Eltern auch am Handy Vorbild

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Der Referent Wilfried Brüning bei der Fortbildungsveranstaltung des Netzwerk Frühe Kindheit. Foto: Georg Schulz-Hertlein
Der Referent Wilfried Brüning bei der Fortbildungsveranstaltung des Netzwerk Frühe Kindheit.  Foto: Georg Schulz-Hertlein

"Zwischen zwei Welten - Kinder im medialen Zeitalter" hieß eine Fortbildung für Fachkräfte aus dem Sozial- und Gesundheitsbereich.

Auf Spielplätzen und an Küchentischen sind sie längst keine Seltenheit mehr: Eltern, die ihrem Smartphone fast mehr Aufmerksamkeit zu schenken scheinen als ihrem Kind. Auch Kinder, die mit den Fingern über Papierseiten wischen, sieht man immer häufiger. Fest steht: Den Umgang mit Medien lernen Kinder zuerst in der Familie. Und je jünger sie sind, desto mehr orientieren sie sich am Verhalten der Eltern.

Seit ein paar Jahren nehmen Fachkräfte eine teilweise besorgniserregende Entwicklung einer scheinbar unreflektierten Mediennutzung in manchen Familien wahr. Das hat spürbare Auswirkungen und kann für Säuglinge, Klein- und KiTa-Kinder ein Entwicklungsrisiko darstellen. Darum stehen auch Fachkräfte aus sozialen und psychosozialen Arbeitsbereichen oft vor der Frage: Was können wir in unseren unterschiedlichen Arbeitsfeldern dazu beitragen, um Eltern frühzeitig zu erreichen und sie hier in ihrer Erziehungskompetenz zu stärken?

Um praxistaugliche Anregungen zu geben, veranstaltete deshalb das Landratsamt (Netzwerk Frühe Kindheit - KoKi) kürzlich eine Fortbildung für Fachkräfte aus dem (Psycho-) Sozial- und Gesundheitsbereich und den Kindertageseinrichtungen. Die Veranstaltung war mit 60 Personen ausgebucht, was deutlich macht wie sehr den Fachkräften dieses Thema unter den Nägeln brennt. Die Fortbildung vermittelte den Teilnehmern anschaulich, wie es gelingen kann, Eltern für ihre Vorbildfunktion beim Umgang mit Medien zu sensibilisieren. Daneben wurden Strategien aufgezeigt, die Eltern bei ihrem Erziehungsauftrag unterstützen und ermutigen sollen.

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Folgen des Medienkonsums

Themen waren unter anderem die Auswirkungen von Bildschirmmedienkonsum (PC, Smartphone, Tablet, etc.) auf die Entwicklung des kindlichen Gehirns, auf das Lernverhalten und die Reifung der kindlichen Psyche. Anhand der Vorträge wurde deutlich, dass sich die heutige Gesellschaft zwischen zwei Welten bewegt - der digitalen und der realen Welt. Klar ist: Kinder müssen für das digitale Zeitalter stark gemacht werden. Aber wie geht das in der Familie? Was bedeutet das für die Erziehung der Kinder?

Vor der Stärkung der Medienkompetenz sollten bei den Kindern erst wesentliche Grundlagen dafür gelegt werden. Hierbei spielt das Lernen mit allen Sinnen eine wesentliche Rolle sowie die realistische Einschätzung der Risiken der Mediennutzung. Kinder sollten in Zeiten zunehmender Digitalisierung darüber Bescheid wissen, was passieren kann, wenn sie sich zu viel mit Fernseher, Konsolen, Tablets, Smartphones und Co. befassen. Hierfür braucht es kindgerechte Ansätze. Die Medienpädagogen Wilfried und Astrid Brüning stellten deshalb ihr "Neuronenschutzprogramm" vor. Das Lernen mit allen Sinnen lässt aus den Neuronen im Kopf "Schlaumacher" werden. Zuviel Medienkonsum dahingegen lässt diese verkümmern. Wenn Kinder erst einmal über den "Schatz" in ihrem Kopf Bescheid wissen, werden sie ihn behüten und alles dafür tun, dass sich möglichst viele ihrer Neuronen in Schlaumacher verwandeln, so die Experten. Darum sollte man den digitalen Wandel nicht beschimpfen, sondern aktiv gestalten. Das heißt den Medienkonsum der Kinder zu regulieren und auf ein gesundes Maß zu begrenzen. Für diese Herausforderung gaben die Referenten noch den Tipp: Eltern sollten sich von vorneherein auf täglich fünf bis zehn Minuten "Gemeckere" ihrer Kinder einstellen. Wer den Stress bereits erwartet, kann souveräner mit der Situation umgehen. red