Mit großen Augen steht Madita da. Sie verfolgt genau, was der König macht, der eigentlich Prinzregent Luitpold ist. Er unterschreibt ein Foto, Maditas Foto von der Sisi. "Die Prinzessinnen haben mir am besten gefallen", sagt die Kleine über den Festzug. Ihre Zwillingsschwester Chiara fand die Sisi am schönsten. Die Mutter der beiden, Anja Schramm, freut sich, dass es den Mädchen auf dem Rakoczy-Fest so gut gefällt. "Ich bin Kissingerin, lebe aber jetzt in der Nähe von Heidelberg", verrät sie und fügt hinzu: "Auch ich habe schon als Kind die Autogramme der historischen Persönlichkeiten gesammelt." Die Oma ergänzt: "Die müssen auch noch irgendwo in deinem Zimmer sein." Viel Zeit zum Plaudern haben die Frauen nicht, denn schon drängen die beiden Mädchen zum nächsten Stand, wo Quellenkönigin und der Fürst Rákoczí sitzen. Doch dort ist ganz schon was los. Die Mädchen müssen warten. Denn immer wieder drängen sich Frauen auf das Podest, um neben dem dunkelhaarigen Fürsten fotografiert zu werden. "Das ist aber ein schöner Mann", sagt eine ältere Dame beim Vorbeigehen. "Der hat so einen stechenden Blick", fügt sie hinzu.


Auch aufdringliche Damen

Monika Marzin bekommt von dem Trubel nichts mit. Sie starrt wie gebannt auf ihre Kamera und freut sich, dass ihre Schnappschüsse so gut gelungen sind. Die 62-Jährige ist Urlauberin in Bad Kissingen und stammt aus Schwellm. "Die schönsten Autogramme habe ich schon", verrät sie. Die hat sie bereits vor vier Jahren gesammelt und zu Hause in ein Fotoalbum eingeklebt. "Das schaue ich mir immer wieder gerne an." Diesmal ist sie mit einer Kamera losgezogen. Einige der Fotos wird sie mit in das Album kleben. "Ganz altbacken", sagt sie. "Am meisten freut es einen, wenn man sein eigenes Bild unterschreibt", verrät Holger Buczynski. Er ist in die Rolle des König Ludwig I. geschlüpft. Ein Ehrenamt, das ihm große Freude bereitet. "Ich wollte schon als Kind ein König beim Rakoczy-Fest sein", fügt er hinzu. An seinem Autogrammtisch ist am Sonntagnachmittag so viel los, wie beim Fürsten Rákóczi. "Manche Damen werden dennoch ganz schön aufdringlich", weiß er. Bei Lars Streiberger, dem neuen Maximilian II. von Bayern, zwei Tische weiter, ist es auch relativ ruhig. Somit kann er in Ruhe unterschreiben. "Ich habe extra im Internet recherchiert, wie der das damals gemacht hat", erzählt Streiberger, wie er sich auf die Autogrammstunde vorbereitet hat. Doch damit war es nicht getan.


Keine Urkundenfälschung

"Dann habe ich fleißig geübt." Allerdings nicht ohne zuvor herauszufinden, ob er damit nicht Unterschriftenfälschung betreibt. Schließlich ist Streiberger Jurist. Doch er gibt Entwarnung. "Ich schließe mit dieser Unterschrift ja kein Geschäft ab." Schon steht der nächste Fan an seinem Tisch. Bernhard heißt er und strahlt. "Meine Schwiegermutter ist in Ungarn geboren, lebt in der Slowakei. Ihr schicke ich das Gruppenfoto mit den Autogrammen. Vielleicht kommt sie ja nächstes Jahr hierher", erklärt der Schweinfurter. Zu Streiberger sagt er noch: "Ich finde das prima, dass ihr diese Kultur pflegt."