Drei Konzerte mit zwei der europäischen Spitzenorchester - es war eine Festivalwoche, die es in sich hatte. Und sie reizte zum Vergleich. Man tut dem BBC Symphony Orchestra sicher nicht Unrecht, wenn man das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks zum Punktsieger erklärt - nicht in Sachen Musikalität, sondern in Sachen einer noch größeren Genauigkeit.
Bei den Leitern ist der Vergleich schon schwieriger, weil Andris Nelsons als Gastdirigent am Pult der Münchner stand und daher wesentlich deutlicher sein musste. Aber es wurde von Anfang an deutlich, warum er so hoch gehandelt wird. Er ist ein höchst phantasievoller Orchesterleiter mit ganz klaren Konzepten, der jeden Ton in seinem engagierten Dirigat vorformuliert und, auch mal nur auf einem Bein stehend, an seine Musiker weitergibt. Die Ergebnisse sind von frappierender Gültigkeit.
Interessant ist auch ein Vergleich der beiden Geigerinnen, wenn auch nicht ganz fair. Denn Lisa Batiashvili spielt in einer eigenen Liga. Und die Violinkonzerte von Mendelssohn-Bartholdy, das Alina Ibragimova spielte, und Tschaikowsky machten vor allem deutlich, in welch hohem Maße in 50 Jahren die virtuosen Anforderungen ins Extreme gestiegen sind. Nicht ohne Grund galt das Tschai kows ky-Konzert eine zeitlang als unspielbar.
Es fordert allerdings auch eine wesentlich aktivere Rolle vom Orchester, und das nutzten die Münchner aus. Auch hier war es kein wirkliches Gegeneinander von Solistin und dem Orchester, aber es war wesentlich dominanter und, wie Nelsons zeigte, wesentlich fordernder als bei Mendelssohn. Lisa Batiashvili musste sich oft gegen die Übermacht stemmen, ihr davonlaufen, sich behaupten, und sie tat das mit einer stupenden Technik und interpretatorischer Bravour, mit faszinierenden Klangfarben und enormem Gegendruck. Das war eine Auseinandersetzung auf einem derart hohen Niveau, dass der geradezu intime langsame Satz mit seiner stark ins Leise gewendeten Delikatesse eine notwendige Erholung war.
Die Zugabe war nach dieser Gemeinschaftsleistung konsequent: Lisa Batiashvili und die Streicher des Orchesters (plus Continuofagott) spielten die berühmte Air aus der 3. Orchestersuite von Johann Sebastian Bach.
Nach der Pause stand ein Werk auf dem Programm, mit dem sich viele Dirigenten schwer tun: die 6. Sinfonie von Antonin Dvorák. Man muss nicht unbedingt heraushören, dass dieses Werk einige Gemeinsamkeiten mit der am Vorabend gehörten 2. Sinfonie von Brahms hat. Aber man wird sehr schnell entdecken, dass Dvorák sehr viele Elemente aus der Volksmusik und auch aus der Märchensphäre verarbeitet hat. Schon das erste Hauptthema weist die Richtung: Es klingt fast bis zu seinem Ende wie das Lied "Es klappert die Mühle am rauschenden Bach".
Das ist der Grund, der die Sinfonie beim Publikum so beliebt und für Dirigenten so schwierig macht: Sie setzt sich kaleidoskopartig aus vielen Melodien zusammen, die einen starken Gestalter erfordern, der diese Einzelteile zusammenhalten kann. Andris Nelsons konnte das mit einem derartig deutlichen und beschreibenden Dirigat, dass schon das Zuschauen ein Erlebnis wurde. Die Musik bekam dadurch eine unglaubliche Vitalität. Als Zugabe gab's Tschaikowskys Streicherserenade.Lisa Batiashvili und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks spielten im Großen Saal des Regentenbaus in Bad Kissingen.Drei Konzerte mit zwei der europäischen Spitzenorchester - es war eine Festivalwoche, die es in sich hatte. Und sie reizte zum Vergleich. Man tut dem BBC Symphony Orchestra sicher nicht Unrecht, wenn man das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks zum Punktsieger erklärt - nicht in Sachen Musikalität, sondern in Sachen einer noch größeren Genauigkeit. Bei den Leitern ist der Vergleich schon schwieriger, weil Andris Nelsons als Gastdirigent am Pult der Münchner stand und daher wesentlich deutlicher sein musste. Aber es wurde von Anfang an deutlich, warum er so hoch gehandelt wird. Er ist ein höchst phantasievoller Orchesterleiter mit ganz klaren Konzepten, der jeden Ton in seinem engagierten Dirigat vorformuliert und, auch mal nur auf einem Bein stehend, an seine Musiker weitergibt. Die Ergebnisse sind von frappierender Gültigkeit.
Interessant ist auch ein Vergleich der beiden Geigerinnen, wenn auch nicht ganz fair. Denn Lisa Batiashvili spielt in einer eigenen Liga. Und die Violinkonzerte von Mendelssohn-Bartholdy, das Alina Ibragimova spielte, und Tschaikowsky machten vor allem deutlich, in welch hohem Maße in 50 Jahren die virtuosen Anforderungen ins Extreme gestiegen sind. Nicht ohne Grund galt das Tschai kows ky-Konzert eine zeitlang als unspielbar.
Es fordert allerdings auch eine wesentlich aktivere Rolle vom Orchester, und das nutzten die Münchner aus. Auch hier war es kein wirkliches Gegeneinander von Solistin und dem Orchester, aber es war wesentlich dominanter und, wie Nelsons zeigte, wesentlich fordernder als bei Mendelssohn. Lisa Batiashvili musste sich oft gegen die Übermacht stemmen, ihr davonlaufen, sich behaupten, und sie tat das mit einer stupenden Technik und interpretatorischer Bravour, mit faszinierenden Klangfarben und enormem Gegendruck. Das war eine Auseinandersetzung auf einem derart hohen Niveau, dass der geradezu intime langsame Satz mit seiner stark ins Leise gewendeten Delikatesse eine notwendige Erholung war.
Die Zugabe war nach dieser Gemeinschaftsleistung konsequent: Lisa Batiashvili und die Streicher des Orchesters (plus Continuofagott) spielten die berühmte Air aus der 3. Orchestersuite von Johann Sebastian Bach.
Nach der Pause stand ein Werk auf dem Programm, mit dem sich viele Dirigenten schwer tun: die 6. Sinfonie von Antonin Dvorák. Man muss nicht unbedingt heraushören, dass dieses Werk einige Gemeinsamkeiten mit der am Vorabend gehörten 2. Sinfonie von Brahms hat. Aber man wird sehr schnell entdecken, dass Dvorák sehr viele Elemente aus der Volksmusik und auch aus der Märchensphäre verarbeitet hat. Schon das erste Hauptthema weist die Richtung: Es klingt fast bis zu seinem Ende wie das Lied "Es klappert die Mühle am rauschenden Bach".
Das ist der Grund, der die Sinfonie beim Publikum so beliebt und für Dirigenten so schwierig macht: Sie setzt sich kaleidoskopartig aus vielen Melodien zusammen, die einen starken Gestalter erfordern, der diese Einzelteile zusammenhalten kann. Andris Nelsons konnte das mit einem derartig deutlichen und beschreibenden Dirigat, dass schon das Zuschauen ein Erlebnis wurde. Die Musik bekam dadurch eine unglaubliche Vitalität. Als Zugabe gab's Tschaikowskys Streicherserenade.