Claudia Kind, die Vorsitzende der Münnerstädter Heimatspielgemeinde, betont, dass die Verantwortlichen sehr genau abgewägt haben, ob sie das Risiko wagen und 2021 wieder auf die Bühne gehen. Die sinkende Inzidenz in den letzten Wochen hat letztendlich den Ausschlag gegeben. Sie sei bei dieser Entscheidung nicht frei von Bauchschmerzen, gibt Claudia Kind offen zu. Mit zunehmenden Lockerungen und rückläufiger Infektionszahlen habe der Vorstand jedoch bemerkt, dass die Akteure nicht noch eine weitere Saison ohne Auftritt verstreichen lassen möchten. "Die Leute wollen unbedingt spielen", hat Claudia Kind festgestellt. Diesen Enthusiasmus müsse man unterstützen, sagt sie und freut sich über die Begeisterung in den Gruppen. Deshalb steht fest: 2021 soll wieder gespielt werden, und zwar wie es seit vielen Jahren Tradition ist: An drei Sonntagen im Spätsommer.

Alles läuft an

In einer Sitzung der Gruppensprecher am 29. Juni soll der Weg für die Spielsaison 2021 geebnet werden. Dabei werden die Aufgaben verteilt. Franz Wüst hat sich bereits bereit erklärt, die Probearbeit mit den Solisten zu koordinieren. Claudia Kind ist zuversichtlich, dass sich die Zwangspause des Jahres 2020 schnell aufholen lässt. Neue Hauptrollen müssen nicht besetzt werden. "Wir sind alle textsicher", sagt die Vorsitzende, die im Heimatspiel die Rolle der Oberbürgermeisterin spielt. Und auch die Akteure in den Gruppen wissen genau, wie das Spiel abläuft, sind doch viele langjährige Mitwirkende dabei.

Gefunden werden muss in den nächsten Tagen ein Corona-Beauftragter. Ohne ihn kann die Spielsaison nicht anlaufen. Seine Aufgabe wird es sein, ein Konzept zu erarbeiten, wie die Proben und Aufführungen sicher für die Spieler und das Publikum ablaufen können. Weil es ein Freiluftspiel ist und die Bestuhlung nicht fest installiert ist, gibt es mit den Abstandsregeln für das Publikum wohl kaum Probleme, glaubt Claudia Kind. Am Anger sei ausreichend Platz. Diskutiert werden muss dagegen die Frage, ob die am Festspiel sonst üblichen Zusatzangebote möglich sein werden. Das sind der Festzug vor dem Spiel oder das historische Gelage. "Wir müssen schauen, was möglich ist", so die Vorsitzende. "Vielleicht gibt es auch nur eine Bratwurstbude", meint Claudia Kind.

Ein Risiko bleibt

Der Blick auf die Pandemie wird bei Planung und Ablauf die Heimatspielsaison 2021 auf jeden Fall immer mitbestimmen, weiß Claudia Kind. Die jetzige Entscheidung zu spielen, ist deshalb auch ein finanzielles Risiko. Denn schließlich weiß niemand, wie am 29. August, dem ersten Spieltag der Saison, die Corona-Situation tatsächlich aussehen wird.

Ab sofort muss aber die Werbemaschinerie anlaufen, fallen Kosten für die Organisation an. Zur Absicherung werde es deshalb auch einen Spendenaufruf geben. "Wir sehen diese Spielsaison als Herausforderung", sagt Claudia Kind. Jetzt ist sie erst einmal zuversichtlich, dass auch gespielt werden kann.

Bürgermeister Michael Kastl begrüßt die Entscheidung. Auch die Stadt biete ja wieder ihre Kabarettreihe an, die erste Vernissage habe stattgefunden. "Da passt das gut ins Bild". Dass gespielt werden soll, sei ein weiterer Schritt zur Belebung der Innenstadt, findet der Bürgermeister.

Spieltage in der Saison 2021 sind: Der 29. August sowie der 5. und 12. September. Der Kartenvorverkauf läuft ab sofort unter Telefon: 09733/3330

Info: Das Heimatspiel "Die Schutzfrau von Münnerstadt" beruht auf einer Legende aus der Zeit des 30-jährigen Krieges. Die Stadt wurde damals vom Einfall schwedischer Kriegstruppen verschont. Die Münnerstädter glauben, dass sie dies der Muttergottes zu verdanken haben, die laut Legende die schwedischen Kugeln an den Stadttoren auffing. Basierend auf diese Geschichte schrieb der Pfarrer Ludwig Nüdling 1927 das Theaterstück, in dessen Mittelpunkt auch eine zarte Liebesgeschichte steht.