Gas und Strom werden teurer. Die zusätzlichen Euros spüren besonders Menschen, die Monat für Monat gerade so über die Runden kommen, aber auf keine finanziellen Ersparnisse zurückgreifen können. Der Brief, in dem der lokale Versorger ankündigt, dass Energie jetzt mehr kostet, ist dann nicht nur ein unangenehmer Brief, sondern eine niederschmetternde Nachricht, die Angst macht.

Menschen, die in finanziellen Nöten stecken, können sich von Gabriele Morath beraten lassen. Die Sozialpädagogin arbeitet für den Allgemeinen Sozialen Beratungsdienst des Caritasverbandes in Bad Kissingen.

Neulich rief sie eine Frau an, die berichtete, dass sie rund 400 Euro mehr für Energie zahlen müsse. Das sind im Monat rund 33 Euro mehr. "Für die Frau ist das ein Wahnsinn. Jeder Euro ist wichtig", sagt Morath. Ähnlich eng auf dem Konto wird es, wenn plötzlich der Kühlschrank kaputt geht oder die Waschmaschine streikt. Und: "Die Mieten sind dermaßen hoch - sowohl in Bad Kissingen als auch im Landkreis", sagt Gabriele Morath.

Morath geht mit Hilfesuchenden zusammen durch, ob alle möglichen staatlichen Hilfen beantragt sind. Manchmal überweist sie - nach einer Bedürftigkeitsprüfung - die Rechnung für den Strom oder die Miete, falls sonst etwa der Verlust der Wohnung droht. Dafür nutzt sie Spendengelder.

Mit dem Geld eines großzügigen Spenders, der 5000 Euro gab, ließ sie einer fünfköpfigen Familie einen Öltank für die Heizung vollständig füllen, erzählt sie. Das Öl half, um aus der akuten Notlage zu kommen und reichte bis ins nächste Jahr hinein.

Wenn es bei einmaliger Hilfe bleibt und - wie bei der Familie - die Menschen danach wieder aus eigener Kraft ihren Lebensunterhalt bestreiten, ist das quasi der Idealfall. Aber dieser Fall tritt immer seltener ein. Vielen Menschen fehle es an Perspektiven, berichtet Morath. "Bei einem Großteil verändert sich nichts."

Im Vergleich zu vergangenen Jahren merkt die Sozialpädagogin bei ihrer Arbeit, dass die Kluft zwischen "arm" und dem "Mittelstand" auseinandergeht. Menschen, die aus dem Mittelstand abrutschten, fänden schwerer wieder aus der Notsituation hinaus.

Meistens kommen Familien zu ihr, vor allem die Frauen, oft alleinstehende Mütter. Viele Menschen haben eine Berufsausbildung, geraten aber in Not, wenn sie die Arbeit verlieren oder krank werden. Der Großteil ist zwischen 30 und 50 Jahre alt. "Viele arbeiten, müssen aber noch aufstocken." Wenn das Einkommen nicht für den alltäglichen Lebensunterhalt reicht, gibt es die Möglichkeit, "aufstockendes Hartz IV" zu beantragen.

Alte Menschen kommen seit einiger Zeit häufiger als früher. Oft erhalten sie eine Rente zwischen 350 und 500 Euro pro Monat. Dazu kommt eine aufstockende Grundsicherung. Manche benötigen Hilfe beim Ausfüllen der Anträge. Andere haben Hemmungen, Hilfe anzunehmen. "Ich hab noch nie Hilfe gebraucht, ich habe es die ganzen Jahrzehnte allein geschafft", hört Morath dann.

Was sie besonders stört: Corona habe dazu geführt, dass der persönliche Kontakt zu Sachbearbeitern der Behörden unterbunden sei. "Es gibt so viele Türen, die geschlossen bleiben. Das bringt viel Leid und Resignation unter die Menschen, die auf öffentliche Gelder angewiesen sind."

Auswirkungen von Corona

Es gebe Menschen, die gar nicht das nötige Equipment wie Computer oder Internet hätten, um Online-Anträge auszufüllen. Die Klicks an der richtigen Stelle zu setzen, um die passenden Anträge zu finden, sei zudem oft eine Herausforderung. Manche Menschen warteten sechs bis acht Wochen auf das Geld vom Staat und seien verzweifelt.

Morath ärgert sich, wenn dann von einzelnen Sachbearbeitern Aussagen kämen wie "ist halt so". "Da kriege ich einen dicken Hals." Es brauche mehr Menschlichkeit und es sei ihr wichtig, dass alle, die kommen, gehört werden.

"Die Spenden, über die ich verfügen darf, sind ein Geschenk. Ohne diese, wäre die Resignation bei den Menschen weitaus größer", sagt Morath. Manchmal stehe bei den Spenden als Verwendungszweck "vom Taschengeld" dabei. "Wenn Eltern spenden, bekommen das Kinder mit."

Spendenkonten:

  • Caritas: DE80 7935 1010 0000 0019 41 (neue Kontonummer)
  • Diakonisches Werk: DE48 7935 0101 0000 0025 35
  • Kidro: DE05 7935 1010 0000 0335 55
  • Solwodi: DE73 7906 5028 0005 7260 50

Verwendungszweck: Weihnachtshilfe Saale-Zeitung

Wichtige Anmerkung: Vor ein paar Tagen hatten wir auf dieser Seite bei der Caritas noch eine andere Kontonummer angegeben.  Beim Spendenkonto der Caritas ist ein Fehler aufgetreten.

Die Caritas hat vor einiger Zeit eine Kontoumstellung bei der Sparkasse vorgenommen. Aufgrund dieser kam es bei Spendeneingängen, die per Hand getätigt wurden, zu Rückbuchungen auf das Konto des Spenders, teils sogar mit einer Gebühr von 2,50 Euro, berichtet Gabriele Morath von der Caritas. „Uns wurde versichert, dass während des kompletten Jahres 2022 eine Übertragung vom alten ins neue Konto erfolgt.“ Nun hat sich herausgestellt, dass dies nur für Überweisungen gilt, die online getätigt wurden. „Das wurde leider nicht weitergegeben“, sagt Morath.

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