Schöner hätte das Wetter im Kurpark von Bad Bocklet nicht sein können, um die diesjährigen Preisträger des Vinzenz-Preises des Caritasverbands für die Diözese Würzburg auszuzeichnen. Weihbischof Ulrich Boom feierte einen Festgottesdienst und überreichte beim anschließenden Festakt gemeinsam mit der Landtagspräsidentin a.D. Barbara Stamm und Domkapitular Clemens Bieber die Preise.

Unter dem Motto der Jahreskampagne des Deutschen Caritasverbandes "Das machen wir gemeinsam", suchte der Caritasverband für die Diözese Würzburg ehrenamtliche Projekte und Initiativen im Bistum Würzburg, die sich für das gute Miteinander und den gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen. "Der soziale Friede ist in unserem Land möglich, wenn die Generationen gemeinsam Wege in die Zukunft suchen, wenn Menschen mit und ohne Einschränkungen das Leben teilen, wenn Einheimische und Migranten voneinander lernen, wenn Religionen und Konfessionen das Gemeinsame entdecken, wenn Wohlhabende mit Ärmeren teilen, wenn die Gesunden den Kranken beistehen, wenn die Gefangenen besucht werden", so der Text in der Ausschreibung zum Vinzenzpreis. Die Projekte und Initiativen sollen zeigen, was es heißt, Kirche für und mit den Menschen zu sein. Der Vinzenzpreis, benannt nach dem französischen Priester und Ordensgründer Vinzenz von Paul, der auch als Begründer der neuzeitlichen Caritas gilt, ist mit insgesamt 5000 Euro dotiert.

Den ersten Preis und das Preisgeld von 3000 Euro bekam die Initiative "Rock the Nations" der Anker-Einrichtung in Geldersheim. Musik sei das verbindende Element für Menschen weltweit. Das werde in der Anker-Einrichtung genutzt, um den dort wohnhaften Geflüchteten einen Weg aus der Isolation zu bieten, führte Clemens Bieber aus. Viele Bewohner leider unter schweren Traumata und haben Zukunftsängste. Das gemeinsame Musizieren in verschiedenen Musikgruppen in der Einrichtung biete die Möglichkeit, Stress abzubauen, Kontakte zu knüpfen und ihre Talente einzubringen. Die internationalen Musiker soll zudem in bestehende Musikgruppen in Geldersheim und Umgebung integriert werden, ganz nach dem Motto des Ausschreibungstextes des Vinzenzpreises. Musik werde als einfache Brücke zu den Geflüchteten genutzt, bei der es keine Sprachbarrieren gebe.

Das Projekt wirke dabei in zwei Richtungen: Musiker aus der Region kommen in die Einrichtung, um gemeinsam Musik zu machen. Geflüchtete werden Teil von bestehenden Musikgruppen in der Umgebung.  Neben dem gemeinsamen Musizieren soll in Zukunft auch Musikunterricht mit Musiklehrern aus der Region ermöglicht werden. Hierfür soll das Geld des Vinzenzpreises verwendet werden. Nicht nur die Musik steht bei "Rock the Nations" im Vordergrund, es entstehen Freundschaften, erst kürzlich konnte unbürokratische Hilfe geleistet werden. Und auch die vielen kleinen Herausforderungen des Alltags werden gemeinsam bewältigt: fehlende Winterjacken, Möbel, technische Ausstattung etc. Geplant sei eine Fahrradwerkstatt einzurichten, einen Freizeitraum mit Tischkicker, Billard und Tischtennisplatten. Einen Einblick in das musikalische Miteinander gab es bei der Preisverleihung selbstverständlich auch.

Der zweite Platz und ein Preisgeld von 2000 Euro ging an das Projekt "Handmade" von Ingrid Pollak und ihrem Mann Diakon Richard Pollak im Würzburger Stadtteil Lengfeld. Leben können von seiner Hände Arbeit, das sei für Menschen in Nigeria gar nicht so einfach und nicht selten ein Grund, der Heimat den Rücken zu kehren. Nähmaschinen, älteren Datums, aber einsatzbereit, seinen ein Angebot und ein Ausweg. Frauen und Männer können Kleidung für sich und für den Markt herstellen. Im Sinne der Caritas eine echte "Hilfe zur Selbsthilfe" und ein kleiner Beitrag dazu, Fluchtursachen in Afrika zu beseitigen, so die Begründung der Jury. Ingrid Pollak habe engagierte Frauen und Männer um sich gescharrt, denen die Ideen scheinbar nicht ausgehen. Legendär sei ihr Strick- und Nähkreis, der am Beginn der Pandemie 1000 Masken herstellte, viel gelobt ihr Einsatz hinter Gefängnismauern, der vor allem inhaftierten Frauen gelte. "Immer wieder setzt sie Zeichen der Solidarität, sammelt Lebensmittel für  die Tafel und verteilt kleine Zeichen der Aufmerksamkeit an Einsame." Jeder Lengfelder kenne ihre gelbe Telefonzelle im Garten, die als Umschlagplatz für kleine Hilfegüter und Spenden diene. Mit Handmade gehe der Blick weit über den eigenen Kirchturm hinaus.