Mehr als 18 000 Fahrzeuge rollen jeden Tag über die Garitzer Kreuzung, 14 000 sind an der Stelle auf der B286 unterwegs. All diese Autofahrer müssen sich dort ab Herbst zeitweise und ab dem kommenden Frühjahr dauerhaft auf massive Einschränkungen einstellen. Denn dann rollen die Bagger. Das staatliche Bauamt Schweinfurt beginnt, die Kreuzung zum Kreisverkehr umzubauen - zeitgleich startet auch die Sanierung der B286/Westring ab der Kreuzung bis zum Ortsausgang Garitz in Richtung Poppenroth. Was das bedeutet erklärt Michael Fuchs, der Leiter des Staatlichen Bauamts: "Die B286 wird in dem Bereich während der Bauzeit voll gesperrt." Ab März 2022 bis voraussichtlich Ende des Jahres ist die viel befahrene Bundesstraße komplett dicht. Geht alles nach Plan, werden die Arbeiten in dem dreiviertel Jahr fertig.

Eigentlich wollten die Planer erst den Kreisel bauen und danach den Westring sanieren. Auf Drängen der Stadt Bad Kissingen hat sich das Staatliche Bauamt nun darauf festgelegt, beide Bauabschnitte parallel durchzuziehen. Das bedeutet auf der einen Seite einen größeren Aufwand für die Planer, weil alles geballt koordiniert werden muss. Außerdem besteht laut Fuchs das Risiko, dass das Vorhaben am Ende teurer wird. Aber das parallele Arbeiten hat einen entscheidenden Vorteil: Die Bauzeit verkürzt sich erheblich. "Wir sind schneller und effektiver. Bei zwei Bauabschnitten nacheinander wären die Verkehrsteilnehmer von einer längeren Sperrung betroffen", betont Fuchs.

Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) ist froh, dass das Bauamt auf den Wunsch der Stadt eingegangen ist und lobt die konstruktive Zusammenarbeit. Er rechnet damit, dass die Bauzeit für die Verkehrsteilnehmer nicht angenehm wird. "Es ist eine sensible Strecke", sagt er. Umso wichtiger sei es, dass kompakt und schnell gearbeitet wird. Dass die Kreuzung nach jahrelangen politischen Diskussionen und langen Vorplanungen nun endlich angegangen wird, sei erfreulich.

Gutachten für Umleitungsstrecken

6,7 Millionen Euro kostet das Gesamtvorhaben, der Kreisverkehr macht 4,9 Millionen Euro davon aus. Den Großteil zahlt der Bund, der Eigenanteil für die Stadt und den Landkreis Bad Kissingen als Kreuzungsbeteiligte liegt bei je 700 000 Euro, wobei auch hier noch staatliche Zuschüsse zu erwarten sind. "Wir arbeiten an der bestmöglichen Lösung für die Kommunen", betont Fuchs. Die Arbeiten für den Kreisel sind bereits ausgeschrieben und Angebote von Firmen liegen bereits vor. Die Arbeiten für den Westring werden demnächst ausgeschrieben.

Wie der Verkehr während der Bauzeit umgeleitet wird, dazu wollen sich das Staatliche Bauamt und das Rathaus gegenwärtig noch nicht äußern. Die Verkehrsführung sei im Detail noch nicht abgestimmt. Beide Seiten betonen, dass sie aktuell an der verträglichsten Lösung arbeiten. Dazu hat sich das Staatliche Bauamt externe Unterstützung geholt und ein Verkehrsgutachten in Auftrag gegeben. "Es gibt mehrere Alternativen, die jetzt abgesprochen werden. Unser Ziel ist es, eine optimale Verkehrsführung zu ermöglichen", berichtet der Bauamtsleiter.

Vor einigen Jahren hatten Vertreter des Staatlichen Bauamts schon einmal Überlegungen zu Umleitungsstrecken im Stadtrat skizziert. Damals war angedacht, die Garitzer Kreuzung für den innerstädtischen Verkehr offen zu lassen, so dass Verkehrsteilnehmer von der Schönborn- in die Garitzer Straße fahren können. Der Verkehr von aus Richtung Oberthulba und Bad Brückenau sollte großräumig über den Klaushof zum Nordring geleitet werden, für den Verkehr von Süden war geplant, die Bismarckstraße am Campingplatz zu öffnen und den Verkehr durchs Kurgebiet ins Zentrum zu leiten.

