Plötzlich - kurz vor Schweinfurt - bremst der Regional-Express der Deutschen Bahn in Richtung Bad Kissingen ab. "Unsere Weiterfahrt verzögert sich auf unbestimmte Zeit", tönt eine männliche Stimme gegen 16.30 Uhr kurz angebunden aus dem Lautsprecher. Ein Stellwerkschaden in Hammelburg, heißt es zunächst in der Durchsage. Etwas später entpuppt sich diese Information als falsch. Das Problem liegt nicht in Hammelburg, sondern am Bahnhof in Ebenhausen.

Nach der Durchsage rollt der RE 57 doch noch die letzten Meter in den Schweinfurter Bahnhof ein. Wieder meldet sich die Stimme: "Der Zug endet hier." Weitere Infos folgen nicht, die Lautsprecher bleiben still: Keine Informationen, ob es in ein paar Minuten weiter geht oder ob die Störung mehrere Stunden dauert, auch keine Information, ob stattdessen Busse fahren.

Ganz vorne im Führerhäuschen hängt der Zugführer am Telefon. "Wir sollen die Fahrgäste innerhalb von drei Minuten informieren, aber die Leitstelle weiß auch nichts", beschwert sich ein Bahnmitarbeiter, der neben dem Zugführer steht. Fest stehe, der Zug fahre nicht weiter.

Fahrgäste verwirrt und verunsichert

Chaos entsteht. Diejenigen Fahrgäste, die sich von Freunden oder Familie abholen lassen können, lassen sich abholen. Manche brechen die Fahrt ab. Eine junge Frau sucht in der Bahn-App nach Informationen. Bei manchen Zügen wird die Stellwerk-Störung angezeigt, andere Züge sollen laut App ganz normal fahren. Mehrere Fahrgäste steigen um, in der Hoffnung, dass der Zug, der laut App angeblich regulär fährt, sie mitnimmt.

Die junge Frau sagt: "Ich habe keine Ahnung, ob ich im richtigen Zug bin." Eine dreiviertel Stunde vergeht, in den Durchsagen und auf den Anzeigetafeln immer wieder die gleiche Nachricht: "Stellwerksausfall im Bereich Ebenhausen. Es kommt zu Verspätungen und Zugausfällen." Ein älteres Ehepaar hetzt aufs Bahngleis und fragt: "Ist das der richtige Zug? Wir steigen nun schon zum dritten Mal um."

Am Ticketschalter am Schweinfurter Bahnhof sagt eine Mitarbeiterin: "Uns ist gesagt worden, dass keine Busse fahren." Knapp zwei Stunden später starten dann doch gegen 17.50 Uhr die ersten Busse in Schweinfurt, die die Deutsche Bahn geordert hat.

Bis Mittwochmittag kam es zu Einschränkungen auf der Strecke. Fahrgäste konnten zwar mit der Erfurter Bahn fahren, mussten aber in Ebenhausen umsteigen und teilweise knappe 30 Minuten auf den nächsten Zug warten. An normalen Tagen steigen hier laut der Bayerischen Eisenbahngesellschaft täglich etwa 650 Menschen ein und aus.

Die Redaktion fragte bei der Deutschen Bahn nach, wieso Fahrgäste so schlecht informiert wurden. "Wenn die Störung ganz frisch ist, können die Kollegen in der Leitstelle auch manchmal nicht genau sagen, was es ist und wie lange es dauert", erklärt ein Sprecher der Deutschen Bahn. "Da muss sich erst herausstellen, ob es sich um eine Signalstörung handelt, die innerhalb von fünf bis zehn Minuten behoben ist, oder ob es etwas Größeres ist, sodass die Züge auf der Strecke nicht mehr fahren können." Er sagt: Die Bahn setze bei Störungen "alles daran, diese schnellstmöglich zu beheben". "Dafür halten wir rund um die Uhr entsprechende Bereitschaften vor, die im Falle des Falles schnell vor Ort sind." Meist könnten Störungen so innerhalb kurzer Zeit behoben werden.

Bei der Störung am Dienstagabend in Ebenhausen handelte es sich um ein Kommunikations- und Technikkabel, das für die Steuerung des Stellwerkes erforderlich sei, so der Sprecher der Deutschen Bahn weiter.

Bahnhof Ebenhausen wurde erst saniert

Der Bahnhof Ebenhausen ist erst vor ein paar Jahren saniert worden. Insgesamt 11,6 Millionen Euro steckten der Bund, der Freistaat Bayern und die Deutsche Bahn in den "wichtigen Umsteigebahnhof" auf den Strecken Schweinfurt-Meiningen und Ebenhausen-Bad Kissingen, heißt es in einer Presseinformation der Bahn vom April 2021. Bahnsteige wurden erhöht, die Unterführung wurde neu gebaut und Rampen errichtet, damit der Bahnhof barrierefrei ist.

Stellwerk machte schon mal Probleme

Während der Bauphase Ende 2018 gab es eine Zwangspause bei den Sanierungsarbeiten am Bahnhof, weil Fachleute fehlten (wir berichteten). Damals hieß es: In dem Stellwerk in Ebenhausen stecke eine Technik, die selten sei. Für den Umbau seien Spezialisten gefragt. Und die gab es damals nicht.

Nachfrage bei der Bahn: Handelte es sich bei der aktuellen Stellwerkstörung um ein altes oder ein neu verbautes Kabel, das kaputt ging? Im Detail kann das der Sprecher der Deutschen Bahn nicht beantworten, aber externe Fachleute seien bei der Reparatur nicht hinzu gezogen worden. Im Fall einer Stellwerksstörung wie in Ebenhausen kämen "eigene Spezialisten für die sogenannte Leit- und Sicherungstechnik, die immer dann zum Einsatz kommen, wenn Stellwerke, Signale oder Signaltechnik gestört ist."

Trotzdem könne es je nach Störung in Ausnahmefällen etwas länger bis zur Behebung dauern. Beschädigungen an Kabeln wie in Ebenhausen seien dafür ein gutes Beispiel: "Hier muss zuerst herausgefunden werden, an welcher Stelle sich die Beschädigung befindet und welcher Art sie ist. Dies ist nicht immer sofort ersichtlich." Die genaue Ursache stelle sich erst heraus, wenn die Bereitschaftstechniker vor Ort seien.

Manches könne man beispielsweise nur bei Tageslicht genauer untersuchen. Erst anschließend könnten dann die erforderlichen Teile besorgt und mit der Reparatur begonnen werden.

Langes Warten auf Ersatzbusse

Warum mussten die Fahrgäste so lange auf Busse warten? "Wir setzen alles daran, Ersatzverkehr auf die Beine zu stellen", sagt der Sprecher. "Wir sind auf die Busunternehmen in der Region angewiesen, diese fragen wir an, ob sie Busse und Fahrpersonal bereitstellen können." Gerade in den Hauptverkehrszeiten etwa im Berufsverkehr am Abend seien diese nicht immer sofort verfügbar. "Man kann nicht vorplanen, wann und welchen Streckenabschnitt die Störung betrifft."