Sichtlich überrascht war Marie Müller bei der Jahreshauptversammlung des Fußballsportvereins (FSV) Schönderling. Sie wurde nämlich von der Jury zum "Spieler des Jahres" gekürt. Pardon, die Aufschrift stimmt nun nicht mehr, müsste es doch "Spielerin des Jahres" heißen. Der Wanderpokal, den der Verein jedes Jahr einer Person überreicht, soll Zeichen sein für besonderen Einsatz.
Der war - so Trainer Felix Dorn in seiner Laudatio - bei der 14-Jährigen in jeder Hinsicht gegeben: "Ihre Trainingsbeteiligung, ihr Einsatz für den Verein und auch der Einsatz für die Mannschaft sind wirklich anerkennenswert und gehen über das übliche Maß hinaus", war er sichtlich stolz, den Pokal an "seine" Spielerin übergeben zu dürfen. Obwohl sie die Jüngste im Kader der Damenfußballmannschaft ist, sei sie sehr kämpferisch und eine Spielerin, "die den Älteren auch gerne mal den Schneid abkauft".

In seinem Rückblick ließ Dorn seinen Stolz erkennen, dass die insgesamt 16 Mädels mit ihrer Mannschaft inzwischen zu einer festen Größe im FSV geworden seien. "Letztes Jahr spielten wir unsere zweite Saison", das sei nicht leicht gewesen, denn die Neulinge hatten sich erst in der Damenfreizeitliga zurechtfinden müssen. Sie belegten den fünften Platz. Die junge Mannschaft zeigt Woche für Woche Leistung: "Wir spielen übers komplette Kalenderjahr", sagte Dorn, bei zwei Hallenturnieren kamen die Damen ebenso zum Einsatz wie jetzt in der neuen Saison, bei der jeden Samstag um 18 Uhr der Anpfiff ertönt.

Leistung zeigen auch viele andere FSV-Mitglieder, wie dem dem Jahresbericht der Vorsitzenden Christiane Heil zu entnehmen war. Denn nicht nur sportliche Ereignisse stehen beim FSV auf dem Programm, als mitgliederstärkster Verein Schönderlings hat er ein großes Areal zu betreuen, das immer gepflegt werden muss. Zudem ist der FSV auch zu einem Kulturträger geworden. "Diese reichhaltigen kulturellen Ereignisse haben unseren Ort in der ganzen Umgebung bekannt gemacht", war auch stellvertretender Bürgermeister Norbert Heil all jenen dankbar, die sich mit ihren Ideen und ihrem Engagement für den FSV einsetzen.

Neuer Schiedsrichter

So berichtete die Vorsitzende von vielen Aktivitäten wie Klangspiel, Faschingsveranstaltungen, Kabarettabenden und Winterzauber im Advent. Froh ist sie auch, dass Birgit Müller und Daniela Brand seit Oktober eine Tanzgruppe leiten, die sich einmal in der Woche trifft und beim diesjährigen Büttenabend ihr bezauberndes Debüt gab.
Während Felix Dorn und Armin Wießner ihren Übungsleiterschein machten, hatte sich Konstantin Schaab ein anderes, großes Ziel gesetzt: Er wollte Schiedsrichter werden - und hat es geschafft. Darüber freuen sich die Verantwortlichen des FSV natürlich sehr, denn jeder Verein sollte eine gewisse Anzahl von Schiedsrichtern stellen. Der junge Mann, der selbst mit Begeisterung Fußball spielt, darf jetzt also auch auf dem Spielfeld "pfeifen".
Heils Dank ging an alle, die sich für den Verein einsetzten. Doch sie machte auch klar, dass sie sich mehr Beteiligung wünsche: "Die Suche nach Helfern wird immer schwieriger", sagte sie. So manche Arbeiten könnten durchaus auf mehrere Schultern verteilt werden.

Einen erschütternden Bericht lieferte Bauvorstand Steffen Beck: "Das Dach ist in die Jahre gekommen", gebe es immer mehr undichte Stellen und Wassereinbrüche. Doch nicht nur das Dach, auch die Toilettenanlagen seien in schlechtem Zustand. Die Überlegungen gingen dahin, die Duschen und Toiletten komplett zu sanieren, bauliche Veränderungen vorzunehmen, um die Raumsituation besser zu nutzen und eine Wärmedämmung einzubauen, sagte der Fachmann.

Dies alles sprengt jedoch den finanziellen Rahmen des Vereins, wie der Kassenbericht von Thomas Schuhmann leicht erkennen ließ. Nun will man überlegen, welche Sanierung am dringendsten sei. Denn auch im abgelaufenen Jahr waren Beck und seine Helfer nicht untätig: Der Bolzplatz wurde auf Vordermann gebracht, Leitungsbrüche repariert und eine Notausgangs-Tür in der Turnhalle eingebaut. Bitter war für den Verein auch der Diebstahl der Dachrinnen, was einen weiteren finanziellen Aufwand bedeutet.

Marco Beck schloss seinen Bericht über die Jugendvereinstätigkeit mit einem eindringlichen Appell: "Wir suchen Trainer und Betreuer für den Juniorenbereich", bräuchten gerade die Jüngsten noch viel Zuwendung. Tja, da haben es die Fußballdamen leichter, wie Marie Müller erzählt. Sie werden von Benedikt Schuhmann und Christian Gerlach, die vor allem organisatorische Aufgaben übernehmen, gut betreut. Und dann gibt sie das Lob aus der Laudatio an Felix Dorn zurück: "Er macht was aus uns", freut sich Marie Müller über den guten Zusammenhalt in der Mannschaft. Niemals würde er eine einzelne Person kritisieren, "er sagt dann höchstens: die Abwehr war heute nicht so gut".

Zwei Mal in der Woche geht die Stürmerin zum Training, es mache ihr Spaß. Sie sei durch den sportlichen Erfolg auch selbstbewusster geworden. Natürlich sei Felix manchmal auch streng. Denn: "Wir Mädels reden manchmal schon viel", doch genieße er auch Respekt, trotz seiner gerade mal 19 Lebensjahre. Ach ja - und so ganz nebenbei ist die Spielerin des Jahres auch noch Spielerin bei den Leichtersbacher Musikanten. Da bläst sie ins Euphonium, das ist ein kleines Tenorhorn. Doch jetzt hält sie ihren glänzenden Pokal ganz fest in der Hand - für ein ganzes Jahr.