Um Wein und Frauen, Liebe und Mord ging es am Freitag bei den "10. Bad Kissinger Genuss-Welten". Die Schauspielerin Marie-Luise Marjan (73), vielen besser bekannt als Helga Beimer aus der Fernsehserie "Lindenstraße", las Gedichte und Geschichten, brachte Anekdoten und manches zum Schmunzeln rund um den süffigen Saft "praller Beeren", wie eine von ihr gelesene Liebesgeschichte überschrieben war.
Musikalisch wurde sie von Gerriet Heuten am Akkordeon begleitet.

Lag es an der Live-Sendung von "Fastnacht in Franken" in Veitshöchheim? Gerade mal 25 Gäste, darunter nur drei Herren, hatten sich in dem für diese Zuhörerzahl zu großen Kurgartencafé zur Verkostung von fünf erlesenen Tropfen der Weingüter Baldauf und Neder aus Ramsthal eingefunden. Zu essen gab es fränkische Hochzeitssuppe und eine kalte Platte mit fränkischen Spezialitäten.

Schon mit ihrer ersten Erzählung und ein paar Gedichten um den Wein gelang es der Schauspielerin mit ihrer sanft-warmen Stimme die anfangs spürbare Zurückhaltung ihrer Zuhörer in begeisterte Aufmerksamkeit zu wandeln. Mal sanft und leise, wie es die Liebesgeschichte verlangt, mal laut und dynamisch, wie es zur Mordgeschichte "Non, je ne regrette rien" von Weinkrimi-Autor Carsten Sebastian Henn gehört, nahm Marjan, die vor ihrer Fernsehkarriere viele Jahre auf der Bühne gestanden hatte, mit gekonntem Vortrag, immer passend mit Mimik und Gestik betont, ihr Publikum schnell gefangen.


Selbst ein Genusstyp

Sie selbst sei "ein Genießertyp und eine absolute Weinliebhaberin", hatte Marie-Luise Marjan zuvor im Pressegespräch verraten. Im Sommer bevorzuge sie spritzig-leichte, im Winter eher sanfte, vollmundige Weine. Wein gehöre bei ihr zu jeder Mahlzeit. "Das rundet ein Essen erst richtig ab." Nur während der Dreharbeiten verzichte sie auf Wein.

Franken gehört zu Marjans bevorzugten Anbaugebieten. "Der Bocksbeutel begleitet mich seit bald 60 Jahren." Denn als Musikschülerin sei sie seit ihrem 15. Lebensjahr jedes Jahr nach Bayreuth gefahren. "Wagners Ring kenne ich rauf und runter." Seitdem sind für sie Bocksbeutel und Frankenwein unauslöschlich im Gedächtnis verankert. "Auch deshalb komme ich gern nach Bad Kissingen."


"Unvergessliches Erlebnis"

Vor zwei Jahren war sie erstmals ganz privat beim "Kissinger Sommer", wurde natürlich sofort erkannt und von Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) in die Königsloge eingeladen. Marjan: "Ein unvergessliches Erlebnis für mich." Das Vorhaben, Bad Kissingen zum UNESCO-Weltkulturerbe zu machen, findet sie "eine gute Idee". Sie sei von den tschechischen Bädern begeistert und schätze deshalb auch die historischen Bauten Bad Kissingens. "So was gibt's heute ja kaum noch." Das müsse unbedingt erhalten bleiben, "nur das Image muss jünger werden."

Die 73-Jährige Schauspielerin feiert nicht jeden Geburtstag, "nur die runden". In zwei Jahren steht die 75-Jahr-Feier an. Zufällig fällt auch das 30-jährige Jubiläum der "Lindenstraße", deren erste Folge im Dezember 1985 mit ihr als Helga Beimer ausgestrahlt wurde, ins Jahr 2015. "Meinen Geburtstag und das Jubiläum könnten wir doch prima zusammen in Bad Kissingen feiern." Ob dann auch "Mutter Beimer" die Lindenstraße im WDR-Studio in Köln-Bocklemünd verlässt und zur Kur nach Bad Kissingen fährt? Oberbürgermeister und Kurdirektor Frank Oette zeigten im Pressegespräch Interesse an der Idee.