Die Flächen sind voll, der Anfragen sind es viele. Der Markt Burkardroth möchte seit langer Zeit ein neues Gewerbegebiet schaffen. Von der Regierung gab es die Auflage, dass dies gemeinsam mit der Stadt Bad Kissingen an der Poppenrother Höhe geschehen soll. Allerdings ist Burkardroth mit dem Projekt schon viel weiter als Bad Kissingen und mag nicht mehr länger warten. Egon Gessner, der 3. Bürgermeister des Marktes äußerte sich: "Noch zehn Jahre warten wir nicht." Jetzt kam es zu einer wichtigen Weichenstellung: Die Kommune am Fuß der Schwarzen Berge könnte ein Hintertürchen gefunden haben.

Für Gewerbegebiete gibt es Richtlinien seitens der Regierung. Schließen sich zwei Kommunen zusammen, um ein Gewerbegebiet auszuweisen, muss die Fläche nicht an bestehende Orte angebunden sein - das wäre die Situation an der Poppenrother Höhe. Möchte eine Gemeinde dagegen ein eigenes Gewerbegebiet schaffen, bedarf es der Ortsanbindung. Allerdings: "Wenn eine Kommune nachweisen kann, dass sie in diesen Lagen keine geeigneten Flächen für ein Gewerbegebiet hat, kann vom Anbindegebot abgewichen werden", teilte Daniel Wehner (CSU), der Burkardrother Bürgermeister, mit. Ein Grund wäre beispielsweise ein Mehr an Durchgangsverkehr in den Orten.

Kommune baut auf Expertise

Für den Nachweis, dass die möglichen Flächen oberhalb von Wollbach, bei Waldfenster oder zwischen Stangenroth und Burkardroth nicht geeignet sind, setzt die Kommune auf Analysen des Ingenieurbüros Hahn aus Bad Kissingen. Die bisherige Bilanz: Burkardroth hat keine geeigneten Flächen. Gelingt der bürokratische Coup, könnte die Kommune an der Poppenrother Höhe schon bald Handwerksbetriebe ansiedeln.

Wie gemeinschaftlich ist das Vorhaben auf diesem Wege noch?

Aber: Wie interkommunal ist das Projekt dann noch? Außen vor wäre die Welterbestadt nämlich nicht: "Bad Kissingen könnte sich dann anklinken, wenn sie soweit ist", teilte das Burkardrother Ortsoberhaupt mit. Das Ergebnis wäre letztlich doch wieder ein interkommunales Gewerbegebiet. Eine Hürde stellt für die Stadt derzeit noch der Grunderwerb dar, wie der Bad Kissinger OB, Dr. Dirk Vogel anfang diesen Jahres mitteilte.

Gewerbegebiet Bad Kissingen und Burkardroth: Das sagt die Stadt

Das bestätigt auch Thomas Hack, Pressesprecher der Stadt: "Die Stadt Bad Kissingen klärt derzeit vor allem Grundstücksfragen ab." Zum Vorhaben äußert sich das Rathaus folgendermaßen: "Die Planungen Stadt Bad Kissingen und des Marktes Burkardroth für ein interkommunales Gewerbegebiet sind aufeinander abgestimmt und werden am Ende zusammengeführt" Dabei bietet der Markt bietet der Stadt Hilfe an. "Bad Kissingen darf auf unsere bisherigen Erkenntnisse zurückgreifen", sagte Daniel Wehner. Darunter fällt beispielsweise die naturschutzrechtliche Untersuchung.

Um den Weg zum Gewerbegebiet beschreiten zu können, entschloss der Markt sich jüngst dazu, den Flächennutzungsplan umzuwidmen. Dort ist die Fläche noch als Industriegebiet ausgewiesen. Das scheiterte dereinst am Widerstand einer Stralsbacher Initiative. Als Folge wurde aus dem Industrie- ein Gewerbegebiet. Im Bebauungsplan ist dies bereits verschriftlicht. "Es braucht in beiden Plänen das Gewerbegebiet. Das muss juristisch nachgeholt werden", machte Johannes Hahn vom Ingenieurbüro Hahn deutlich. Ansonsten kann der Bebauungsplan nicht in Kraft treten.

Erst dann kann der Bebauungsplan öffentlich ausgelegt werden. Dabei bekommen nicht nur Bürger, sondern auch die Nachbarkommunen - darunter Bad Kissingen - die Möglichkeit, sich zum Vorhaben zu äußern.

Die Hoffnung von Daniel Wehner: "Es wäre toll, wenn die Stadt sagt, dass der Weg für sie in Ordnung ist, und wir das Vorhaben auf diese Weise gemeinsam weiterverfolgen." Auch seine Stellvertreterin, Silvia Metz, machte deutlich: "Wir haben so viel Zeit und Energie in das Projekt gesteckt. Wir müssen vorankommen."