Vorsichtig geht Josefine Metz die ersten Schritte über das Parkett. Die junge Frau ist voll konzentriert. Zudem ist es dunkel, nur ein Scheinwerfer begleitet sie auf ihrem Weg durch den Saal. Sie schreitet wie eine Königin, anmutig und erhaben. Trotz der inneren Anspannung lächelt sie. Denn Lächeln gehört zum Programm, auch wenn die Gesichtsmuskeln mit der Zeit schmerzen.

Josefine Metz ist die Quellenkönigin beim diesjährigen Rakoczy-Fest. Soeben geht die 26-Jährige ihre ersten Schritte durch den Max-Littmann-Saal - bei der Generalprobe für den Rakoczyball. Dort wartet bereits die nächste Hürde: das Podest. Von diesem wird sie dem Publikum winken. Zwei Stufen führen hinauf. Ein kurzer Griff und schon ist das Kleid gerafft. Bloß nicht nach unten schauen! Und doch passiert es. Denn irgendwas stimmt nicht. Tino Paunack, der Choreograf, ist nicht zufrieden. Er muss es nicht sagen, sein Blick verrät es. Schon eilt er herbei, erklärt, gestikuliert. Die Quellenkönigin nickt. Dann tritt Paunack hinter die junge Frau und zieht ein Kabel aus ihrem Kleid. "Können wir das Mikro nicht später an ihr befestigen?", ruft er durch den Saal. Der Techniker stimmt zu.

Befreit von Mikrofon und Kabeln geht die Quellenkönigin zurück an den Eingang, nimmt ihre Ausgangsposition ein und startet den nächsten Versuch. Paunack hält sich derweil im Hintergrund, beobachtet. Der 43-Jährige ist Tanzlehrer, hat eine eigene Tanzschule. Vor vier Jahren war er zum ersten Mal beim Rakoczyball und sofort fasziniert. "Ich habe gemerkt, ich kann etwas dazu beitragen", schildert er seine Eindrücke. Als Bruno Heynen von der Staatsbad GmbH bei ihm nachfragte, ob er sich um die Choreografie beim Einmarsch der historischen Persönlichkeiten kümmern möchte, sagte der gebürtige Thüringer sofort zu.

"Im ersten Jahr haben wir die Laufwege geändert", erzählt der Tanzlehrer. Beim nächsten Mal hat er die Darsteller mit Accessoires versehen. Nun, im dritten Jahr, sind kleine Dramaturgien eingebaut und mit der Musik abgestimmt. "Bei den Neuerungen schwinge ich aber nicht die Autoritätskeule, sondern nehme die Figuren mit." Vor allem die neuen Darsteller sind bei der Generalprobe etwas aufgeregt. Schließlich machen sie ihre Sache zum ersten Mal.

"Aber das ist kein Stress, schließlich will ja jeder eine gute Performance abliefern", sagt Lars Streiberger, der in die Rolle von König Maximilian II schlüpft. "Es ist schwierig. Wegen des Reifrocks muss ich große Schritte machen, darf aber nicht schnell gehen. Man trägt ja sowas nicht jeden Tag", gibt Quellenkönigin Josefine Metz offen zu. Doch je länger die Generalprobe dauert, je öfter die Wege gegangen werden, um so sicherer bewegen sich die Protagonisten. "Ich freue mich schon richtig auf das Rakoczy-Fest", fügt die Quellenkönigin hinzu.

Am Freitagabend sind die Nöte aus der Generalprobe wie weggeblasen. Da steht sie gemeinsam mit Fürst Rákóczi, alias Timo Baier, Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) und Kurdirektor Frank Oette auf der Bühne vor dem Alten Rathaus und eröffnet vor Hunderten Besuchern auf dem Marktplatz die 67. Auflage des beliebten Stadtfestes.


Abgespeckte Version

Die Saale brennt muss allerdings ohne die historischen Persönlichkeiten stattfinden - die Strömung ist zu stark, sodass die Boote nicht zu Wasser gelassen werden können.