- Das Dorfjubiläum im Jahr 2022 wirft seine Schatten voraus. In der voraussichtlich letzten Sitzung des alten Jahres steckte der Gemeinderat den organisatorischen und finanziellen Rahmen für das große Fest ab, mit dem die erstmalige Erwähnung vor 1250 Jahren in einer Schenkungsurkunde groß gefeiert werden soll.

Julia Träger von der Bad Kissinger Agentur Momix und Hubert Ziegler, der Leiter der Gemeindebücherei, stellten das ausgearbeitete Konzept vor. Es wurde weitgehend gebilligt. Nicht weniger als 15-mal musste Bürgermeister Harald Hofmann abstimmen lassen, bis alle Entscheidungen zum Dorfjubiläum und über das Budget getroffen waren.

Lange diskutiert wurde die Frage, ob zum Jubiläum, wie schon vor 50 Jahren, eine traditionelle Chronik erstellt werden soll. Alternativ wurde ein Jubiläumsmagazin mit interessanten und lesenswerten Beiträgen vorgeschlagen. Hubert Ziegler sagte dazu: "Eine Chronik hat einen gewissen Anspruch auf Vollständigkeit, ein Magazin nicht". Die existierende, 50 Jahre alte Chronik ("altbacken") könne aufgepeppt und um die Jahre bis 2020 ergänzt werden. Man könne die alte Chronik wieder auflegen und einen Ergänzungsband erstellen oder nur eine Chronik der letzten 50 Jahre herausbringen, hieß es. Eine neue, traditionelle Chronik würde 28 000 Euro kosten. Julia Träger meinte: "Im Magazin können interessante Geschichten drinstehen". Es würde 20 650 Euro kosten.

Magazin statt Chronik

Für eine traditionelle Chronik entschieden sich schließlich nur fünf Gemeinderäte, aber neun waren dagegen. Für das Magazin, das nun durch die Agentur Momix erstellt wird, entschieden sich acht Gemeinderäte, sechs waren dagegen. Dieses Magazin soll eine "bebilderte Zeitschrift mit Highlights aus der Nüdlinger Geschichte", mit Interviews mit Altbürgermeistern und Nüdlinger Zeitzeugen, mit Schwerpunktthemen aus Politik, Kultur und Gesellschaft, mit einer Kombination von unterschiedlichen Stilmitteln werden, versprach Julia Träger in ihrer Präsentation vor dem Gemeinderat. Die Agentur wird für 1120 Euro auch das Veranstaltungsprogramm erstellen. Alle Gemeinderäte waren dafür.

Das Budget für das Hauptfest soll 60 000 Euro betragen, auch hier konnte Bürgermeister Hofmann Einstimmigkeit feststellen. Zu einem Fest wird auch ein Festplatz gebraucht. Für die Vorbereitung eines Platzes neben dem Bauhof ("zurzeit eine Schlammwüste", so der Bürgermeister) wären 50 000 Euro erforderlich gewesen. Das lehnten der Gemeinderat und der Bürgermeister einstimmig ab. Deshalb wird nun wie üblich mitten im Dorf gefeiert.

Auch Haard feiert mit

Harald Hofmann wies allerdings darauf hin, dass die Bundesstraße nur sonntags gesperrt werden kann, da an diesen Tagen ein Fahrverbot für Lastwagen herrscht. Bei einer Gegenstimme genehmigt wurde auch eine Veranstaltung mit dem zunächst mysteriösen Namen "Kellertonk" (angelehnt an Honky-Tonk), deren Budget 10 000 Euro ausmachen soll.

Auch der Ortsteil Haard wird einbezogen mit einem "Fest Gebietsreform Haard". Dafür gibt es ein Budget von 10 000 Euro, vorgesehen waren zuerst nur 6000. Dafür stimmten acht Gemeinderäte und sechs waren dagegen.

Für die Auftakt- und die Abschlussveranstaltung im Jubiläumsjahr wurden 10 000 Euroeinstimmig genehmigt. Für kleinere Veranstaltungen von Vereinen werden im Jubiläumsjahr 5000 Euro veranschlagt, vorgesehen waren eigentlich nur 2500 Euro.

Das Budget für das klassische Marketing, dass die einzelnen Events begleiten soll, beträgt 10 000 Euro. Die Agentur Momix wurde damit beauftragt. Sie soll für 2500 Euro auch das Online-Marketing-Konzept "Jubi-Community" organisieren, das Budget dafür beträgt 2500 Euro.

"Muss das unbedingt so heißen?", wollte einer der Gemeinderäte wissen. Die Agentur erstellt auch den Imagefilm für 4500 Euro und einen Imageclip für 2250 Euro. Zu allen genannten Preisen kommt noch die Mehrwertsteuer.

Zur Geschichte

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Nüdlingen im Jahr 772 als "Hnutilingen" im Zusammenhang mit der Schenkung eines Priesters namens Burgarad an das Kloster Fulda. Die Urkunde ist nicht mehr im Original, jedoch durch eine um 830 vom Fuldaer Abt Rabanus Maurus (780-856) angefertigte Abschrift erhalten, die sich wiederum durch den Codex Eberhardi erhalten hat. Die Ortsnamensendung "-ingen" deutet auf einen alemannischen Ursprung hin. Der Codex Eberhardi liegt im hessischen Staatsarchiv Marburg und entstand in der Mitte des 12. Jahrhunderts. Das Staatsarchiv schreibt dazu im Internet "der Mönch Eberhard hat seine Vorlagen teilweise verfälscht oder sogar Einträge frei erfunden. In der Wissenschaft gilt er als unzuverlässig und als Musterbeispiel für ‚Fälschung und Betrug‘, wenngleich seine Verfälschungen oft nur formaler und nicht inhaltlicher Art sind. Er war nicht Fälscher aus Leidenschaft, sondern leidenschaftlich bemüht, weltliche Übergriffe auf Fuldaer Besitz abzuwehren und alle Ansprüche und Besitztitel seiner Abtei zu sichern." mdb/Quelle: Internetlexikon Wikipedia und Hessisches Staatsarchiv