Die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis liegt stabil unter zehn, seit kurzem sogar bei null. Inzwischen haben laut einer Bekanntmachung des Landratsamts vom Mittwoch rund 70 Prozent der über 16-jährigen Landkreisbewohner die erste Corona-Impfung erhalten. In vielen Bereichen ist so etwas wie Normalität zurückgekehrt. Wer ins Schwimmbad gehen will, ins Kino, ins Theater, in ein Konzert des Kissinger Sommers oder ins Restaurant, der braucht dafür aktuell keinen negativen Corona-Test mehr. Das merken auch die Betreiber der Corona-Teststationen.

Marcel Reichert, Geschäftsführer der Myevent-Group aus Bad Neustadt, zum Beispiel reagiert auf die gesunkene Nachfrage und hat seit dem gestrigen Donnerstag, 1. Juli, den Betrieb am Testzentrum in der Ludwigstraße in Bad Kissingen sowie an der Drive-In-Teststrecke am Terrassenschwimmbad eingestellt. "Wir schließen unsere beiden Angebote in Bad Kissingen. Wir hatten zuletzt 20 bis 30 Tests am Tag. Das macht keinen Sinn mehr", erklärt er. Im Testzentrum in Bad Neustadt hingegen sei die Nachfrage höher. Hier werde der Betrieb fortgesetzt. Das liege daran, dass es in Bad Neustadt im Vergleich zu Bad Kissingen weniger Teststrecken gibt. "Es gibt viele Testzentren in Bad Kissingen. Die Stadt war da sehr früh gut aufgestellt. Wir haben das Angebot nur ergänzt", sagt Reichert. Etwa mit Tests in den Abendstunden sowie auch an Sams- und Sonntagen.

Der Unternehmer hat mit den Testangeboten grundsätzlich gute Erfahrungen gemacht. Die Leute, die den Test brauchen, schätzten sie. Das sind zum Beispiel Urlauber, Reisende und Menschen, die Angehörige in Krankenhäusern oder Pflegeheimen besuchen wollen. "Wenn es im Herbst wieder gebraucht wird, werden wir unser Angebot auch wieder hochfahren", kündigt Reichert an.

Helios und Med3group reduzieren

Auch Klinikbetreiber Helios fährt sein Testangebot zurück. Wie die Pressesprecherin des Landratsamtes, Nathalie Bachmann, berichtet, werden nach Sonntag, 4. Juli, die mobilen Testangebote in Poppenroth, Garitz und Winkels eingestellt. Schnelltests können aber weiterhin am St. Elisabeth-Krankenhaus in Bad Kissingen gemacht werden. Helios selbst erklärt dazu, dass man die Testungen der aktuellen Situation und der Nachfrage anpasse. Ob das Unternehmen langfristig Tests in Bad Kissingen anbietet, dazu könne man aktuell keine Aussage treffen.

"Bis jetzt ist die Myevent-Group der einzige Anbieter, der den Betrieb einstellt", gibt Bachmann für das Landratsamt Auskunft. Neben Helios plane auch die in vielen Kommunen im Landkreis aktive Med3group, den Umfang ihrer Testangebote zu reduzieren. Laboklin teilt mit, dass die Teststrecke des Unternehmens in Münnerstadt ab Dienstag, 6. Juli, vorerst geschlossen bleibt. Einen wöchentlich aktualisierten Überblick über die aktuellen Schnelltest-Möglichkeiten bietet das Landratsamt im Internet.

Vor allem die Apotheken halten die Testangebote vorerst aufrecht: Doris Eisenmann, Inhaberin der Brunnen-Apotheke in Bad Bocklet, merkt zwar auch, dass die Nachfrage zuletzt nachgelassen hat, sagt aber: "Wir lassen das Angebot weiterlaufen. Erst wenn es irgendwann gar nicht mehr gebraucht wird, machen wir es zu." Zum Wochenende hin sei mehr los, unter der Woche würden die Tests weniger benötigt. Auf die geringere Nachfrage reagiert die Apothekerin, indem sie versucht, die Termine zu bündeln. Vereinzelt kommen Schüler oder Kindergartenkinder zum Testen, meistens sind es Touristen oder Heimische, die verreisen wollen.

Sinkende Vergütung, mehr Bürokratie

Ab Juli müssen die Anbieter die Tests, die sie vornehmen, genau dokumentieren. Der Gesetzgeber reagiert so auf Berichte über Missstände bei Teststellen sowie mutmaßlichen Abrechnungsbetrug. Außerdem wird die Vergütung deutlich gesenkt. Das mehr an Bürokratie schreckt Eisenmann nicht ab. "Als Apotheke sind wir sowieso Dokumentationspflicht gewohnt", sagt sie. Dass die Vergütung gesenkt wird, findet sie weniger erfreulich, aber: "Ich mache trotzdem weiter, weil ich für die Leute da sein will."

Auch Jonathan Schneider, Inhaber der Marbach Apotheke in Garitz und gleichzeitig Pressesprecher des Bayerischen Apothekerverbandes für den Landkreis Bad Kissingen, merkt, dass die Nachfrage sinkt. Vorerst will er das Angebot beibehalten. "Wobei die Leute froh sind, dass es noch Ansprechpartner gibt. Wir haben im Moment noch einige Nachfragen von Reisenden oder für Kitakinder und Schüler", berichtet er.

Er habe noch Material auf Vorrat und werde weiter testen. Die Zeiten, in denen seine Apotheke die Tests macht, will er jedoch etwas anpassen. Je nach Bedarf hält der Apotheker es auch für möglich, mit dem Testen aufzuhören. Ob er den Betrieb bei steigender Nachfrage dann wieder aufnimmt, "das hängt dann auch vom bürokratischen Aufwand ab".

Teststrecke an der KissSalis bleibt

Der DLRG-Kreisverband betreibt die Schnelltest-Strecke an der KissSalis-Therme. "Wenn wir merken, es kommt keiner mehr, dann hören wir auf", sagt Kreisvorsitzender Markus Brandl. Das sei aber noch nicht der Fall. Auch hier gilt: Der Andrang lässt zwar nach, eventuell werden die Testzeiten verringert, aber noch kommen einige Urlauber, Schüler und auch manche Berufstätige und lassen sich testen. Auch die ehrenamtlichen Tester erhalten viel Zuspruch: "Schön, dass ihr das macht, heißt es oft. Die Resonanz ist sehr positiv", sagt Brandl. Die ehrenamtlichen Tester stehen nicht so unter einem wirtschaftlichen Druck wie private Anbieter. Es mache nichts aus, wenn mal weniger los ist. Solange das Angebot gebraucht wird, wolle man es aufrechterhalten.