrieb gehalten.

Stell- oder Campingplatz? Die günstige Variante ist der Stellplatz, auf dem Campingplatz hat man noch zusätzlich Stromversorgung. Die ist nicht unwichtig, wenn man elektrische Geräte benutzen oder Handys etc. aufladen will. Die Fahrzeuge haben zwar USB-Schnittstellen, aber das Aufladen eines Handys dauert damit schon ziemlich lange.

Kosten: Neben den Anschaffungs-/ Mietkosten sind die Kosten für den Pkw-Sprit der größte Posten einer WoMo-Tour. Verpflegen muss man sich auch daheim, kochen kann man im Wohnmobil sehr gut. Stellplätze sind frei oder kosten eine geringe Gebühr; Campingplätze (teils mit Brötchen-Service) kosteten auf unserer Tour für eine Nacht (inkl. Strom) 16 bis 28 Euro.