Winkels — "Feuerwehr - das ist doch nur was für Jungs" dieser früher und leider manchmal auch noch gehörte Spruch gilt bei der Freiwilligen Feuerwehr Winkels schon seit Beginn der Achtziger Jahre nicht mehr. Als eine der ersten Wehren im Landkreis nahm Winkels schon 1982, damals unter dem Kommando von Heinrich Müller, dem jetztigen Ehrenkommandaten, Frauen in den aktiven Dienst auf.

Inzwischen "arbeitet" in Winkels bereits die zweite Generation von Frauen bei der Wehr, nun unter Kommandantin Christine Rausch, der Tochter von Heinrich Müller. Auf 29 Aktive kann die Kommandantin heute zählen, unter ihnen sind fünf Frauen. Einige der "ersten Stunde" sind nach über 25-jähriger Tätigkeit wieder aus dem aktiven Dienst ausgeschieden, das heißt, sie mussten wie ihre männlichen Kollegen den freiwilligen Feuerwehrdienst mit 63 Jahren beenden.
Zu den gut zwei Dutzend Aktiven kommen noch 17 Jugendliche hinzu "16 Mädels und ein junger Mann" erläutert Christine Rausch leicht verschmitzt. Warum hier in Winkels ein so deutlicher Überhang an weiblichen Feuerwehrleuten herrscht, kann sie sich auch nicht ganz erklären. "Das liegt vermutlich daran, dass es in den betroffen Geburtsjahrgängen einfach mehr Mädchen gibt" ist ihre einzige Erklärung und die Mädchen kommen halt gleich immer in der Gruppe. "Wir haben sogar eine dabei, die hier erst vor ein paar Monaten zugezogen ist und nun schon tüchtig in der Jugendgruppe mitmacht" so die Kommandantin, die auch selbst ausbildet und Leistungsprüfungen abnimmt.
Solch eine Jugendleistungsprüfung absolvierten nun acht Mädchen im Alter von 14 bis 17 Jahren. "Das ist der Einstieg in die Feuerwehrgrundtätigkeiten erläutern die beiden anderen Schiedsrichter Dominik Billmann (Bad Kissingen) und Kreisbrandmeister Steffen Kiesel (Reiterswiesen).
Gerätekunde, Knoten und Theorie stehen auf dem Lehrplan der Einzel- und Gruppenprüfung bei den Jugendlichen. Und Janin Hofmann, Lisa Metzger, Paula Mittmann, Jana Brust, Anja Hillebrand, Selina Rausch, Natlie Traub und Natalie Schamne müssen auch an diesem Tag ohne ihren einzigen männlichen Kameraden auskommen. Er ist mit seiner Schule derzeit auf Klassenfahrt. Auch wenn alle Mädels die Jugendleistungsprüfung bestanden haben, etwas Bammel zeigt die Kommandantin doch, vor allem wenn sie an die Zukunft denkt. "Bislang haben wir nur männliche Atemschutzgeräteträger, da ist die weibliche Begeisterung noch nicht so groß" resümiert sie und stellt dann aber doch klar, dass bereits die erste Feuerwehrfrau aus Winkels zum Atemschutzlehrgang angemeldet sei.
Mit ganz anderen Schwierigkeiten hatte dagegen ihr Vater vor über 30 Jahren zu kämpfen. So passten den damaligen Feuerwehrdamen zwar die Schutzanzüge, zur Prüfung durften sie aber alle in Turnschuhen antreten, da sämtliche Gummistiefel um mehrere Nummern zu groß waren - ein Problem, über das man heute in der Winkelser Wehr nur noch lacht, aber auf einem "offiziellen Foto" sind all die Ehemaligen noch mit schönen weissen Turnschuhen abgebildet.