Wer von den legendären, längst Kult gewordenen Elferratssitzungen des Garitzer Biertümpelclubs (BTC) Zeugnis geben will, der muss aufpassen, dass er seine Erzählung nicht beginnt mit dem berühmten "Es war einmal..." Es wäre nicht verwunderlich, denn eigentlich müssten in der Turnhalle des Stadtteils bis spät in die Nacht helle Lichter leuchten, müssten geschäftige Schatten hinter den Fenstern hin und her eilen. Aber es ist alles dunkel, nichts rührt sich. Eigentlich müssten die BTC-Mitglieder ihre beiden Elferratssitzungen vorbereiten. Aber der Fasching ist ferner denn je. Bereits zum 2. Mal nach 2021 musste der Verein die Prunksitzungen komplett absagen. Corona ist absolut humorlos. Die Hygienevorschriften bremsen die Sitzungen und die umfangreichen Vorbereitungen aus. Natürlich ist die Enttäuschung groß bei den Mitgliedern und ihren Gästen. Und natürlich auch bei Nico Sauer, dem Vorsitzenden. Aber zumindest nach außen macht er einen gefassten Eindruck. Wir sprachen mit ihm.

Herr Sauer, wie ist denn die Stimmung bei Ihnen und im BTC?

Nico Sauer: Es wird Sie vielleicht überraschen, aber die Stimmung ist eigentlich ganz gut. Vielleicht haben Sie mitbekommen, dass der Michl Müller den bundesoffenen Liedercontest 2022 des Bundes Deutscher Karneval gewonnen hat. Dafür ist ein Video produziert worden, und daran haben einige Akteure des BTC-Elferrats, aber auch Mitglieder der Großen Garde mitgewirkt, sodass wir also tatsächlich ein bisschen Aktivität hatten. Das bleibt natürlich weit hinter dem zurück, was wir im Normalfall zu dieser Jahreszeit leisten, aber immerhin war es ein kleiner Lichtstreif am Horizont.

Sie waren im vergangenen Jahr zuversichtlich, dass es bei entsprechendem Fortgang der Impfungen voraussichtlich wieder Elferratssitzungen geben könnte dieses Jahr. Jetzt haben den verkleideten Narren aber die verkleideten Spaziergänger einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Gut. Ob's wirklich die "Spaziergänger" waren, weiß ich nicht. Tatsache ist, dass leider Gottes im Herbst letzten Jahres die Planungen beim BTC eigentlich voll angelaufen waren, aber nachdem die Regelungen dann von 3G+ auf 3G und 2G zurückgefahren wurden, waren leider weder ordnungsgemäßes Training noch die Vorbereitung auf die Elferratssitzungen machbar. Und auch die Durchführung wäre am Ende unter den Bedingungen einfach nicht möglich gewesen. Deswegen gab's leider Gottes auch in diesem Jahr wieder die Entscheidung für die Absage.

Wann haben Sie die endgültig gefasst?

Letztlich wieder in der Generalversammlung am 20.11.2021. Da hatten wir ja vorher noch den Rathaussturm gemacht, da waren wir eigentlich noch recht euphorisch. Aber kurze Zeit später ist dann die Entscheidung gefallen, weil auch diese Veranstaltung wegen der damals recht hohen Inzidenzen und der wieder zunehmenden Beschränkungen im öffentlichen Leben schon sehr auf der Kippe stand. Dass der Rathaussturm möglich war, war nur dem Umstand geschuldet, dass wir gesagt haben: Es findet halt alles im Freien statt. Sonst sind wir immer ins Rathaus hineingegangen, aber das haben wir von vornherein abgesagt. So konnte er als reine Outdoor-Veranstaltung stattfinden. Das war natürlich ein großer Vorteil für die Belagerten, die ja auch wussten, dass die Belagerer gar nicht reinkommen wollten. Da hätte nur Aushungern geholfen. Aber das kann dauern.

Hatten Sie trotz allem damals schon mit den Planungen für die Sitzungen angefangen. Ich frage, weil Sie letztes Jahr, als ich Sie nach dem vorgesehenen Thema gefragt hatte, gesagt haben, dass Sie nichts verraten können, weil Sie das eine oder andere unter Umständen in das nächste Jahr übernehmen wollen.

Ja, wir hatten angefangen, und wir hatten meiner Meinung nach wieder ein großartiges Thema, das sehr gut in die Zeit gepasst hätte. Allerdings gehen wir davon aus, dass wir das im gegebenen Fall im nächsten Jahr auch noch verwenden können. Machen wir uns nichts vor. Die Pandemie wird uns wie auch immer weiter begleiten, vielleicht in einem etwas erträglicheren Rahmen, aber wir werden sie nicht loswerden, und von daher, ja, die Planungen waren da schon recht weit fortgeschritten. Und das neue Thema? Vielleicht kommt es 2023 auf die Bühne.

Ich frage nicht nach dem neuen Thema. Sondern wie es letztes Jahr gelautet hätte.

