Mit einem corona-bedingt veränderten Konzept fanden am vergangenen Wochenende die Bad Kissinger Gesundheitstage bereits zum 24. Mal statt: Auf die publikumswirksame Ausstellung in der Wandelhalle hatten die Veranstalter verzichten müssen, stattdessen den Schwerpunkt beider Veranstaltungstage auf Aktivität an frischer Luft und Workshops gelegt. "Mitmachen und Ausprobieren" waren die Stichworte zum Motto "Gesundheit erleben".

Angebote im Freien

"Nichts ist so beständig wie der Wandel" begann deshalb auch Elisabeth Müller, Firmenchefin der veranstaltenden Laboklin GmbH, ihre Ansprache zur Eröffnung, zu der sie im Kurgartencafé viele Gäste aus Gesundheitswesen und Politik begrüßen konnte. Den traditionellen Termin im April hatte man wegen der anhaltenden Pandemie bewusst ausfallen lassen. Doch wegen der Ungewissheit über die im Herbst wohl geltenden Hygiene-Vorschriften hatten die Veranstalter frühzeitig das Konzept geändert und neue Angebote im Kurgarten und auf der Kurhausstraße ins Programm aufgenommen. "Standen früher Ausstellung und Vorträge im Vordergrund der Gesundheitstage, sind es diesmal Aktionen und Seminare." Denn die Besucher sollten "Gesundheit erleben". Gleichzeitig bewarb sie das vielfältige Angebote an Workshops im Hotel Kaiserhof Viktoria sowie die Angebote von Partnern aus dem Gesundheitssektor in eigenen oder speziell dafür angemieteten Räumen.

Andere Bäderstädte einbinden

Da noch immer Bad Kissingen den regionalen Schwerpunkt der Gesundheitstage bildet, appellierte Müller an die Bürgermeister und Repräsentanten der Staatsbäder Bad Brückenau und Bad Bocklet, sich künftig enger einbinden zu lassen und die Veranstaltungsreihe auf ein breiteres Fundament zu stellen. "Ohne Sponsoren wäre diese Veranstaltung nicht möglich", bedankte sich Müller bei den Unterstützern und wagte mit dem Blick auf die Finanzen auch einen Blick in die Zukunft. "Wir freuen uns auf die 25. Veranstaltung im kommenden Jahr." Doch damit sei auch der Zeitpunkt gekommen, sich "von der Tochter zu lösen" und sich "neu zu orientieren".

"Wir sind nur Paten"

Stadt und Staatsbad GmbH hätten nach Auflösung des ursprünglich veranstaltenden Fördervereins Gesundheitszentrum im Jahr 2019 nun Zeit gehabt "zu überlegen, wie es weitergeht". Auf spätere Nachfrage dieser Zeitung bestätigte Elisabeth Müller noch einmal ausdrücklich, die Veranstaltung könne nicht allein in der Verantwortung ihres Privatunternehmens liegen: "Wir sind keine dauerhafte Lösung. Wir sind nur Paten." Nach Auflösung des Fördervereins, in dem sich Stadt und Staatsbad GmbH, Mediziner und Unternehmen aus dem Gesundheitssektor einst zusammengefunden hatten, habe sie als "Retterin" der Gesundheitstage deren Durchführung nur für gewisse Zeit und bis zu einer erhofften Neuordnung übernommen.

OB positioniert sich nicht

Oberbürgermeister Dirk Vogel ging in seinem Grußwort nicht auf die von Müller indirekt gestellte Frage künftiger Verantwortlichkeit ein. Er verwies allerdings auf das Staatsbad als Jahrhunderte alter Gesundheitsstandort. "Wir schreiben uns Gesundheit auf die Fahne." Vogel sieht als künftige Chance für Bad Kissingen "die Wiederbelebung der ambulanten Badekur in einer modernen Form der Gesundheitsvorsorge". Doch um dieses Ziel zu erreichen, betonte er, seien alle gefordert: "Nicht die Stadtverwaltung ist allein für das Wohlergehen der Stadt verantwortlich, sondern auch die Privatwirtschaft, das private Unternehmertum."

Landrat dankt Müller ausdrücklich

"Wir haben den Marsch geblasen bekommen", hatte zuvor Landrat Thomas Bold (CSU) in seinem Grußwort auf die Rede von Elisabeth Müller reagiert. Die Doppeldeutigkeit seiner Bemerkung bezog sich auch auf das musikalische Rahmenprogramm des Bad Kissinger Blechbläserensembles unter Leitung von Hans-Jörg Rustler. Bold gratulierte Müller zur Auszeichnung als Unternehmerin des Jahres in Bayern. "Unternehmer unternehmen etwas", zitierte er eine alte Floskel, weshalb er auch an Müllers langjähriges Engagement im Förderverein Gesundheitszentrum erinnerte und ihr für die zwischenzeitliche Organisation der Gesundheitstage "auf eigene Kosten" ausdrücklich dankte. "Die Gesundheitstage sind gewinnbringend für die Stadt und die Region." Das Unternehmertum, wie es Elisabeth Müller zeige, erschöpfe sich nicht nur im Gewinnstreben, sondern beweise sich auch in einer "sozialen Bindung an die Region". Die aktuelle Phase der Corona-Pandemie habe die Überlegungen zur weiteren Fortführung der Gesundheitstage unterbrochen. Doch jetzt sei ein neues Konzept fällig, meinte der Landrat. "Es muss alles auf den Prüfstand."

Ungeachtet künftiger Überlegungen zur Veranstaltung der Bad Kissinger Gesundheitstage steht für Laboklin-Chefin Müller und ihre verantwortliche Projektleiterin Elisabeth A. Distl schon jetzt fest: Die Jubiläumsveranstaltung der 25. Bad Kissinger Gesundheitstage soll in traditioneller Form mit Wandelhallen-Ausstellung am 30. April und 1. Mai 2022 stattfinden.