"Für mich ist das ein Zeichen der Wertschätzung für meine Feuerwehrmänner und - Frauen", sagt Daniel Wehner, das Burkardrother Ortsoberhaupt (CSU). "Soweit es mir möglich ist, rücke ich mit aus." In Atemschutz-Ausrüstung muss er sich dafür nicht werfen. Der Rathauschef der Kommune am Fuß der Schwarzen Berge ist zivil vor Ort. Aber: Nicht als Gaffer.

"Ich habe teils navigierende Funktion. Vor Ort schaue ich, dass ich mich im Hintergrund halte und mich in meiner Funktion als Bürgermeister einbringe." Aber: Was heißt das konkret? Wehner macht es an einem Beispiel fest: "Als es in Wollbach gebrannt hat, hatte ich den Schlüssel für den Bauhof, dann konnte ich sofort Absperrgitter holen." Als in Lauter ein Wohnhaus in Flammen stand, organisierte er die Unterbringung der Bewohner. Aber auch Bürokratie kann im Ernstfall auf ihn entfallen - etwa wenn Gelder freigegeben werden müssen, weil spontan etwas gebraucht wird.

Ariel Karwacki, Kommandant der Feuerwehr Burkardroth, hat deshalb eine eindeutige Meinung: "Ich spreche da nicht nur für mich, sondern für meine gesamte Mannschaft - wir nehmen das sehr positiv auf." Für den Burkardrother Kommandanten ist klar: "Es ist ein Zeichen der Wertschätzung im Stile von 'Wenn ihr nachts um drei aufsteht, dann stehe ich mit euch auf, und bin als Ansprechpartner vor Ort.' Für die Einsätze sei dies stets hilfreich. Denn: Der Dienstweg, um etwa Absperrungen oder weiteres Ölbindemittel zu organisieren, werde kürzer.

Einen weiteren Vorteil sieht er im Interesse des Bürgermeisters für das Feuerwehrwesen. "Er macht sich vor Ort ein Bild von unserer Arbeit. Das hilft ihm vielleicht bei den nächsten Beschaffungen. Er weiß dann aus der Praxis, wie sich manche Situation mit einer günstigen Beschaffung sicherer, einfacher oder effektiver gestalten lässt." Und: "Er sieht, wo das Geld hinkommt. Es ist eine geile Geschichte."

Verbandelt mit den Floriansjüngern ist Wehner aber trotzdem. "Ich bin in Gefäll seit etwa 2010 Mitglied bei der Feuerwehr. Derzeit macht eine meiner Töchter dort ihre Feuerwehr-Ausbildung - weshalb mich die Wehr auch überreden möchte, dass ich jetzt auch die Ausbildung mache."

Matthias Hauke ist noch stärker bei der Feuerwehr eingebunden. Auch nach dem Antritt seines Postens als Zeitlofser Bürgermeister 2020 blieb er Kommandant der örtlichen Wehr. "Vor und nach der Kommunalwahl hatte ich mir natürlich Gedanken gemacht, ob ich das Amt als Kommandant weiterführen möchte beziehungsweise kann. Vor allem die zukünftige Termindichte mit den vielen Besprechungen und Veranstaltungen in den Abendstunden machte mir da schon Sorgen", berichtet der 37-Jährige. Er habe auch nicht gewusst, ob er vielleicht in den Kreistag gewählt werde; dann hätte sich der Zeitaufwand noch potenziert.

Als dann Corona kam, seien Treffen und Sitzungen bei der Feuerwehr zumindest unmöglich geworden. Damit fehlte die Möglichkeit, gemeinsam mit Vorstand und Führungskräften über eine Lösung für die Zukunft zu sprechen. "Daher bin ich erstmal nicht zurückgetreten. Neuwahlen wären auch kaum möglich gewesen."