(lacht) Das Problem ist, dass das diesjährige Thema eine Abwandlung des letztjährigen ist, und das ließe Rückschlüsse zu. Bitte sehen Sie es mir nach, dass ich mich dazu nicht äußere.

Sehr diplomatisch! Ich müsste ja nur im Altpapiercontainer des BTC nach den vielleicht schon gedruckten Speisekarten des letzten Jahres suchen. Denn die ließen ja schon immer präzise Rückschlüsse auf das Thema zu.

Da muss ich Sie enttäuschen. Da waren die Planungen im Oktober in den beiden Jahren noch nicht so weit. Das wird ja immer erst akut, wenn die Vorbereitungen in der Turnhalle abgeschlossen sind. So weit waren wir definitiv nicht.

Wie ist das eigentlich mit den Tanzgarden? Die müssen ja doch in Bewegung bleiben, dass sie nicht einrosten.

Dafür war insofern Sorge getragen, als wir eine wirklich gute Vereinbarung mit der Stadt Bad Kissingen bezüglich der Hallennutzung der Garitzer Turnhalle zu Trainingszwecken getroffen hatten. Allerdings ist das auch mehr oder weniger der Tatsache zum Opfer gefallen, dass auch einige Aktive nicht geimpft waren und die Nutzung der Halle immer unter der Prämisse stand, dass der 2G-Status eingehalten werden kann. Vor dem Hintergrund war dann am Ende gerade bei den Größeren, die diesen Nachweis gebraucht hätten, ein Training unmöglich. Die ganz Kleinen, die ja über die Schule täglich getestet werden, die sind bis heute aktiv. Die tanzen auch in dem Wissen, dass tatsächlich nichts stattfindet, aber einfach, um halt zusammenzukommen und das Ganze nicht völlig zu vergessen.

Bei den Großen hat es nicht funktioniert?

Genau. Bei den Großen war das Problem, dass es grundsätzlich Räumlichkeiten und auch Zeiten zur Hallennutzung gegeben hätte. Dadurch, dass nicht alle bereit waren, sich impfen zu lassen, waren auch nicht die Gruppen aufrecht zu erhalten - mit der Konsequenz, dass mit den Gruppen ein Training nicht wirklich stattgefunden hat.

Solidarisch ist das eigentlich nicht.

Das ist richtig, aber wir vom Verein machen da natürlich niemandem eine Vorgabe, wir achten da das Recht auf Selbstbestimmung, was medizinische Eingriffe anbelangt. Und wir müssen dann umgekehrt konsequent sein, wenn uns die Halle nur überlassen ist unter der Bedingung, dass von den Aktiven der 2G-Status eingehalten ist. Dann können halt die, die den Status nicht haben, einfach nicht mitwirken, und das ist dann natürlich für die ganze Gruppe ein Problem. Vollkommen klar.

Sie habe ja drei Garden: die ganz Kleinen, die Jugendgarde und die Große Garde. Wenn die jungen Leute vor drei Jahren in die Jugendgarde gekommen sind und das Trainieren angefangen haben, dann konnten sie zweimal nicht auftreten. Und wenn sie vielleicht nächstes Jahr können und dürfen, dann sind sie zu alt und müssten eigentlich in die Große Garde wechseln. Gibt es dann vielleicht so etwas wie eine Übergangsgruppe, die "Altjugendlichen"?

Um da ganz ehrlich zu sein: Wie wir das fortführen, wissen wir noch nicht. Diesen nahtlosen Übergang, den wir gewohnt sind, den wird es in der Tat nicht geben können, insbesondere auch, weil natürlich die zwei Jahre definitiv fehlen. Wie gesagt, wie sich die Gruppen aufstellen für den Fall, dass es 2022/23 wieder funktionieren sollte, das ist noch völlig offen. Aber ich kann Ihnen versprechen: Es wird ganz sicher wieder Garden und Tanzbeiträge geben. Aber ob es dann noch drei oder möglicherweise nur zwei Garden sind, das muss man sehen. Diese Selbstverständlichkeit, mit der das in den Vorjahren ging, die ist einfach nicht mehr da.

Wirkt sich das auf die Nachwuchswerbung aus?

Nicht nur auf den Nachwuchs. Ich sage Ihnen ganz offen, dass es eine Herausforderung wird, diejenigen, die bislang aktiv waren, auch wieder zu gewinnen, denn Sie müssen sehen: Einige haben bestimmt mit der Freiheit, die sie durch Corona gewonnen haben, indem sie jetzt nicht mehr den kompletten Januar Aktivitäten für den BTC erbringen mussten, sicher etwas anderes angefangen. So glaube ich, dass es da schon einiger Arbeit bedarf, die wieder dazu zu bewegen und zu sagen: Hey, es geht wieder los. Klar, die Rekrutierung irgendeines Nachwuchses ist gleich noch mal eine Stufe mehr, eine Schippe drauf. Da wage ich im Moment gar nicht dran zu denken. Die Nachwuchswerbung ist eingeschlafen, denn wie wollen Sie neue Leute begeistern und werben, wenn tatsächlich keine Aktivität stattfindet? Am Ende gelingt das immer nur dann, wenn die Angesprochenen auch sehen, was auf die Bühne gebracht wird und woran sie gegebenenfalls mitwirken können. Wenn das alles nicht stattfindet, ist das schwierig.

