Ein bisschen stand das Staunen noch am Morgen danach in den Gesichtern der Verantwortlichen. Dass der corona-gebeutelte Kissinger Sommer 2021 so gut laufen würde, das zu hoffen hatte sich niemand getraut, zum Teil aus begründeter Skepsis, zum Teil, um keine Enttäuschung zu erleben. Aber die Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet.

"Ich bin froh, dass wir so eine Punktlandung hingelegt haben", meinte Oberbürgermeister Dirk Vogel. "Als die Inzidenz weit genug gesunken war, hat der Kissinger Sommer begonnen." Es sei ein gutes Signal, dass das Festival eines der ersten in Deutschland war, die nach den pandemiebedingten Lockdowns wieder, wenn auch eingeschränkt, in Betrieb gingen. Man hat die Dankbarkeit bei den Künstlern wie beim Publikum gespürt."

Über 5500 Karten verkauft

25 verschiedene Konzertprogramme waren im Angebot; vier der Orchesterkonzerte wurden aufgrund der Rentabilität und der Nachfrage sogar zweimal hintereinander gespielt. 14 Veranstaltungen waren ausverkauft. 296 037 Euro konnten durch den Verkauf von 5534 Tickets erworben werden. 7065 Karten hätten unter Einhaltung der Corona-Hygienevorschriften verkauft werden können. Aber man lasse sich nicht täuschen: Diese Zahl ist absolut schwimmend. Ein kleines Beispiel: In einer Reihe mit acht Stühlen dürfen zwei Kleingruppen à drei Personen sitzen, denn sie können die zwei geforderten Plätze Abstand halten. Vier einzelne Personen können in dieser Reihe nicht untergebracht werden, sondern nur drei, weil nicht genügend Abstandsplätze zur Verfügung stehen. Ein Saal mit 20 Reihen à acht Plätze kann also bei lauter Dreiergruppen mit 120 Personen ausverkauft sein, bei lauter Einzelbesuchern aber auch schon mit 60 Personen.

Dazwischen pendeln die möglichen Zahlen - ein echtes Dilemma für die Kartenlogistiker. Erstmals ausverkauft war übrigens die Kissinger LiederWerkstatt, aber nicht wegen corona-bedingter Reduzierung, sondern wegen der allgemeinen Nachfrage. Oder anders gesagt: So viele Zuhörer hatte sie noch nie. "Wir sind mit der Auslastung top zufrieden", meinte Kissinger-Sommer-Büro-Chef Thomas Lutz, "und wir haben alles versucht, die Möglichkeiten zu erweitern, etwa durch die Öffnung des Grünen Saals bei einigen Konzerten."

Schnell Ersatz gefunden

Glimpflich abgelaufen sei auch die kurzfristige Absage der beiden Londoner Konzerte, aber es habe sich erfreulicherweise mit der Dresdner Philharmonie, mit Diana Damrau und Helmut Deutsch und mit den Bamberger Symphonikern sehr schnell und problemlos hochkarätiger Ersatz finden lassen. Im Augenblick haben offenbar auch die Orchester viele freie Termine. Die Tauschaktionen seien völlig unproblematisch verlaufen: "Der Kunde hat das absolut positiv gewürdigt.

Das Programm - darauf wies Intendant Tilman Schlömp hin - war natürlich umfangreicher geplant, zu einer Zeit, als man sozusagen noch mit allem oder nichts rechnen musste. Die Reduzierung bedeutete natürlich weniger Einnahmen, aber auch weniger Ausgaben. Trotzdem geht Thomas Lutz, auch wenn die Endabrechnung natürlich noch nicht vorliegt, davon aus, dass das Defizit deutlich unter dem vom Stadtrat genehmigten Gesamtminus liegen wird. Mit dieser Genehmigung sei eine sehr flexible Planung möglich geworden, konnten noch einige freie Termine gefüllt werden.

Workshop mit BBC-Symphony-Orchestra

Sehr gut angenommen, so Schlömp, wurden neue Formate wie zum Beispiel die Übertragung von Konzerten in den Innenhof des Luitpoldbades oder in die Altstadt. Das für den 5. Juli geplante Schülerkonzert des BBC-Symphony Orchestra fand als Workshop mit Schülern aus Bad Kissingen und Dozenten des BBC Symphony Orchestra im digitalen Raum statt. Eine Präsentation der Ergebnisse ist im Rahmen der Projektionen auf die Springbrunnenfontäne im Kurgarten am 23. Juli und am 7. August zu sehen und zu hören.

Oberbürgermeister Dirk Vogel sagte zu, die schwierige Situation der Treppen auf dem Balkon des Max-Littmann-Saales in die anstehenden Gespräche mit der Staatsbad GmbH einzubringen (Thomas Lutz: "Die Stufen würde so heute niemand mehr genehmigen"). Und er wird, auch wenn das "sicher ein langer Weg wird", das Gespräch mit der örtlichen Gastronomie suchen, um Lösungen zu finden, um eine Kompatibilität mit dem Kulturbetrieb zu finden. Denn die Probleme, nach Konzerten nicht hungrig ins Bett gehen zu müssen, hat sich nicht nur unter den Gästen, sondern auch unter den Orchestern herumgesprochen.

Die übereinstimmende Meinung der Verantwortlichen: "Wir sind mit dem Kissinger Sommer 2021, so wie er verlaufen ist, sehr zufrieden. Der Mut, neu zu beginnen, hat sich ausgezahlt."