Wenn Ralf Alsheimer und Christian Teichmann auf der frisch betonierten obersten Decke des Neumann-Flügels stehen, haben die beiden Architekten einen herrlichen Blick auf das Kurviertel. Zu sehen ist auch ihr vorhergehendes Groß-Projekt Luitpoldbad, bei dem sie eine Punktlandung bei den Kosten von 39 Millionen Euro hinlegten. Bei ihrer neuen Baustelle in Bad Kissingen sind sie optimistisch, dass es genauso reibungslos klappt: "Es läuft alles, wir sind genau im Plan", betont Teichmann.

Der Freistaat Bayern lässt aktuell das historische Kurhausbad und den Neumann-Flügel für 45 Millionen Euro zu einer Außenstelle des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) umbauen. Eigentlich handle es sich um zwei ganz unterschiedliche Baustellen, berichtet Ralf Alsheimer: Im Kurhausbad gehe es darum, möglichst viel Bausubstanz zu erhalten. Deshalb ließen die Architekten auch die alten, von Max Littmann geplanten Betondecken aus dem Baujahr 1927 nicht einfach herausreißen, sondern zunächst testen. Ergebnis: "Siehe da, wir können alle Decken erhalten", berichtet Teichmann. Statisch ändere sich schließlich nicht viel: "Wo früher Badewannen standen, stehen in Zukunft Schreibtische."

Christian Teichmann lobt seinen großen Vorgänger Max Littmann, der in Bad Kissingen viele wichtige Gebäude errichtet hat. "Littmann hat sehr materialsparend gebaut, ganz der Not der Zeit geschuldet", berichtet er. Trotzdem habe er sehr zukunftsweisend geplant. Unter anderem gibt es unterhalb des Kellers einen zwei auf zwei Meter großen Gang, in dem Rohre und Leitungen verlegt werden können.

Neue Technik in alter Heizzentrale

"Die Herausforderung ist, dass nichts zu sehen sein soll, aber alles funktionieren muss", sagt Steffen Kaspar von der "HKL Ingenieurgesellschaft" zur Technik. Das historische Heizhaus sei deshalb bis auf den letzten Zentimeter genutzt: Trafo-Station, Blockheizkraftwerk und eine Kühlung versorgen von dort aus alle Büros und das Labor mit Strom und Energie. Außerdem müssen bereits jetzt Abläufe durchgespielt werden, etwa die Anlieferung der technischen Gase über die geplante unterirdische Technik-Zentrale Richtung Kurpark. Steffen Kaspars Vorgabe: "Es darf nicht laut sein und man soll es nicht von außen sehen."

Baustart war vor gut einem Jahr, zunächst wurde viel entsorgt. "Das war viel Handarbeit", verweist Teichmann darauf, dass der meiste Bauschutt mit Schubkarren nach draußen transportiert wurde. Im Kurhausbad sind die Rohbauarbeiten mittlerweile abgeschlossen, eine provisorische Heizung sorgt für angenehme Temperaturen, der Innenausbau kann beginnen. Die Büros sollen bereits Ende 2020 fertig werden.

Dagegen werden die Labore im Neumann-Flügel erst ein Jahr später fertig, denn: "Wir bauen ein top-modernes Labor in ein altes Baudenkmal." Außer der Fassade bleibe deshalb im größten Teil dieses Gebäudes auch nichts stehen. Lediglich das alte Treppenhaus und der riesige Aufzugschacht, den Littmann bereits 1927 einbaute, wird im Neumann-Flügel erhalten. Alles andere wird entkernt.

Im Juli startete der Abbruch der ersten beiden Abschnitte: Weil die 17 Meter hohe Fassade dann frei stand, musste zunächst das Beton-Innenleben von den Fundamenten bis unters Dach hochgezogen werden. Das ist demnächst abgeschlossen, dann werden die nächsten Abschnitte entkernt. Bis zum Sommer soll dann der Rohbau der Labore fertig sein, der frei steht und lediglich durch Edelstahl-Anker mit der Fassade verbunden ist.

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