Die evangelisch-lutherische Kirche will das Gemeindeleben attraktiver gestalten. Daher soll ein Gemeindehaus an der St. Michaelskirche entstehen. Die architektonischen Details müssen noch ausgearbeitet werden. Aber die Planung ist zumindest schon so weit, dass Pfarrer Robert Augustin den Stadträten die Grundzüge in einer Bauvoranfrage vorstellen konnte.

"Seit 2009 beschäftigt sich die Gemeinde mit dem Vorhaben.
Wir haben alle möglichen Varianten geprüft", sagte der Pfarrer. So sei die Fläche am Pfarrhaus in der Berliner Straße für einen Anbau zu eng. Außerdem wäre das Gemeindehaus dort zu weit von der Kirche entfernt. Dieses Argument schließt auch einen Neubau am katholischen Pfarrzentrum aus. Denn das Gemeindehaus soll ein Treffpunkt nach dem Gottesdienst sein. Eine Aufstockung des evangelischen Kindergartens an der St. Michaelskirche wäre aber wiederum zu umständlich, wie Augustin erklärte.

Als Standort ist damit nur noch die Westflanke des Gotteshauses übrig geblieben. An sie wird das Gemeindehaus angebaut. Der jetzige Seiteneingang wird zur direkten Verbindung zwischen Kirche und Neubau. Er soll sich zum Beispiel durch ein Lichtband optisch vom Kirchengebäude abgrenzen.

Der Architekt wäre einverstanden

"Ich denke, Olaf Gulbransson wäre einverstanden", sagte Pfarrer Augustin auf Nachfrage der Saale-Zeitung. Der Anbau sei im Sinne des Architekten der St. Michaelskirche, weil er schlicht sei und der Gemeinde diene. Gulbransson habe ja auch den Kindergarten mitgeplant. Zwischen dem Landeskirchenamt und der Witwe Gulbransson habe es eine "sehr enge Diskussion gegeben". Augustin: "Ich habe seitdem nichts Negatives gehört." Die hochbetagte Witwe des Architekten hatte über einen Beauftragten am Anfang Einspruch gegen das Bauvorhaben eingelegt.

Stadtbaumeister Detlef Mohr befand in der Stadtratssitzung zwar, dass es eine Veränderung geben werde. Es sei aber die einzige Möglichkeit.

Baubeginn ist voraussichtlich im Herbst. Die Pfarrgemeinde rechnet mit Kosten von 750.000 Euro. Sie wartet laut Augustin noch auf eine Zuschusszusage der Landeskirche. Der Zuschuss soll ein Drittel der Summe decken. Der Rest wird über Rücklagen und Schulden finanziert.

Der Anbau wird über drei Räume, die mit Schiebetüren abgetrennt werden, sowie Küche und Sanitäranlagen verfügen. Die Pläne werden ab Sonntag in der Kirche ausgehängt. Das neue Gemeindehaus ist nicht nur als Veranstaltungsort, sondern auch als Winterkirche gedacht. Denn der Betonbau der St. Michaelskirche ist nicht isoliert und kühlt im Winter stark aus. Die elektrischen Heizkörper unter den Bänken verursachen eine zugige Luftzirkulation, wie Augustin erklärte. "Ältere Gemeindemitglieder verzichten im Winter auf den Gottesdienstbesuch."