Zurzeit macht der gewohnte Blick in den Spiegel vielen keine Freude mehr. Die Haare sind zu lang und haben keine Fasson mehr. Seit sechs Wochen haben die Friseure geschlossen - keiner ist mehr da, der unsere Frisur in Form bringt. Doch es gibt einen Silberstreif am Horizont. Ab dem 4. Mai haben die Friseursalons wieder geöffnet, allerdings unter strengen Vorgaben an Arbeitsschutzstandards.

Für den Friseursalon Christiane Schießer in Garitz heißt es in dieser Woche, den ganzen Betrieb umzukrempeln. "Die Berufsgenossenschaft hat den Friseuren Richtlinien vorgegeben, an denen wir uns entlanghangeln müssen", erklärt Christiane Schießer, die lange Jahre Obermeisterin der Friseurinnung war. So ist die Anzahl der zu bedienenden Kunden begrenzt, da der Sicherheitsabstand von Kunde zu Kunde mindestens 1,5 Meter betragen muss. Jeder Kunde muss vor jeder Dienstleistung telefonisch einen Termin vereinbaren. Personen mit Symptomen einer Atemwegsinfektion und selbstverständlich auch Kunden, die sich in Quarantäne befinden, dürfen nicht bedient werden.

Pünktlichkeit und Hygiene

Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, ist es unbedingt erforderlich, dass jeder Termin vom Kunden pünktlich eingehalten wird, da keine Warteplätze angeboten werden dürfen. Ein Aufenthalt im Salon ist nur während der Behandlung erlaubt, Begleitpersonen dürfen nicht den Arbeitsraum betreten. "Die Vorgaben erschweren unsere Arbeitsbedingungen allgemein. Sie sind eine Herausforderung für jeden Friseur. Waren vorher bestimmte Hygienevorschriften gang und gäbe, so wird mit den Vorschriften und den speziellen Desinfektionsmitteln noch einiges daraufgesetzt. Die Einhaltung dieser Vorgaben sind für die Betriebe sehr kostenintensiv, was sich sicher auch in den Preisen widerspiegeln wird", so Christiane Schießer. Auch der Friseurverband hat bereits angekündigt, dass der Besuch beim Friseur teurer wird als gewohnt.

Pro 20 Quadratmeter Salonfläche dürfe nur ein Kunde anwesend sein. "Wir mussten die Anzahl der Stühle und Arbeitsplätze halbieren." Jegliche Bewirtung habe zu unterbleiben, auch Zeitschriften dürfen nicht zur Verfügung gestellt werden.

Gesichtsnahe Dienstleistungen wie Augenbrauen und Wimpernfärben, Rasieren und Bartpflege dürfen von den Fachkräften derzeit nicht ausgeführt werden. Nach Möglichkeit sollen die Betriebe kontaktloses Bezahlen ermöglichen (z. B. EC-Karte).

Mundschutzpflicht, Hände und Haare waschen

Auch für die Kunden gibt es viele Neuerungen: Beim Betreten des Friseursalons muss sich jeder die Hände waschen oder desinfizieren. Jeder Kunde muss einen Mundschutz mitbringen und auch tragen. Jeder Kundin, jedem Kunden, werden im Salon die Haare gewaschen. Dies sei eine Vorsichtsmaßnahme, so die Friseurmeisterin.

Angeblich könnten im Haar Viren sein, die dadurch entfernt würden, so wurde ihr erklärt. Kunden dürften sich nicht selbst die Haare föhnen. Auch müsse sich jeder Besucher eines Salons mit der Erfassung seiner persönlichen Kontaktdaten einverstanden erklären, damit bei einer später erkannten Infektion mögliche Kontaktpersonen identifiziert und informiert werden könnten.

Was ist, wenn sich ein Kunde nicht an die Vorgaben hält oder sie ablehnt? "Dann darf er nicht bedient werden und muss den Raum verlassen", so Christiane Schießer. Auch die Friseurinnung betont: Die Betriebe haben strenge hygienische Vorschriften, die selbstverständlich genauestens eingehalten werden müssten, schon im Hinblick darauf, dass bei Ansteigen der Corona-Infektionen wieder mit Betriebsschließungen zu rechnen sei.

Termine können gebucht werden

Dies schließe auch mit ein, dass die Kunden entsprechend mitarbeiten. Schießer hofft, dass ihr und ihren Berufskollegen eine weitere Schließung erspart bleibe. Ihre Kunden seien erleichtert, dass ihr Salon wieder öffnen darf. Einige hätten schon Termine für den 4. Mai gebucht. Auch das Personal wurde bereits für die neue Vorgehensweise geschult. Diese Woche könne man bei den Friseursalons Termine buchen.