Die neue Omikron-Variante wird wahrscheinlich nach Weihnachten in Deutschland dominant sein. Mit ihr werden die Inzidenzen erneut hoch ansteigen: Omikron ist nach derzeitigem Stand ansteckender als die Varianten zuvor. Dazu kommt, dass Geimpfte und Genesene von der Variante ebenfalls betroffen sind, wie der neue Corona-Expertenrat der Bundesregierung warnt. Das könne zu einer explosionsartigen Verbreitung führen.

Und auch, wenn das Virus bei Geimpften und Genesenen nur als Grippe durchschlägt: Als Arbeitskraft fallen diese Menschen aus. Virologe Christian Drosten prophezeite am Beispiel eines Londoner Krankenhauses: "Omikron wird zu massiven krankheitsbedingten Arbeitsausfällen führen. Auch in essenziellen Berufsgruppen". Wie sieht es im Landkreis Bad Kissingen aus? Ist man auf eine neue große Infektionswelle vorbereitet?

Zwischen den Zeilen liest sich: Fast alle setzen auf Prävention - einen Plan, wie damit umzugehen ist, wenn viel Personal ausfällt, gibt es nur vereinzelt.

Helios Krankenhaus

Das Elisabeth-Krankenhaus antwortet auf die Anfrage der Zeitung, dass sie sich "zu spekulativen Szenarien nicht äußern." Das Helios St. Elisabeth-Krankenhaus beobachte die Coronalage genau und könne so kurzfristig auf neue Gegebenheiten und Entwicklungen reagieren.

Landratsamt und Gesundheitsamt

"Die Kreisverwaltungsbehörde ist für Omikron gewappnet, um den größtmöglichen Schutz für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Besucherinnen und Besucher gewährleisten zu können", heißt die Stellungnahme aus dem Landratsamt. An den Stellen, an denen es möglich ist, setze das Landratsamt auf Arbeiten im Home Office.

Kontaktreduzierung, Abstand und Hygieneregeln einhalten, regelmäßiges Testen auch für Geimpfte, seien weitere Vorgaben. Besucherinnen und Besucher brauchen einen vereinbarten Termin und einen Testnachweis, sofern sich die Angelegenheit nicht per Telefon oder Mail klären lässt. So hofft man, dass Omikron die Verwaltung nicht lahm legt.

"Sollte die Omikronvariante sich entsprechend der derzeitigen Prognosen von Fachleuten verbreiten, wird dies das Gesundheitsamt im Hinblick auf die Kontaktpersonennachverfolgung vor große Herausforderungen stellen", heißt es aus dem Gesundheitsamt. Eine Nachverfolgung von Kontaktpersonen sei aufgrund der Vielzahl an Infektionsfällen schon jetzt nur noch eingeschränkt - insbesondere bei Haushaltsmitgliedern - zuverlässig möglich.

Eine individuelle Kontaktpersonennachverfolgung komme in dieser Phase der Pandemie an ihre Grenzen. Das Gesundheitsamt appelliert in der Stellungnahme deshalb an die Bevölkerung, die geltenden Hygieneregeln und Verhaltensempfehlungen zu beachten und, wo immer möglich, physische Kontakte zu reduzieren.

Feuerwehr

Bei der Feuerwehr gebe es Pläne, wenn in den Wehren viele Feuerwehrleute erkranken oder in Quarantäne müssen, bestätigt Landratsamt-Pressesprecherin Anja Vorndran. Im Landkreis leisten 4500 Feuerwehrleute ihren Dienst. "Wenn in einer Gemeinde Floriansjünger ausfallen, dann helfen bei einer Alarmierung die einsatzfähigen Nachbarwehren aus", so die Stellungnahme.

Die Feuerwehr der Stadt Bad Kissingen arbeitet nach Angaben ihres Kommandanten Harald Albert seit Beginn der Pandemie nach einem Notfallplan. Es gibt zwei Einsatzgruppen, die strikt getrennt voneinander Einsätze fahren. Es existieren strenge Corona-Regeln, sagt Harald Albert, dank derer die Wehr bislang gut durch die Krise gekommen sei. Albert hofft, dass sich das Konzept auch weiter bewährt.

