Der Sachverhalt war eindeutig, der Angeklagte in der Verhandlung im Bad Kissinger Amtsgericht voll geständig. Nach 30 Minuten wurde ein 23-Jähriger wegen unerlaubten Anbaus von vier Cannabis-Pflanzen und Besitzes von zwei waffengleichen Gegenständen zu fünf Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt.

Der junge Mann auf der Anklagebank versuchte gar nicht erst, sich herauszureden. Schulterzuckend und stockend bestätigte er auf Befragen die Vorwürfe des Staatsanwalts: "Stimmt alles." Nach einem anonymen Anruf mit genauer Wegbeschreibung zum Tatort war die Polizei im Herbst vergangenen Jahres in der Wohnung des Beschuldigten auf dem Dachboden fündig geworden: Vier etwa 80 Zentimeter große Cannabis-Pflanzen standen unter einer Wärmelampe. Der Raum war zwecks Geräuschminderung notdürftig ausgepolstert, die Fenster gegen Einsicht von außen verklebt. Außerdem fanden die Polizisten bei der weiteren Durchsuchung einen Elektroschocker und einen Schlagring, deren Besitz unter das Waffengesetz fällt.

Nachteilig für den Angeklagten fiel bei der Urteilsfindung ins Gewicht, dass er gerade erst im Juni aus der Würzburger Justizvollzugsanstalt auf Bewährung entlassen worden war, wo er wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln ein paar Monate eingesessen hatte. Deshalb sah der Staatsanwalt auch keine Chance auf eine günstige und somit strafmildernde Sozialprognose: "Der Angeklagte hat seine Bewährungszeit nicht durchgestanden und ist gleich eine Nummer größer eingestiegen." Er beantragte deshalb eine Freiheitsstrafe von acht Monaten ohne Bewährung.

Auch der Verteidiger kam nicht umhin, den Sachverhalt als bestätigt anzusehen. Im Wissen, dass bei einem 23-Jährigen das Erwachsenenstrafrecht anzuwenden ist, versuchte er dennoch, seinen Mandanten, den er seit einigen Jahren kennt, als in der Entwicklung gehemmten jungen Mann darzustellen. "Er stolpert da einfach rein, ohne sich Gedanken zu machen." Sein Vergehen zeige nur "ein geringes Niveau krimineller Energie", da auch der als Zeuge befragte Polizist von einem "nicht hochprofessionellen, sondern minderen Aufwand" beim Cannabis-Anbau gesprochen habe.

Verteidiger beantragt Bewährung

Im Gegensatz zum Staatsanwalt stellte der Verteidiger seinem Mandanten sehr wohl eine günstige Sozialprognose aus: Trotz Corona habe er im Oktober eine wenn auch befristete Anstellung in der Industrie gefunden. Die Höhe der Freiheitsstrafe stellte er dem Gericht anheim, beantragte aber deren Aussetzung zur Bewährung. Als Bewährungsauflage hielt der Verteidiger eine Zahlung von 700 Euro für angemessen.

Der Angeklagte entschuldigte sich abschließend für sein Fehlverhalten. Der Neustart im Sommer nach der Haftentlassung sei schwierig gewesen. Rauschgift konsumiere er seit Aufdeckung der Tat nicht mehr: "Ich bin da raus."

Das Urteil fiel mit fünf Monaten Freiheitsstrafe zwar milder aus als vom Staatsanwalt gefordert. Doch auch die Richterin sah keine Anzeichen für eine günstige Sozialprognose: "Sie haben nichts Besseres zu tun, als gleich nach der Haftentlassung Cannabis-Pflanzen zu kaufen." Besserung sei deshalb nicht zu erwarten, weshalb die Strafe auch nicht zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Zum Abschied wünschte die Richterin dem jungen Mann, "dass er irgendwann doch noch auf den richtigen Weg kommt".