Die Arbeit ist laut, schweißtreibend, und sie wäre eminent gefählich, wenn sich Pekta Szyman nicht in einen Schutzanzug gehüllt und eine Atemmaske aufgesetzt hätte. Szyman ist Mitarbeiter der Frima Bautec, die zur Zeit den gifthaltigen alten Putz in den Fluren und Räumen des Luitpoldbades abklopft.

Der Schadstoff, das krebserregende Umweltgift PAK, war überraschend entdeckt worden.
Dennoch gehen die Arbeiten am Umbau des Luitpoldbades zum Behördenzentrum zügig weiter. "Parallel an anderer Stelle", sagt Erwin Full vom Staatlichen Bauamt. Zum Beispiel im Innenhof. Hier entsteht ein Neubau-Trakt.


Hinunter zum Fels

Damit der Neubau auf sicheren Beinen steht, mussten wegen des schlechten Baugrundes gut 50 Bohrpfähle in den Boden gerammt werden. Jeder etwa 15 Meter lang, damit er bis zum felsigen Untergrund reicht. "Hätten wir das nicht gemacht," so Full, "hätte sich der Neubau irgendwann gesetzt, und das hätte sich auch auf die Altbau-Substanz ausgewirkt."

Der Rohbau des Neubauteiles soll bis Ende des Jahres stehen und wird aus Beton-Fertigteilen bestehen. Wobei der Beton mit Farbe gemischt wird, damit er wie grüner Sandstein wirkt. "Das wird ästhetisch sehr hochwertig", versichert Erwin Full. Das Landesamt für Denkmalpflege hat zugestimmt.

Auch in anderen Bereichen ist die Baustelle Luitpoldbad überaus anspruchsvoll. Zum Beispiel wegen der Lage im Hochwassergebiet der Saale. Während der Neubautrakt im Kellerbereich eine wasserdichte Betonwanne bekommt, muss der Altbau anderweitig gegen aufsteigende Feuchtigkeit geschützt werden. Er erhält eine "Horizontalsperre".


Edelstahl gegen Feuchtigkeit

Das bedeutet: In die Mauern wird auf Bodenniveau ein durchgehender Schlitz gesägt, in den Edelstahlblech eingeschoben wird. "Dieses Blech soll verhindern, dass die Feuchtigkeit in den Mauern nach oben steigt", sagt Erwin Full.

Die Sägearbeiten beginnen im September, denn bis dahin ist der erste Querbau entgiftet. Verwendet wird eine Seil-Säge. Die Lärmbesläsigung dürfte laut Full nicht all zu groß werden. Die Säge selbst wird im Inneren des Bauwerks stehen, und eine Seil-Säge dürfte nicht so viel Krach machen wie eine Kreissäge.

In diesem Zusammenhang haben die Planer noch mit einer weiteren Altlast zu kämpfen. Vor 70, 80 Jahren wurden schon einmal Bleche zur Abdichtung ins Mauerwerk des Luitpoldbades eingebracht. Allerdings waren diese Bleche nicht aus Edelstahl. Sie rosteten, haben teils das Mauerwerk gesprengt und müssen nun raus.

Probleme mit dem Untergrund gibt es auch beim Auffüllen des südlichen Hofteils, um insgesamt eine ebene Fläche im Innenhof zu erhalten. Einfach Erde reingeworfen, das wäre zu schwer geworden und hätte ebenfalls die Altbausubstanz schädigen können. Deswegen wird dieser Bereich überbaut. "Mit einem hohlen Bauwerk, das leichter ist als Erde", sagt Full.


Scharfe Sicherheitsauflagen

Inzwischen hat Pekta Szyman eine weitere Wand vom giftigen Putz befreit. Der kontaminierte Schutt kommt in einen Spezialcontainer und wird als Sondermüll entsorgt. Damit kein Staub nach außen dringt, müssen Szyman und seine Kollegen jedesmal eine luftdichte Schleuse passieren, wenn sie ihren Arbeitsplatz betreten oder verlassen. "Jedes Mal, wenn einer rausgeht, kommt sein Schutzanzug in einen Spezialbeutel und wird fachgerecht entsorgt", sagt Reiner Artmann, Aufsichtsführer von der Firma Bautec. Und jedes Mal, wenn seine Mitarbeiter wieder in den kontaminierten Bereich hineingehen, müssen sie sich mit neuem Schutzanzug und einer neuen Maske ausstaffieren.

Damit auch wirklich kein Gift nach außen dringt, wird die Luft in den Bereichen, in denen der Putz abgetragen wird, abgesaugt und erst nach Passieren eines Filters in den Freiheit entlassen.

Seit zwei Monaten läuft die "Entgiftungsaktion bereits, und noch einmal zwei Monate werden die Bautec-Mitarbeiter brauchen, bis sie fertig sind. "Die Schadstoffe im Putz sorgen für Mehrkosten von rund 170 000 Euro", sagt Christian Firlus vom Architektirbüro Grellmann, Kriebel, Teichmann.

Der Umbau des Bades zum Behördenzentrum wird am Ende knapp unter 37 Millionen Euro gekostet haben, schließt Erwin Full. Dann, wenn die Arbeiten spätestens Ende März 2017 abgeschlossen sind.