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Bad Kissingen
Theater

Eine rundum gelungene Oper

Das Theater Hof und die Hofer Symphoniker begeisterten zum Auftakt des 31. Theaterrings der Stadt Bad Kissingen im Kurtheater mit Mozarts "Die Hochzeit des Figaro".
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Die Zeit der Adelsherrschaft läuft ab, im Hintergrund wartet die Guillotine: Ein Gastspiel des Theaters Hof mit Mozarts "Hochzeit des Figaro", bei dem einfach alles stimmte, bildete den Auftakt des 31. Theaterrings der Stadt Bad Kissingen im Kurtheater. Foto: Ahnert
Die Zeit der Adelsherrschaft läuft ab, im Hintergrund wartet die Guillotine: Ein Gastspiel des Theaters Hof mit Mozarts "Hochzeit des Figaro", bei dem einfach alles stimmte, bildete den Auftakt des 31. Theaterrings der Stadt Bad Kissingen im Kurtheater. Foto: Ahnert
Es geht um den selbstgefälligen, sich seiner Machtposition in alle Ewigkeit sicheren, zutiefst unmoralischen und eigentlich nur mit seinen Liebeshändeln beschäftigten Grafen, der von einem kleinen, verschuldeten, verliebten und raffinierten Friseur mit Hang zu moralbürgerlicher Treue systematisch an der Nase herumgeführt wird.
Kein Wunder, dass Beaumarchais' Vorlage zu Wolfgang Amadeus Mozarts "Le Nozze di Figaro/ Die Hochzeit des Figaro" überall in Europa heftigster Zensur unterzogen wurde. Ausgerechnet sie machten Mozart und sein Librettist Da Ponte im kaiserlichen Wien zu einer komischen Oper, nachdem der politische Hintergrund entschärft und die vielfältigen Liebeswirren ins Zentrum gerückt worden waren.
Mit ihr kamen das Ensemble des Theaters Hof und die Hofer Symphoniker ins Kurtheater und lieferten einen Auftakt für den 31. Theaterring, wie er sich besser schwerlich vorstellen lässt im kleinen Kissinger Haus.


Eindrucksvolles Bühnenbild

Die beiden Regisseure François de Carpentries und Karine van Hercke lieferten mit der großen Bühnenmetapher der Uhren, die die ablaufende Zeit des Handlungstages, aber auch der Zeit des Absolutismus präsent halten, prächtigen Kostümen und Requisiten ein vielfarbiges. Bühnenbild. Sehr eindrucksvoll war auch das zuvor so handsame Volk, das in der Schlussszene die Guillotine aufrichten geht.
Und die Regisseure schafften es mit einer in alle Verzweigungen durchdachten Regiekonzeption und Choreographie, aus verkleideten Opernsängern absolut überzeugende Menschen zu machen.


Schlüssige Regie

Es macht einfach Spaß zu sehen, dass bei der Personenregie geachtet wurde auf vielfältige Nuancen der Berührungskontakte der Personen.
Selten sah man den Grafen so als nimmermüden Lustmolch, aber auch die Gräfin als durchaus erotisch interessiert. Das Ganze folgte einer schlüssigen Einsicht in die Personen, ihre Herrschafts- und Gefühlsverhältnisse, und vor allem in die in dieser Oper ja auch Personenregie führende Musik Mozarts.


Sänger überzeugten

Und die Sänger ließen sich führen, füllten auch in den Nebenrollen ihre Parts aus, zumal man bei niemandem wirkliche Abstriche im stimmlichen und darstellerischen Vermögen machen musste.
Das Bürgerquartett mit Marcellina (Stefanie Rhaue - in Kis singen schon durch kirchenmusikalische Aktivitäten bekannt, hier stimmgewaltig und spielfreudig), Basilio (Mathias Frey - mit sauberem, verlässlichem Tenor), Don Curzio (Thilo Andersson, der seinen kräftigen Tenor auch mal zur Stottererkarikatur benutzt) und Bartolo (Hyung-Wook Lee - mit durchsetzungsfähigem, klarem, mit klaren Kanten und Obertönen versehenem Bass) sang und spielte mit Wonne und komödiengemäßem Tempo. Masaka Iwamoto-Ruiter gab eine allerliebst anzusehende Barbarina mit dramatischem Tremolo; Daniel Milos ihren Vater Antonio mit grummeligem Bass.
Im Quintett der Hauptpersonen gab es drei Umbesetzungen, doch waren alle fünf absolut überzeugend. Hrachuhi Bassenz als Gräfin Almaviva sang ihre berühmten Parts mit viel Ruhe, vorsichtig in manchen Höhen, aber insgesamt völlig überzeugend. Patrizia Häusermann als Cherubino spielte den gefühlsgebeutelt-pubertierenden Fast-Mann großartig und sang ihre berühmten Arien mitreißend trotz vollem Körpereinsatz. Peter Schöne, als Graf Almaviva die dritte Umbesetzung, gab mit seinem wendigen, intonationssicheren Bariton dem Herrschaftswillen Almavivas überzeugende Substanz, spielte aber auch dessen ständige Geilheit, Arroganz und geistige Beschränktheit sehr überzeugend. Inga Lisa Lehr als Susanna und Jens Waldig als Figaro spielten sich mühelos in den Mittelpunkt ihrer Intrige, lieferten ihre Gesangsparts intonationssicher mit klarem Gespür für Mozarts musikalische Charakterzeichnungen.


Individualisierter Chor

Der Hofer Opernchor bildete an keiner Stelle einen Rahmen, sondern spielte und sang das Volk in einer individualisierten Choreographie, die den Eindruck des insgesamt stimmigen Gesellschaftsbildes aus fernen Zeiten noch beförderte.
Die Hofer Symphoniker spielten unter der angenehm flotten und sehr aufmerksamen Stabführung von Arn Goerke mit viel Lust aus dem kleinen Orchestergraben.


Viel Applaus

All das zeigt, mit wie viel Lust und Überlegung an dieser runden Aufführung gearbeitet worden ist. Die Zuschauer im fast ausverkauften Haus waren von Anfang an begeistert, verfolgten die launigen Übersetzungen, spendeten schon viel Applaus bei den Soloarien und klatschten lange, rhythmisch und auch einfach nur so für einen unterhaltsamen Abend aus Hof.