Statt Überstunden zu Hause abzufeiern, hat August Brendan seine Freizeit auf dem Friedhof verbracht. Denn der ist quasi zu einem Hobby des Ordnungsamtsleiters geworden. "Irgendetwas muss man ja machen", sagt Brendan lapidar. Mit Mira Göbel, der über die Bürgerarbeit bei der Stadt beschäftigt ist, tauschte er die Abdeckung der Friedhofsmauer aus. "Winterbeschäftigung", meint Brendan.


Von Mitte Januar bis Mitte März arbeiteten die beiden teilweise bei Wind und Kälte. Ein Bewohner aus der Nachbarschaft unterstützte sie gelegentlich. "Es war teilweise so kalt, dass man die Nägel nicht halten konnte", berichtet Brendan. Etwa 150 Arbeitsstunden seien zusammengekommen.

Die alten Schindeln waren nach 30 Jahren morsch geworden. "Wir haben lange überlegt, wie die Mauer neu abgedeckt werden soll", sagt Bürgermeister Ernst Stross (SPD). Die Wahl fiel wieder auf ein Dach aus Schindeln - auch damit niemand auf der Mauer herumklettern kann. Stross: "Es ist eine optische Abgrenzung des Friedhofs und schafft einen Ruhebereich."

Auf etwa 60 Metern Länge schützen rund 7.000 neue Eichen-Schindeln aus dem Berchtesgadener Land die Friedhofsmauer. Drei Schichten liegen übereinander, damit keine Feuchtigkeit an das Mauerwerk gelangt. "Nach Angaben des Herstellers sollen die Schindeln 30 bis 50 Jahre halten", erklärt Brendan - wenn sie nicht mutwillig beschädigt werden. Denn die alten Holzplättchen fielen immer wieder Vandalismus zum Opfer. Sie wurden herausgebrochen. Das sollen jetzt die neuen Profile aus Titanzink verhindern.

Das gesamte Material kostete laut Brendan etwas über 6.000 Euro. Die Jagdgenossenschaft Hammelburg beteiligt sich an den Ausgaben: Wolfgang Eilingsfeld und Josef Merz haben dem Bürgermeister einen Spendenscheck in Höhe von 2000 Euro übergeben. Das Geld stammt aus dem Pachterlös der Jagdgenossenschaft. Die hatte bereits die Restaurierung des Friedhofskreuzes bezuschusst. Die ehrenamtliche Arbeit des Ordnungsamtsleiters hat der Stadt zusätzlich die Lohnkosten gespart.

Und das gilt nicht nur für die Sanierung des Mauerdachs. Brendan opfert oft seine Freizeit für die Friedhöfe. Da er den Flohmarkt ebenfalls ehrenamtlich betreut, konnte die Stadt dank der Einsparung einen Radlader für den Friedhof kaufen. "Brendan zeigt ein hohes Maß an Verantwortung", lobt Stross.

Ochsenthal mitgerechnet gibt es zwölf Friedhöfe. Die Stadt muss immer wieder in die Begräbnisstätten investieren. So wurde in Obererthal die Zufahrt neu angelegt und in Pfaffenhausen die Mauer saniert.

Auf dem Hammelburger Friedhof selbst sind verschiedene Bestattungsformen möglich, vom Grab bis zur anonymen Urnenbeisetzung. Demnächst werden auch Urnengräber unter Bäumen angeboten.

Der Friedhof hat - was sich andere Ortsteile wünschen - eine Toilette und ist behindertengerecht. Das Pflaster wurde vor einiger Zeit erneuert. Auch dabei wirkte Brendan ehrenamtlich mit.