Bad Kissingen
Blitzmarathon

Die Autofahrer im Visier

Die Polizei hat am Donnerstag bundesweit Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt, natürlich auch im Landkreis Bad Kissingen. Zu schnell sind die Autofahrer meistens wegen Stress und Terminhetze.
Martin Kaiser (Polizeioberkommissar) von der Polizeiinspektion Bad Kissingen war am Donnerstag an den Kontrollen des "Blitzmarathons" der Polizei beteiligt. Mit der Laserpistole spürte er zu schnelle Autofahrer auf. Fotos: Paul Ziegler
Martin Kaiser (Polizeioberkommissar) von der Polizeiinspektion Bad Kissingen war am Donnerstag an den Kontrollen des "Blitzmarathons" der Polizei beteiligt. Mit der Laserpistole spürte er zu schnelle Autofahrer auf. Fotos: Paul Ziegler
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Die junge Frau ist aufgelöst. Tränen fließen. Dabei war es gar nicht schlimm. Die Frau ist am Donnerstagvormittag in eine Laserkontrolle der Polizei geraten und angehalten worden. Sie war zu schnell unterwegs. In der Maxstraße in Bad Kissingen sind 30 km/h erlaubt, die Frau wurde von POK Martin Kaiser und seiner Laserpistole ins Visier genommen.
Mit 47 km/h war sie unterwegs, drei km/h werden abgezogen (Toleranz), mit 14 km/h über der erlaubten Geschwindigkeit muss die Autofahrerin ein Bußgeld von 25 Euro bezahlen.
"Gestresst, auf dem Weg zur Arbeit, in Gedanken ...", sagt sie noch sichtlich geschockt, dass sie angehalten wurde. Dass dies keine dahergesagte Ausrede ist, glaubt man der Frau. Aber es hilft nichts. Sie bezahlt ihr Bußgeld an Ort und Stelle und damit ist der Fall abgeschlossen. Aber die Frau hat einen ordentlichen Schrecken bekommen und das mag gestern vielen Autofahrern so ergangen sein, denn die Polizei hat gestern ihren bundesweiten "Blitzermarathon" hingelegt, natürlich auch im Landkreis Bad Kissingen.

An der Rottershäuser Kreuzung
Für Polizeioberkommissar Martin Kaiser und seinen Kollegen Matthias Kleren, die mit dem Lasermessgerät der PI Bad Kissingen von 7.30 bis 8.30 Uhr in der Maxstraße standen, ein normaler Arbeitstag. "Die Laserpistole ist täglich im Einsatz", sagt Lothar Manger, der verantwortliche Verkehrssachbearbeiter der PI. Er selbst stand zwei Stunden später mit der Laserpistole auf der Staatsstraße 2245 (früher B 19) an der Rottershäuser Kreuzung. Das war mal ein Unfallschwerpunkt. Auf einer pfeilgeraden Strecke 200 Meter vor und 200 hinter der Kreuzung sind nur 60 km/h erlaubt.
In gut einer Stunde hat er vier Autos gemessen, deren Geschwindigkeit im Anzeigenbereich lag: 84 km/h, 86 km/h, 88 km/h und 91 km/h. Die Fahrer wurden gleich hinter der Messstelle von einer Streifenbesatzung angehalten. Manger war mit der Laserpistole mehr oder weniger unsichtbar. Auf einer Anhöhe hinter einem großen Verkehrsschild, dort wo der Wald beginnt, hatte er sich aufgestellt. Das Gras an dieser Stelle ist deutlich zusammen getreten, "das zeigt, wie oft wir hier stehen und messen", klärt Lothar Manger den Reporter auf.
Die Lasermessungen sind sehr effektiv. Bis auf eine Entfernung von 1000 Metern können Fahrzeuge erfasst, angepeilt und deren Geschwindigkeit gemessen werden, sagt Martin Kaiser. In der Maxstraße haben er und sein Kollege gestern morgen in einer Stunde sechs Autofahrer angehalten. Der Vorletzte war um 8.17 Uhr eine Frau. Kind auf dem Rücksitz. Die Kleine habe sie noch bei den Eltern abgeben wollen, um 9 Uhr hätte sie einen Termin in Würzburg. Stress. 51 km/h ist sie gefahren. 18 km/h zuviel. Eigentlich nicht schnell, aber nicht erlaubt. Sie bezahlt 35 Euro und darf weiterfahren.

Bußgeld an die Privatadresse
Ebenso geht es der Mitarbeiterin eines Pflegedienstes. Mit 45 km/h wird sie in der Maxstraße gelasert. Bei ihr dasselbe: Terminstress. Die Frau hat kein Geld dabei, will aber nicht, dass der Chef von der Sache erfährt. Kein Problem. Nachdem Matthias Kleren Führerschein und Fahrzeugpapiere überprüft hat, wird der Frau ein Bußgeldbescheid an die Privatadresse zugestellt. Leider, so Martin Kaiser, ist es noch nicht möglich, bei solchen Kontrollen mit Scheckkarte ein Bußgeld zu bezahlen. Das wäre sehr sinnvoll, sagt er, das würde jede Menge Verwaltungsarbeit sparen. Wenn noch Briefe geschrieben werden müssen und der Verwaltungsapparat in Gang gesetzt wird, ist das doch ein ziemlicher Aufwand.

Noch nichts Konkretes
"Angedacht ist das (bargeldlos bezahlen, Anm. d. Red.), aber etwas Konkretes gibt es noch nicht dazu", sagt Karl-Heinz Schmitt, der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Würzburg zu diesem Thema. Da müssen sich die Autofahrer noch etwas gedulden.
Geduld ist überhaupt das Stichwort, dass man von diesem "Blitzermarathon" mitnehmen kann. Die Termine, die die angehaltenen Autofahrer/innen gestern noch einhalten wollten, wegen zu schnellen Fahrens aber abgehalten wurden, waren eh nicht mehr zu schaffen. Wer's trotzdem mal drauf ankommen lässt: Rund eine Viertelstunde dauert eine Kontrolle, nachdem man angehalten wurde.