Was sich mit Blick auf nächstes Jahr als Problem erweisen könnte, ist, dass sich die Routinen rund um die Sitzungen wieder einspielen.

Das ist richtig. Das hängt davon ab, ob die, die für bestimmte Bereiche verantwortlich zeichnen, erst mal wieder an Bord kommen. Die Trainerinnen müssen wieder da sein, auch diejenigen, die für Küche und Bar verantwortlich sind oder für die Beleuchtung; und natürlich die Programmverantwortlichen. Und die müssen dann ihre Schäfchen oder Aktiven wieder zusammenzutrommeln. Ich bin guter Dinge, dass uns das wieder gelingt.

Finanziell sieht's vermutlich nicht schlecht aus beim BTC. Der Elferrat müsste eigentlich auf prall gefüllten Geldsäcken hocken, weil er jetzt schon im zweiten Jahr nichts ausgeben konnte.

Ja, in der Tat, Geld ist nicht das Thema, insbesondere weil wir keine Ausgaben haben. Wir brauchen deshalb auch keine Hilfen und wir nehmen nichts, was für andere Vereine wichtig oder gar überlebenswichtig ist. Wir kommen auch so gut über die Runden.

Letztes Jahr haben Sie allerdings Geld ausgegeben für einen Sessionsorden ohne Session, für einen Orden in Coronazeiten. Machen Sie das heuer wieder?

Genau. Einen Ausfallorden gibt es wieder, um zu zeigen, dass Vorstand und Präsidium an die Aktiven denken und dass für uns das Kapitel definitiv noch lange nicht abgehakt ist. Und wir werden auch wieder herumgehen und sie zu den Leuten bringen. Diese Aktion ist im letzten Jahr außerordentlich gut angekommen. Wertschätzung hilft, und weil sie eine gewisse Symbolkraft hat, halten wir daran fest. Den Vereinsverantwortlichen tut es auch leid, dass wir die Orden nicht auf der Bühne verleihen können, aber das ist höhere Gewalt.

Sie haben letztes Jahr die Befürchtung geäußert, dass im Verein das soziale Leben leiden könnte. Hat sich das bestätigt?

Nein, Gott sei dank nicht. Das ist dem Umstand geschuldet, dass insbesondere in den Sommermonaten die pandemische Lage rückläufig war, sodass das Germanenfest und der "Stammtisch am Donnerstag" stattfinden konnten, sodass das Vereinsleben letztlich schon weiterging. Auch die Generalversammlung 2021 hat stattgefunden. Da haben wir die Gunst der Stunde genutzt, um auch die Ehrungen des Fastnacht-Verbandes Franken für die zurückliegende Session nachzuholen und für die aktuelle Session vorzuziehen, sodass wir da eigentlich auf dem Laufenden sind. Das Vereinsleben hat unter der Situation wohl gelitten, aber es ist definitiv nicht zum Stillstand gekommen.

Gibt es in Garitz eigentlich schon Großväter, die ihren Enkeln erzählen, wie toll früher der Garitzer Fasching war?

Gute Frage. Das ist mir bislang nicht zu Ohren gekommen. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass der eine oder andere schon Anekdoten na den Nachwuchs weitergibt.

Sie haben mir letztes Jahr gesagt, dass Sie die durch die Absage gewonnene Zeit - die leider gewonnene Zeit - nutzen wollen, um Sport zu treiben. Haben Sie das wirklich gemacht?

(lacht) Also, zu Beginn ja! Aber der relativ viele Sport zu Beginn ließ sich im Laufe des Jahres nicht aufrechterhalten und ist dann etwas weniger geworden. Ich würde sagen: Stark gestartet und schwach zu Ende gebracht.

Ihre Prognose für 2023: Wird es zwei Elferratssitzungen geben oder nicht?

Also, mal unter der Prämisse, dass die Lage wirklich so bleibt, wie sie aktuell ist, also dass wir weiterhin mit einer Corona-Variante beschäftigt sind, die zwar sehr ansteckend, aber doch von ihren gesundheitlichen Auswirkungen wohl nicht mehr so gefährlich ist wie Vorgängervarianten, würde ich sagen: ja. Aber ich bin insofern etwas zurückhaltend, als ich natürlich etwaige Mutationen dieses Virus nicht einschätzen kann. Und wenn dann vielleicht im Herbst wieder irgendeine Mutante auftaucht, die plötzlich wieder zu gravierenderen gesundheitlichen Beeinträchtigungen führt, dann kann es sein, dass wir sehr schnell wieder bei sehr strikten Beschränkungen sind. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Ich bin der Meinung: Wenn es so bleibt wie jetzt oder wie es sich abzeichnet, dann glaube ich, dass wir irgendwie lernen, mit dem Virus zu leben und das wir wieder mit Blick auf den Fasching zu einer gewissen Normalität zurückkommen.