Die Fan-Gemeinde wächst. Wenn die Gypsy Devils aus Bratislava zum Kissinger Sommer kommen, dann strömen die Menschen zum Tattersall, vor allem, wenn dann auch noch so einladendes Wetter für ein Open Air ist. Denn die achtköpfige Truppe weiß, wie man Begeisterung auslöst.

Das tut man nicht unbedingt mit Wohlklang. Wenn Ernest Sarközy sein Cymbal mit den Löffeln bearbeitet, als sei er in die Zeitrafferschleife geraten, dann klingt das manchmal nach einstürzenden und zerbröselnden Ziegelwänden. Wenn Primarius Stefan Banyák seine Violine scheucht, würde auch eine Stradivari nicht verhindern, dass die Musik nach dem Baumaterial klingt: nach Holz.

Nein, auf einen Schönklang zielen die Gypsy Devils nicht, sondern zu allererst auf Tempo, auf mitreißendes Tempo. Das hat den erwünschten Effekt, dass auch Streichinstrumente zu perkussiven Geräten werden, dass sich der Rhythmus in den Vordergrund schiebt.

Und dann natürlich auf den Schmelz der singenden Glissandi und die mitnehmende Kraft der Beschleunigungen. Und so knatterte, zirpte, rumpelte, pfiff und trommelte es vor dem Tattersall, dass es eine Freude war. Das Publikum ließ sich schnell begeistern von Pablo de Sarasates "Gypsy Airs" von Joseph Kosmas "Herbstlaub", von Emme- rich Kálmáns "Komm, Zigány" aus der "Lustigen Witwe". Da hat sich schon ein Kanon an Werken herausgebildet, der eigentlich immer gut ankommt. Und irgendwie ist es ja auch witzig, wenn ausgerechnet die Gypsy Devils Franz Liszts Ungarische Rhapsodie Nr. 2 spielen, der glaubte, dass er da echte ungarische Zigeunermusik verarbeitet habe. Und natürlich gab es viele eigene, höchst schmissige Arrangements.
Nur Jazz war eigentlich den ganzen Abend nicht zu hören.