Carl von Hess'sche Sozialstiftung

"Wir haben uns bestmöglich vorbereitet", sagt Marco Schäfer, Stiftungsvorstand der Carl-von-Hess'schen Sozialstiftung. Er verweist auf das Pandemiekonzept für die Seniorenheime der Einrichtung. Es gebe zudem Überlegungen, was zu tun ist, wenn vermehrt Personal ausfällt. Bis zu einem bestimmten Umfang könnten Ausfälle in einem Haus durch die anderen Einrichtungen kompensiert werden.

Aber Marco Schäfer betont auch: "Wir sind nicht in der Situation, dass wir große Puffer haben". Deshalb hofft er, dass die Prävention eine schlimme Omikron-Welle verhindern kann. Der größte Teil des Personals sei geboostert, ebenso sehr viele der Heimbewohner. Die Hygienekonzepte sieht er als wichtige Waffe für die prognostizierte fünfte Welle.

Personenverkehr

Beim Personennahverkehr hängt ein Notfallplan nach Aussagen des Landratsamtes davon ab, ob es aufgrund der Omikron-Variante zu einem Lockdown kommt und ob für alle Schulen Distanzunterricht angeordnet wird. Im Präsenzunterricht werde der reguläre Fahrplan angeboten. Ansonsten könne - je nach Lage - der Ferienfahrplan zum Einsatz kommen.

Dies bedeutet, dass alle mit "S" gekennzeichneten Fahrten in den Fahrplänen nicht mehr bedient werden. Es würden nur die Fahrten im Fahrplan mit "F" oder die Fahrten, die keine Kennzeichnung haben, durchgeführt. Ebenfalls finden dann keine Linienfahrten an Sonn- und Feiertagen statt. Unter www.mobil-kg.de gebe es aktuelle Infos.

Müllabfuhr

Und wie sieht es bei der Müllentsorgung aus? Christine Seger vom Münnerstädter Entsorgungsunternehmen Seger Transporte setzt ebenfalls auf die Prävention. "Wir halten unsere Leute an, achtsam zu sein". Impfen, testen, Abstand und Hygiene nennt sie als wichtige Bausteine. "Wir tun alles, damit wir unsere Arbeit machen können". Im Falle eines hohen Krankenstands könnten Aushilfen oder ehemalige Mitarbeiter einspringen, so Christine Seger.

Und für die Müllentsorgung gilt: "Bevor das Müllauto steht, bleibt ein anderes Fahrzeug stehen". Krankheitswellen sind in einem Unternehmen nichts Ungewöhnliches, gibt Christine Seger zu bedenken. Ihr Betrieb hatte erst kürzlich eine große Grippewelle zu verkraften. Die habe man gut gemeistert.

Labor LS

Das Labor LS gibt an, sich an den politischen und virologischen Vorgaben zu orientieren. "Beispielsweise wird die räumliche Situation entzerrt, indem 130 neue Home Office-Möglichkeiten angeboten werden, sowie durch eine strikte Pausenzeitregelung der verschiedenen Abteilungen." Zusätzlich gebe es eine Kohortenplanung, jeder Bereich ist in zwei unabhängige Arbeitsgruppen eingeteilt, die zeitversetzt arbeiten. Sie setzen zudem auf Tests und Impfungen.

Stadtverwaltung, Kläranlage und Abfallbeseitigung

Die Stadt Bad Kissingen setzt ebenfalls auf Prävention: "Hygienemaßnahmen, Schichtmodelle, aber auch die verstärkte Wahrnehmung von mobilem Arbeiten", zählt Pressesprecher Thomas Hack auf. Sie beobachten die Situation: Sollte es Anzeichen geben, dass weitere Schritte notwendig seien, würden sie diese gehen. Beispielsweise eine Wechselschicht in wichtigen Bereichen, wie die Kläranlage oder Abfallbeseitigung. "Die ist bereits mit Herrn Oberbürgermeister Dr. Dirk Vogel abgestimmt und vorbereitet", sagt Hack.