Die Nachricht vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) ist erschreckend. Dass es sich bei vergifteten Greifvögeln im Raum Hammelburg um das Nervengift Carbofuran handelte, war schon Ende Mai bekannt (wir berichteten). Das Insektizid ist seit 2007 in der EU verboten und wird in der Landwirtschaft nicht mehr eingesetzt.

In diesem Jahr wurden bereits 18 tote Greifvögel in Bayern im Auftrag des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) wegen Verdacht auf Vergiftung untersucht. Immerhin 13 der Greifvögel wiesen Spuren des Giftes auf. Unter den Vögeln waren sieben Rotmilane, sechs Mäusebussarde, zwei Habichte, ein Schwarzmilan, ein Kolkrabe und - ganz zur Verwunderung der Naturschützer - ein Wanderfalke.

Weil Greifvögel Beute im Flug fangen: "Vergiftung scheint kaum erklärlich"

Der Fall des Wanderfalken, der in Landsberg am Lech gefunden wurde, lässt die Naturschützer nun besonders aufhorchen: "Wie ein Greifvogel, der seine Beute ausschließlich im Flug fängt und kein Aasfresser ist, an einer Vergiftung durch Carbofuran sterben kann, erscheint uns kaum erklärlich. Hier könnte man nur auf eine präparierte lebende Brieftaube spekulieren", so der Landesfachbeauftragter beim LBV, Andreas von Lindeiner, gegenüber dem Bayerischen Rundfunk.

Dahinter lässt sich ein gezielter Angriff auf die Vögel vermuten. Im Raum Hammelburg wuchs die Zahl der toten Tiere bis Mai auf insgesamt vier tote Milane, einen Silberreiher und zwei Mäusebussarde. Bei drei der Tiere wurden Spuren des Giftes gefunden und auch ein in Windheim verendeter Rotmilan starb an einer Carbofuran-Vergiftung.

Die Hammelburger Polizei ging bei den Funden davon aus, dass Giftköder oder "gedankenloses Ausbringen" denkbar seien. Aber auch eine Sekundärvergiftung durch vergiftete Mäuse sei möglich. Auf Nachfrage dieser Redaktion bei Christian Pörtner, Leiter der Hammelburger Polizei, gebe es keine neuen Totfunde oder Ergebnisse aus den Untersuchungen. Eine präparierte Brieftaube als Köder könne sich der Leiter allerdings nur sehr schwer vorstellen.

Benutztes Gift: Auch für Menschen besteht Gefahr

Nicht nur für die Vögel besteht Gefahr, denn es gibt auch weitere Aasfresser in der Natur. Für den Menschen stellt das Gift auch ein Risiko dar: Es gilt als Neurotoxin und kann über die Haut aufgenommen werden. Spaziergänger sollten deshalb in der Flur keine toten Tiere anfassen. Hundebesitzer sind besonders zur Vorsicht angehalten. Verdächtige Fleischstücke und tote Greifvögel, Eulen oder Eier sollten umgehend der örtlichen Polizei gemeldet werden.

Als Anlaufstelle für Naturschutzkriminalität haben der LBV und die Gregor Luisoder Umweltstiftung ein Projekt gestartet. In "Tatort Natur" werden Fälle untersucht, die vor allem streng geschützte Tiere betreffen. Hier bei uns in Bayern sind davon besonders Greifvögel, Biber, Fischotter, aber auch Luchse betroffen. Die Hauptmotive sind demnach oft Jagdkonkurrenz, wirtschaftliche Interessen wie zum Beispiel Baugenehmigung für Windkraftanlagen oder als Zeichen gegen den Naturschutz zu sehen, um nur einige Motive zu nennen.