"Es sind nicht nur die kunstvoll gestalteten Grabmäler, nicht nur das Gedenken an die Gefallenen des bayerisch-preußischen Krieges von 1866, die den Teilnehmern an meinen Führungen durch den Kapellenfriedhof in Erinnerung bleiben", erzählt Gerhard Wulz, "es ist auch die Ruhe, Gelassenheit und der morbide Charme des vergangenen Jahrhunderts, der auf die Besucher wirkt" ergänzt Werner Eberth, dem es besonders die Grabmonumente des Kissinger Bildhauers Valentin Weidner
angetan haben.
"Hier ruhen Sie gut, die Toten unserer Stadt", ist Gerd Schindelmann, Ur-Kissinger mit Leidenschaft zur Dokumentation überzeugt. Auch er möchte mithelfen, die zwar aufgelassene, aber einzigartige Gedächtnisstätte in angemessenen Zustand zu erhalten. Bereits zum dritten Mal haben die drei aufgerufen, kleine Pflegemaßnahmen unter ihrer Anleitung auf dem Kapellenfriedhof durchzuführen und auch diesmal sind einige Helferinnen und Helfer gekommen, haben sich mit Gartensack, Heckenschere und Rechen bewaffnet um hier den Buchsbaum zurückzuschneiden, dort Löwenzahn aus den Fugen zu kratzen und einige Gräber vom zu üppig wuchernden Efeu zu befreien.
Der Friedhof wird von der Stadt sorgsam gepflegt, "den Prozess des Entstehens und Vergehens in den Jahrzehnten berücksichtigend" wie es dort heißt. Das erfordert hohen Aufwand, deshalb ist man im Rathaus froh, dass die erhaltenden und sichernden Pflegemaßnahmen des Friedhofsamts kleine verschönernde Ergänzungen erfahren, meint Schindelmann und reißt Quecken aus der Beetfläche des Grabes in dem Kissinger Pfarrer liegen.
"Moose und Flechten sind Feinde der Sandsteinkreuze" meint Werner Ebert und fordert die "freiwilligen Friedhofsgärtner" auf, auch den Efeu kräftig zurückzuschneiden. Zum Beweis führt er die Helfer zu einer grün überwucherten Grabstätte. "Wenn man den Efeu gewähren lässt, verschlingt er das Kreuz, den gesamten Aufbau und wird dann zum Baum". Diese Wuchsform (Aboreszenz) hat im Lauf der Jahrzehnte aus dem Grabmal ein kleines Naturdenkmal gemacht. Das soll in diesem besonderen Fall jedoch erhalten werden, meint die Stadtgärtnerei.

Grabpaten wären wünschenswert

Schon kleine Erfolge in der Pflege freuen die Initiatoren. So haben einige der oft weit verstreuten Nachkommen Schriften neu fassen lassen, oder Tafeln ergänzt: "Vielleicht finden wir doch noch die eine oder andere Grabpatenschaft durch Kissinger Bürger" meint Eberth, packt seine Maurerkelle aus der Tasche und begibt sich zum Grabmal des Valentin Weidner um Moos von der Grabplatte zu schaben.