Der Bahnhof ist das Tor zur Welt für Bad Kissingen. Im direkten Umfeld finden sich sowohl Stadt, als auch Natur. Nun soll das Areal nordöstlich des Bahnhofs zum Trittstein zwischen Kurstadt und Landschaft werden. Verantwortlich dafür ist die Prinzregentenpark-GmbH&Co. Kg mit Sitz in Bad Kissingen, die auch Eigentümer der Fläche ist. Es ist angedacht, dass zwischen Gleisen und Ostring 155 Wohneinheiten und ein Kindergarten entstehen. In der jüngsten Stadtratssitzung stellte Prof. Dipl.-Ing. Martin Schirmer, vom beauftragten Architekturbüro das Konzept rund um das Projekt vor. Die Stadträte beauftragten die Verwaltung einstimmig, die Weichen für die Investoren zu stellen.

Bad Kissingen: Baubeginn für Wohnprojekt steht noch nicht fest

Ihren Anfang hatte die Planung im Dezember des vergangenen Jahres. Ein konkreter Baubeginn steht derzeit noch nicht fest. Christine Schwind, Leiterin des städtischen Bauamts, teilte mit, dass zuvor noch Änderungen im Flächennutzungsplan eingearbeitet und ein Bebauungsplan aufgestellt werden müsse. Für die Diskussion und Beschlussfassung nahm 2. Bürgermeister Toni Schick (DBK), als Mitgesellschafter der Prinzregentenpark-GmbH&Co. Kg, im Zuschauerraum Platz.

Weltkulturerbe trifft auf Moderne

Bei ihrem Vorhaben müssen die Bauherren einiges berücksichtigen, darunter beispielsweise die Unesco-Weltkulturerbe Bewerbung der Stadt Bad Kissingen. Denn das Areal liegt in der sogenannten "Buffer-Zone", die den Kernbereich mit den historischen Kurbauten umschließt. Die Folge: "Wir mussten uns bei der Entwicklung des Bereichs genau abstimmen, ob es dann noch mit der Unesco-Weltkulturerbe Bewerbung klappt", teilte Schirmer mit.

Aus insgesamt vier Optionen kristallisierte sich nach Abstimmung mit Icomos - einem beratenden Gremium, das im Auftrag der Unesco unterwegs ist - die Variante A heraus. "Es ist die sinnvollste Lösung", kommentierte Schirmer das Konzept. Es handele sich um eine ruhige Anlage der Gebäude mit "klarer Linie". Geplant ist, das Vorhaben in mehreren Abschnitten anzugehen. Die Häuser sollen drei Stockwerke und ein von den restlichen Wänden zurückgesetztes Staffelgeschoss haben.

Bad Kissingen: Grünes Quartier soll entstehen

Wie Perlen auf einer Kette sollen sich die zehn Gebäude zwischen Ostring und den Bahngleisen auf dem circa 4,6 Hektar großen Grundstück aneinander reihen. Zwischen der Bebauung: Aufenthaltsplätze, Spielbereiche für Kinder verschiedenen Alters und mit rund zwei Hektar Fläche viel Grün. Dem stehen als Wohnfläche rund 1,5 Hektar gegenüber.

Der Kindergarten mit zwei Gruppen soll 430 Quadratmeter groß werden. Ein Betreiber ist noch nicht gefunden. Aber: "Der Bedarf in Bad Kissingen ist da. Wir können uns vorstellen, den Kindergarten im ersten Bauabschnitt schon mit zu realisieren", betonte Niko Rotschedl, einer der Gesellschafter der Prinzregentenpark-GmbH &Co. Kg.

Stadträte mit vielen Fragen zum Prinzregentenpark

Für Fragen aus dem Gremium sorgten die 155 Wohneinheiten. Richard Fix (Grüne) wollte wissen, ob es sich um Eigentums- oder Mietwohnungen handle. Rotschedl teilte mit, dass derzeit ein Verhältnis von 50 zu 50 angepeilt sei. Christina Scheit von der SPD-Fraktion hatte sich Gedanken um die zukünftigen Mieter gemacht. Auf ihre Frage, ob es sich um Familienwohnungen handeln wird, entgegnete Schirmer, dass der Wohnungsmix noch definiert werde. Im Konzept habe man als Messgröße etwa 100 Quadratmeter pro Wohneinheit angesetzt. Rotschedl präzisierte diese Aussage in Bezug auf die Raumanzahl: "Es sind etwa Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen." Schirmer fügte an: "Wir haben das Grundstück ausgereizt."

