Fast schnurgerade fließt der Embach an der Südseite Albertshausens vorbei, doch das soll sich - zumindest in Teilbereichen - ändern. Renaturierung heißt das Zauberwort, das dem Bach auf fünf Abschnitten ein etwas anderes Bild geben soll. Wobei die Maßnahme bei den Bürgern des Stadtteils nicht unumstritten ist.
"Beim Embach handelt es sich um ein Gewässer 3.
Ordnung, für den Unterhalt muss die Stadt sorgen", sagt Marcel Zimmermann vom städtischen Tiefbauamt. Das Wasserwirtschaftsamt war im Rahmen des Gewässer-Entwicklungsplanes der Ansicht, dass am Embach etwas passieren sollte Zimmermann spricht von einem kooperativen Projekt zwischen der Stadt als Bauherrn und dem Wasserwirtschaftsamt.

Erlebnis statt Wiese

Zwei Teilmaßnahmen sollen die Renaturierung des Embachs vor allem prägen, beide spielen sich auf städtischen Grundstücken ab. Eine davon ist unterhalb des Kindergartens geplant (siehe Grafik). "Dort ist derzeit nur eine Wiese,", sagt Projektleiter Robert Knidlberger. Entstehen soll ein "innerörtlicher Erlebnisbereich", eine Art Mäander, der sich weit in die Wiese Richtung Kindergarten hinein bewegt. Mit sehr niedrigem Pegelstand, damit kein spielendes Kind in Gefahr gerät.
Das in der Nähe gelegene Stauwehr wird durch eine Fischtreppe ersetzt. Auf diese Weise sollen Kleinlebewesen auch in den oberen Teil des Baches gelangen können. "Die ökologische Durchgängigkeit ist eine Vorgabe des Wasserwirtschaftsamtes", betont Knidlberger.
Östlich der Zufahrt von der B 286 wird der Embach ein ganz neues Bild bekommen. Die Pläne sehen statt der jetzigen, schnurgeraden Bachlaufs, eine Mäander-Reihe vor. Dadurch wird der Bach nach Ansicht des Planers nicht nur ein natürlicheres Bild erhalten, Knidlberger und das Wasserwirtschaftsamt erwarten auch eine größere Artenvielfalt im Bereich der Tierwelt. Dazu sollen auch ins Wasser versenkte Steine und Kiesel beitragen.

Hochwasser im Griff

Selbst das Hochwasserproblem will Knidlberger auf diesem Mäander-Bereich in den Griff bekommen. "Wir fangen das Hochwasser vor dem Ort ab", sagt er und verweist auf eine dort geplante natürlich wirkende Mulde, deren Grund rund 20 Zentimeter tiefer liegen wird als das heutige Bodenniveau. Entstehen wird die Mulde auf der südlichen Seite des Ufers, wobei der hier sehr gute Boden auf Äcker in der Nachbarschaft verteilt wird.
Drei kleinere Maßnahmen werden sich auf Grundstücken des Landkreises abspielen. So auf einer Feuchtwiese weit oberhalb des Stadtteils. Der Bach wird nach der Renaturierung mitten durch die Wiese laufen. "Damit sollen die Durchfeuchtung weiter entwickelt und eine Verbesserung des Schwarzstorch-Habitats erreicht werden", sagt Knidlberger.
Ebenfalls im Besitz des Landkreises ist der Bereich um den Fischteich östlich von Albertshausen. Den Teich und die noch dort stehenden Fichten will das Landratsamt ohnehin entfernen. Dann werden auch hier ein "leichter Mäander" eingebaut und ein Wehr entfernt, so der Projektleiter.
Schließlich wird dem Bach auf einem bereits bestehenden Biotop an der Westgrenze von Albertshausen mehr Raum gegeben.

Geteilte Meinung vor Ort

Wie sehen die Albertshäuser die geplante Renaturierung? Es herrscht eine geteilte Meinung", sagt der frühere Ortssprecher und heutige Stadtrat Klaus Zehe (Freie Wähler). Die einen seien dafür, die anderen fragen sich, ob es Sinn macht. Er selbst sei der Meinung, man solle der Natur ihren Lauf lassen. Die Teilmaßnahme unterhalb des Kindergartens verspreche aber, attraktiv zu werden, auch für das Ortsbild. Vor einer endgültigen Meinungsbildung will sich Zehe noch einmal mit Landwirten und Holzrechtlern unterhalten.Durchgeführt werden soll die Maßnahme im kommenden Jahr. Veranschlagt ist die Renaturierung mit 170 000 Euro. Wenn in diesem Jahr noch ein Antrag an das Wasserwirtschaftsamt gestellt wird, wird die Maßnahme mit 75 Prozent gefördert. Da auch der Landkreis finanziell mit von der Partie ist, wird im städtischen Haushaltsentwurf 1915 ein Anteil von 29 000 Euro stehen.

Erster Schritt ist getan

Mit 7:4 Stimmen hat der Bauausschuss in seiner letzten Sitzung beschlossen, den Förderantrag an das Wasserwirtschaftsamt zu stellen und den städtischen Kostenanteil in den Etatentwurf 2015 vorzusehen.