Bad KissingenRückblende in den Mai 2020: Mitten in der Corona-Pandemie zieht der 1. FC 06 Bad Kissingen die Reißleine und nutzt ein Sonderkündigungsrecht, um den Pachtvertrag der zur Eissporthalle zugehörigen Sportgaststätte zu kündigen. Der FC 06 war nicht der einzige Verein, den der Verkauf der Eissporthalle durch die Stadt an einen ukrainischen Investor vor Probleme stellte. Doch der FC 06 blieb kreativ, überbrückte die Fußball-Saison 2019/2021 mit Provisorien und nutzte die von Corona geprägte Zeit für die ersten Planungen eines neuen, eigenen Vereinsheims. Knapp eineinhalb Jahre nach dem Auszug aus der Eishallen-Gaststätte wurde das neue Sportheim eingeweiht. Etwa 150 Personen feierten rund um das erste eigene Vereinsheim in der 115-jährigen Geschichte des Stadtvereins.

Bestehend aus sechs Containermodulen bietet der Gastraum Platz für bis zu 40 Personen. Der Mannschaftsraum kann bei Bedarf auch für Festlichkeiten genutzt werden. Dank einer Küche ist die direkte kulinarische Versorgung möglich. Eine Holzterrasse rundet das Gesamtbild des Baus ab.

"Es gab in den letzten Monaten kaum einen Tag, an dem man unseren 1. Vorstand, Wolfgang Werner, nicht im und ums Sportheim auffinden konnte", erinnert sich Finanzvorstand Oliver Lutz.

Werner, studierter Bauingenieur, zeichnete über die neun Monate Bauzeit hauptverantwortlich für Planung und Koordination der Anlage. Mit Vereinsmitglied Thomas Wenzel verbrachte er Wochenende für Wochenende im Sportpark. Ein Großteil der Arbeiten erfolgte in Eigenregie und unter Mithilfe von Mitgliedern, von denen vor allem die ältere Generation mit großzügigen Spenden unterstützte. Auch auf die im Stadtumfeld ansässigen Firmen konnte sich der Verein verlassen.

"Wir saßen im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße", erinnert sich Wolfgang Werner. "Ein Fußballverein ohne Zuhause funktioniert nicht. Wir sind stolz, dass wir nun unser eigenes Sportheim unser Eigen nennen dürfen. Die Unterstützung aller Beteiligten bei diesem Gemeinschaftswerk macht dieses Sportheim zu etwas Besonderem für den FC 06". Nebst einer Präsentation, in der Werner Anekdoten über den Baufortschritt erzählte, ließ es sich Oberbürgermeister Dirk Vogel nicht nehmen ein paar Worte an die Gäste zu richten und sprach von einer "grandiosen Mannschaftsleistung" des Vereins, die ein Vorbild für weitere Initiativen auf dem Gelände sei.

Die Entwicklungen um die Eishalle - Die Stadt leitet nun rechtliche Schritte ein

Hintergrund Im Juli 2017 hatte die Stadt Bad Kissingen ein etwa 5500 Meter großes Grundstück, inklusive der Eissporthalle, am "Sportpark" an die Eissport Bad Kissingen GmbH verkauft für einen Betrag von etwa 230 000 Euro. Mit dem Ziel, den Eissport in Bad Kissingen über einen Investor langfristig zu erhalten und zu fördern. Laut Kaufvertrag besitzt die Stadt Bad Kissingen ein Vor- und Wiederkaufsrecht. Unter anderem für den Fall, dass der Erwerber die Eishalle länger als ein Jahr nicht betreibt. Seit 2019 ist die Eissporthalle in Bad Kissingen geschlossen.

Zankapfel Nachdem der EC Bad Kissingen einseitig den Pachtvertrag gekündigt und dennoch Umbauarbeiten in der Eishalle vorgenommen hatte, kam es zum endgültigen Bruch zwischen dem Eishockeyverein und dem Besitzer, Alexander Kondrashov. Der ukrainische Geschäftsmann verwehrte den Kissinger Wölfen den Zutritt zu ihrer Spielstätte, was letztlich im November 2019 zum sportlichen Rückzug aus der Bayernliga sowie im Januar 2020 zur Insolvenz des Vereins führte.

Scharmützel Die Causa Eishalle beschäftigte und beschäftigt Juristen auf verschiedenen Ebenen. Parteien klagten und wurden verklagt. Unter anderem wurden der Besitzerseite die Kosten für die Ammoniak-Entsorgung in Rechnung gestellt: eine Sicherheitsmaßnahme, die das Landratsamt angeordnet und schließlich durchgeführt hatte, nachdem die Eissport GmbH ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen war.

FC 06 Bad Kissingen Im Mai 2020 hatte sich der Vorstand des 1. FC 06 Bad Kissingen nach reiflicher Überlegung entschieden, sich aus der Sportgaststätte im Bad Kissinger Sportpark zurückzuziehen und den Pachtvertrag mit der Eissport Bad Kissingen GmbH zu kündigen. Dabei wurde ein vertraglich vereinbartes Sonderkündigungsrecht genutzt. Das neue Sportheim- Projekt fand mit der Einweihung Mitte Oktober 2021 seinen erfolgreichen Abschluss.

Klage eingereicht In einer Pressemeldung an diesem Freitag erklärt Oberbürgermeister Dirk Vogel die damalige Konstruktion um den Eishallenverkauf für gescheitert. "Im Kaufvertrag von 2017 ist geregelt, unter welchen Bedingungen ein Wiederkaufsrecht besteht. Dieses greift nun. Unser Etappenziel: Zu einem vertretbaren Preis das Areal und das Gebäude wieder zu erwerben. Ob am Ende ein Eishallenbetrieb steht, kann ich heute nicht versprechen. Das hängt vom technischen Zustand, vom ermittelten Preis des Gutachters und vor allem dem Willen der ganzen Region, ein solches Projekt zu stemmen, ab", so der OB. "Wir haben heute mit dem Einreichen einer Klage beim Landgericht Schweinfurt die notwendigen rechtlichen Schritte eingeleitet, damit wir in Bad Kissingen es in der Hand haben, wie es an unserem E-Werk weitergehen soll."js/red