Hohe architektonische Messlatte

Dabei nimmt das Projekt Bezug auf die Stadtgeschichte Kissingens. Klar strukturierte Gebäudekörper sollen an die typischen Stadtvillen erinnern. "Die Messlatte für die Architektur liegt sehr hoch", betonte Schirmer. Die modernen Wohngebäude im Süden sollen eine Synergie mit der altehrwürdigen Bebauung eingehen, wie etwa der Güterhalle im Norden. Diese soll einen Anbau erhalten und kulturell genutzt werden. Die Referenzen auf die große Vergangenheit der Kurstadt seien laut Schirmer bei den Experten von Icomos gut angekommen.

Einbinden der Natur ins Konzept

Ein wichtiger Bestandteil der Variante ist die Natur. "Das kleingliedrige Netz an bedeutenden Wanderwegen im Umfeld, etwa zur Botenlaube, haben wir ins Konzept aufgenommen", sagte Schirmer. "Ein Trittstein braucht starke Wegebeziehungen zum Umfeld." Die Bäume in Richtung des Ostrings sind ebenfalls Teil des Vorhabens. "Hier soll ein grüner Park das Projekt prägen und aufwerten." Peter Eggen (AfD) fragte, ob das Areal räumlich vom Ostring - etwa durch einen Zaun - abgegrenzt werden soll. Schirmer betonte: "Es wird Teil der Stadt und keine gated-Community", womit er eine abgeschlossene Wohnanlage meint. "Die Trittstein-Funktion kann nur gegeben sein, wenn es für alle offen ist."

Einige Abgrenzungen sind dennoch notwendig, etwa von den Gleisen. Schirmer plant hier eine mehrere Meter breite "grüne Kante" aus Bäumen und Gehölzen. Nach derzeitigem Stand ist eine Schallschutzwand zum Ostring nicht notwendig. Laut Rotschedl würden architektonische Kniffe an den Gebäuden ausreichen, um für Ruhe in den Wohnungen zu sorgen.

Prinzregentenpark in Bad Kissingen: Autos kommen unter die Erde

Die etwa 367 Parkplätze für die Bewohner sollen zum Großteil mit zwei Tiefgaragen unter die Erde wandern. Der Bedarf liegt mit rund 289 Stellplätzen niedriger. "Das Parken soll keinen großen Stellenwert im Bild des Quartiers haben", betonte Schirmer. Optisches Ziel sei ein autoarmes Quartier. Das Areal im Süden an den Ostring anzubinden sei für Autofahrer wünschenswert aber nur schwer realisierbar. Die Erschließung soll deshalb über die Bergmannstraße sichergestellt werden.

Qualitäts-Wohnraum schaffen

Statt auf Autos liegt der Fokus des Planers auf Rad- und Fußwegen, etwa in Richtung Bahnhof, Innenstadt und Ostring. Die Verbindungen seien wichtig. "Je besser das Quartier mit der Umgebung verknüpft ist, desto höher ist die Qualität des Wohnraums", erläuterte Schirmer. Eine Option, das zu gewährleisten, wäre, die bestehende Bahnbrücke dafür mit zu nutzen. "Wir haben von der Bahn hierfür bereits positive Resonanz bekommen."

Eine Frage gab es von Klaus Werner (Grüne, BfU, ödp) zu den Eigentumsverhältnissen. Er wollte wissen, ob das Projekt auch umgesetzt wird, wenn die Fläche nicht in ihrer Gänze im Besitz der Investoren ist. "Es geht auch so. Aber es macht es uns einfacher, weil wir dann die Gestaltungsmöglichkeit haben", sagte Rotschedl. Schick betonte in einem Telefonat gegenüber der Redaktion, dass sowohl das Baugrundstück und -relevante Flächen im Eigentum der Gesellschaft sind.