Der in vergangenen Jahren spürbare Klimawandel sorgte nicht nur für Dürreperioden, sondern zeigte sich auch in plötzlich auftretendem Starkregen. Dies führte auch im Gebiet der kommunalen Allianz Kissinger Bogen immer häufiger zu Flusshochwasser und Sturzfluten mit innerörtlicher Überflutung von Grundstücken und Straßen.

Zur Erstellung eines integralen Konzepts zum Sturzfluten- und Risikomanagement erhielten die vier Mitgliedsgemeinden bereits im Jahr 2018 vom bayerischen Umweltministerium einen Zuwendungsbescheid. Der Marktgemeinde Bad Bocklet wurde der maximal mögliche Zuschuss von 150 000 Euro zugesagt.

In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats stellte Kaj Lippert, geschäftsführender Gesellschafter des daraufhin beauftragten Ingenieurbüros Björnsen (Koblenz), die Prüfungsergebnisse sowie konkrete Handlungsempfehlungen vor.

Voraussetzung war die Erstellung einer Gefahrenanalyse. Hierfür wurden alle Gemeindeteile geologisch vermessen und die Messdaten mit Einzelheiten wie Geländestruktur, Gebäude, Wasserdurchlässe und Brücken für jeden Ort einzeln in einem digitalen Geländemodell erfasst.

Danach wurden unterschiedliche Niederschlagshöhen simuliert von häufig im Jahr auftretenden Regenfällen mit nur 43 Millimeter pro Stunde bis hin zu eher seltenen extremen Niederschlägen von 128 Millimeter. Daraus wurde der entsprechende, vom geologischen Untergrund abhängige Oberflächenabfluss berechnet.

Die jeweiligen Ergebnisse für die einzelnen Gemeindeteile präsentierte Lippert in der Ratssitzung anhand von Sturzflut-Risikokarten, aus denen sich die in ihrer Dringlichkeit unterscheidenden Maßnahmen ableiten lassen.

Rückhaltebecken und tiefere Gräben

Am Beispiel des Staatsbades hatte das Ingenieurbüro nur ein mäßiges Gefahrenrisiko durch Flusshochwasser, aber ein hohes Sturzflut-Risiko errechnet. So lautete hier nur eine von mehreren Empfehlungen, nordöstlich der Klinik ein Rückhaltebecken zu bauen und an der Waldstraße tiefere Gräben anzulegen, um das Hangwasser aus dem Wald auffangen zu können.

Lippert: "Sturzflutgefahr besteht vor allem dort, wo Waldboden auf Asphalt trifft."

Nach diesem Muster schlägt das Koblenzer Ingenieurbüro für jeden Ort der Marktgemeinde konkrete Maßnahmen zur Risiko-Minderung vor, wobei jede einzeln einschließlich der nach heutigem Stand geschätzten Kosten in einem Maßnahmenblatt dokumentiert ist. "Manche Maßnahmen lassen sich mit relativ wenig Aufwand umsetzen", nahm der Fachmann den Gemeinderäten die Angst vor den Kosten.

38 Maßnahem erfasst

Insgesamt erfasste das Ingenieurbüro 38 Maßnahmen, von denen allerdings nur 19 mit Gesamtkosten von etwa 700 000 Euro die Aufgabe der Kommune wären, während die andere Hälfte von privaten Grundstückseigentümern oder dem Freistaat durchzuführen wären. Bei den 19 kommunalen Maßnahmen wurde zudem zwischen elf mit hoher Priorität, sieben mit mittlerer Dringlichkeit und einer von niedriger Bedeutung unterschieden.

Doch selbst, wenn sämtliche Vorschläge umgesetzt würden, lassen sich Hochwassergefahren nicht gänzlich ausschließen, warnte der Experte: "Schutz kann immer nur bis zu einem gewissen Grad garantiert werden. Aber die Umsetzung dieser Maßnahmen mindert zumindest das Risiko und die Gefahr einer Überflutung."

Konzept im Internet vorstellen

Dieses Konzept will die Verwaltung demnächst im Internet der Öffentlichkeit vorstellen, dann bei kommenden Bürgerversammlungen in den Ortschaften diskutieren lassen, erklärte Rathaus-Geschäftsleiter Thomas Beck das weitere Vorgehen. "Dann müssen wir prüfen: Wo geht was, was macht man wo und wie?" So müsse bei jeder Maßnahme einzeln geprüft werden, ob es zur Umsetzung staatliche Fördermittel gibt. Die Empfehlungen des Ingenieurbüros können ohnehin nur schrittweise abgearbeitet werden. Dies braucht Zeit, dämpfte Beck die Erwartungen. "Ich rechne mit fünf bis sieben Jahren."