Im Laufe der Zeit merkte Hauke, das beide Ämter, also ehrenamtlicher Bürgermeister und Feuerwehrkommandant, miteinander vereinbar sind. Natürlich habe es in den vergangenen beiden Jahre viel weniger Termine auf beiden Seiten gegeben. "Aber aktuell, muss ich sagen, funktioniert es trotz angestiegener Termindichte immer noch sehr gut. "

Wenn es Termine und Zeit zulassen, fährt Hauke zu Einsätzen mit raus. Er ist aktiver Atemschutzgeräteträger und in der First-Responder-Gruppe tätig. Zwischen 60 und 80 Einsätze bewältigt die Zeitlofser Wehr pro Jahr; über die Hälfte davon als First-Responder. Sie fallen höchst unterschiedlich an, aber meist abends und nachts, also in Haukes "Freizeit". "Es kommt aber auch mal vor, dass ein Gesprächstermin im Haus stattfindet oder ich auf einem Außentermin bin; dann bin ich halt nicht verfügbar." Insgesamt sei der Anteil für den Bereich Feuerwehr im Verhältnis zu dem als Bürgermeister gering.

Matthias Hauke sieht übrigens Vorteile darin, dass ein Bürgermeister gleichzeitig Feuerwehrkommandant ist. Dazu gehöre "sicherlich die Erfahrung, das praktische Wissen und das aktive Dabeisein. Themen rund um Feuerwehr und Brandschutz können so oftmals in der Verwaltung und im Gemeinderat direkt besprochen und bearbeitet werden, man braucht nicht immer externe Begleitung oder Hilfe." Der Draht zu Feuerwehrführung und Aktiven sei direkter.

Oftmals berührten Aufgaben beide Bereiche; Ressourcen würden gespart. Hauke nennt als Beispiel die Beschaffung eines Fahrzeugs, wo von der Planung bis zur Übergabe meist beide Amtsträger beteiligt sind. Oder eine Kreisverbandsversammlung, wo meist beide vor Ort sind.

Als Nachteil sieht der 37-Jährige, dass man die volle Verantwortung selbst trägt, niemand da ist, der noch über einem steht, der sich als Hauptverantwortlicher kümmern muss. Es sei irgendwie komisch, bei eigenen Feuerwehrveranstaltungen zum einen als Kommandant, zum andern als Bürgermeister Grußworte oder dergleichen an die Besucher zu richten. "Das fällt einem immer mal schwer, über die eigene Wehr, die eigene Arbeit öffentlich zu sprechen und Lobesworte auszurufen."

Für die Zukunft sieht Hauke generelle Interessenkonflikte bei der möglichst vollumfänglichen Ausstattung der Feuerwehren. "Da kann man natürlich als Feuerwehrkommandant die eine Seite verstehen, muss aber als Bürgermeister der Realität ins Auge blicken und die Finanzkraft der Kommune berücksichtigen. "

Eine Verpflichtung der Allgemeinheit gegenüber, als Kommandant weiterzumachen, sieht der Zeitlofser nicht unbedingt. Er räumt aber ein: " Ein Rücktritt oder die Absage zur Wiederwahl bei der nächsten Versammlung könnte schon ein Problem für die Feuerwehr werden." Man müsse daran denken, wer das Amt übernehmen könnte, ob dann ein anderer wichtiger Posten unbesetzt bleibe, weil es kaum noch Menschen gebe, die Verantwortung übernehmen wollen. Welche zu finden, werde eine Herausforderung für die Zukunft.

Hauke hält es für notwendig, dass Menschen, die tagsüber regelmäßig im Ort sind, bei der Feuerwehr mitausrücken. Damit meint er zum Beispiel Mitarbeiter in Verwaltung und Bauhof. Zudem wäre es für den 37-Jährigen "als sehr gut ausgebildeter und erfahrener Feuerwehrmann doch das falsche Signal, vor allem gegenüber unseren Aktiven in der Gemeinde, den generellen Feuerwehrdienst einfach aufzugeben".

Ein Artikel von Steffen Standke und Johannes Schlereth