Damian Kulpa lässt das gelbe Maßband nach unten schnellen. Stopp. Bei 3,16 Meter ertönt ein Piepsen. Ab da ist das Rohr mit Wasser gefüllt. Bis gut zehn Meter in die Tiefe. Noch. Die Grundwasserpegel fallen kontinuierlich. Solche niedrigen Werte wie jetzt verzeichnet das Kissinger Wasserwirtschaftsamt normalerweise erst im Herbst, wenn im Sommer viel Wasser verbraucht wurde. "Keine Panik", meint Uwe Seidl. Die Versorgung mit Trinkwasser sei nicht in Gefahr.
Sichtbar wird der Wassermangel der Gewässern anderswo.
Freie Bahn für Rasensprinkler und Feuerwehrübungen - das muss jetzt nicht sein, sagt Uwe Seidl, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamt. In der Marktgemeinde Oberelsbach im Nachbarlandkreis Rhön-Grabfeld wurden schon deutlichere Worte gesprochen. Da ist Wasser verschwenden zur Zeit verboten. Wer sich nicht dran hält, riskiert ein Bußgeld.


Andere Quelle anzapfen

Einen Grundwasser-Engpass gibt es gerade in der Gemeinde Wildflecken: Der "Gerhard-Brunnen", eine Quelle nahe der Oberfläche, hält nicht mehr so viel Wasser wie sonst bereit. Die Folge: Es wird kompensiert. "Wildflecken hat noch genug Wasser", sagt Uwe Seidl. Das kommt jetzt aus einer anderen Quelle im benachbarten Bundeswehrlager. Von all dem merkt der Verbraucher am anderen Ende der Leitung nichts. Das Wasser kommt aus dem Hahn, egal welche Quelle angezapft wird. Anders schaut es bei Bürgern aus, die einen Brunnen im Garten haben. "Es wird einige geben, die auf dem Trockenen sitzen", sagt Dagmar Mußhoff von der Gewässeraufsicht des Wasserwirtschaftsamts. Wie sich die sinkenden Pegel entwickeln? Schwer abzuschätzen, meint Uwe Seidl. Einen großen Effekt hatte der Regen der vergangenen Tage nicht, meint er.


Reservoir in Hochbehältern

In der Gemeinde Oberthulba macht man sich trotzdem keine Gedanken über eine mögliche Wasserknappheit. Die Grundversorgung sei gewährleistet, sagt Thomas Kirchner von der Gemeindeverwaltung. Der Ort bekommt sein Wasser aus fünf Brunnen. "Falls wir uns einem kritischen Punkt nähern, holen wir das Wasser aus einem anderen Brunnen." In Hochbehältern wird das Wasser für die Bewohner gespeichert. Solche Hochbehälter spielen auch für die Rhön-Maingruppe eine wichtige Rolle. Der Zweckverband mit Sitz in Poppenhausen ist Wasserversorger vieler Kommunen im Landkreis. Wenn ein besonders heißes Wochenende bevorsteht, an dem die Menschen mehr Wasser verbrauchen, wird darauf geachtet, dass die Behälter gut gefüllt sind, meint Geschäftsleiter Walter Weinig. "Wir merken, dass der Grundwasserspiegel niedriger ist als sonst, aber einen Engpass haben wir bisher noch nicht." Mehr Sorgen machen sich Fachleute wie Dagmar Mußhoff um die Flüsse und Bäche.


Sensibles Ökosystem

"Für Fische ist die Situation fatal. Sie können sich nicht zurückziehen", sagt die Leiterin der Gewässeraufsicht. Extrem ist es im Moment an der Lauer. Die rinnt 70 Zentimeter unter dem üblichen Wasserstand dahin. Lebensbedrohlich für Muscheln, Larven, Schnecken. Tausende Fische verendeten bereits in der Bahra, einem Zufluss der Streu im Landkreis Rhön-Grabfeld. "Wir können keine Entwarnung geben. Wenn es weiter nicht regnen sollte, gibt es weiter Probleme", sagt Uwe Seidl. Dagmar Mußhoff warnt: "Das ist für die gesamte Ökologie im Gewässer gefährlich." Das System ist zur Zeit besonders sensibel. Gerade Pumpen in Kleingärtneranlagen sind Uwe Seidl ein Dorn im Auge. Außerdem mahnt er zum sinnvollen Umgang mit Wasser in diesen trockenen Tagen.
Geht es nach Fachleuten wie ihm, sollten die Menschen ihre Gewohnheiten ohnehin überdenken. "Durch den Klimawandel wird sich die Situation allgemein verschärfen", sag Uwe Seidl. Auf vermehrt trockene und heiße Sommer sollte man sich heute schon einstellen.