Bevor der Bau des Kreisel im Frühjahr beginnen kann, sind noch größere Vorarbeiten nötig. Unter anderem muss das Anwesen in der Garitzer Straße 1 dem Kreisel weichen. "Wenn wir einen Kreisverkehr bauen, brauchen wir viel Platz außen herum", sagt Fuchs. Sieben Wochen sind für den Abriss des früheren Wohnhauses geplant, 45 000 Euro soll er kosten. Seit der vergangenen Woche ist die Abbruchfirma tätig, die Schadstoffe sind bereits ausgebaut. Als nächstes kommt der Bagger mit Sortiergreifer, der das Haus Stück für Stück abreißt. "Die Baugrube werden wir am Ende nicht auffüllen. Dort können später die Kollegen vom Straßenbau gleich aufbauen", erklärt Christian Rödl von der Hochbauabteilung des Staatlichen Bauamts.

Leitungsbau: Ab Herbst erste Sperrungen

Weitaus komplexer sind die Vorarbeiten, die diesen Herbst starten. "Alles, was es an Leitungen gibt, trifft sich hier im Kreuzungsbereich", sagt Rüdiger Köhler, zuständig für Straßenbau beim Staatlichen Bauamt. Im Umgriff der Garitzer Kreuzung liegen Hauptleitungen im Boden, die die Innenstadt sowie Stadtteile mit Gas- und Trinkwasser versorgen. Die Hauptwasserleitung für die KissSalis-Therme läuft hier durch, außerdem Abwasserrohre, Strom-, Fernseh- und Internetkabel. Alles muss verlegt werden. Nach Auskunft von Bauamtsleiter Michael Fuchs sind dafür kurzfristige Straßensperrungen notwendig. Danach normalisiert sich die Lage bis zum Baubeginn im Frühjahr. "Über die Wintermonate wird es keine Einschränkungen an der Garitzer Kreuzung geben", sagt Fuchs.

Kommentar: Stadtbild wandelt sich nach Westen und Süden

Lange Zeit war der Garitzer Kreisel kommunalpolitisch heftig umstritten. Viele Garitzer wollten lieber die Ampelkreuzung behalten und lehnten der Kreisverkehr vehement ab. Um den Streit ist es ruhig geworden, dass der Kreisel kommt (wenn er endlich kommt), damit haben sich die meisten abgefunden.

Öffentlich wurde der Zustand des Westrings zuletzt kritischer wahrgenommen. Böse Zungen behaupten ja, dass die Haupteinfallsstraße von Westen in die Stadt aus mehr Schlaglöchern, als aus befahrbarem Asphalt besteht. Dass ein Scherzkeks vor ein paar Jahren am Westring am Ortsschild Garitz ein spöttisches Schild mit der Aufschrift "Bad Kissingen - Unesco Stadt der Schlaglöcher" aufgestellt hat, ist da bezeichnend. Es geht bei der Sanierung nicht nur ums Stadtbild. Die Straße wird leistungsfähiger und vor allem sicherer. Für Bad Kissingen als zentralen Ort im Landkreis und vor allem für die Außenwahrnehmung als Tourismusort ist es wichtig, dass diese Straße nun in Ordnung gebracht wird. Der Bau des Garitzer Kreisels und die Sanierung des Westrings sind gewissermaßen der Startschuss für weitere Großprojekte, die sich in dann langfristiger im Süden der Stadt konzentrieren.

Die Diskussion um Bad Kissingens Bewerbung für eine Landesgartenschau hat gezeigt, dass im Süden der Stadt städtebaulich einiges aufzuholen ist. Sicher ist, dass das Staatliche Bauamt die Südbrücke sowie die Schlachthof-Kreuzung in den nächsten Jahren erneuern wird. Der Schlachthof soll saniert werden und auf dem Gelände soll ein neues Logistikzentrum der Post entstehen, ein Supermarkt interessiert sich für das ehemalige Gärtnerei-Gelände in der Oskar-von-Miller-Straße und am Bahnhof entsteht mit dem Projekt Prinzregentenpark ein neues Wohnviertel.

Auch ohne Landesgartenschau wird sich das Gesicht der Stadt nach Süden stark verändern, mit Landesgartenschau dann entsprechend mehr. Dem ganzen Bereich und der Stadt wird es hoffentlich gut tun.