Was müssen Menschen beachten, die durch Krankheit bedingte Beeinträchtigungen oder Mobilitätseinschränkungen haben und dennoch am Straßenverkehr teilnehmen möchten? Welche gesetzlichen Vorgaben gibt es für die Betroffenen und die von ihnen verwendeten Fahrzeuge? Wie kann den Patienten geholfen werden, damit sie weiterhin mobil bleiben? Antworten auf diese wichtigen Fragen gibt es im Rahmen eines Vortrags- und Diskussionsnachmittags der Gebietsverkehrswacht
Hammelburg in Kooperation mit dem Tüv Süd am Freitag, 13. November. Beginn ist um 15 Uhr im Landgasthof "Zum Stern" in Obererthal.

Laut Deutscher Alzheimer Gesellschaft (DAG) leben in Deutschland gegenwärtig mehr als 1,5 Millionen Demenzkranke; zwei Drittel von ihnen sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Jahr für Jahr treten mehr als 300 000 Neuerkrankungen auf. Sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt, wird sich nach Vorausberechnungen der Bevölkerungsentwicklung die Krankenzahl bis 2050 auf etwa 3 Millionen erhöhen. Dies entspricht einem Anstieg der Zahl der Erkrankten um 40 000 pro Jahr oder um mehr als 100 pro Tag, prognostiziert die DAG.


Tendenz steigend

Schlimmer noch. Denn nach Informationen der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe ereignen sich derzeit knapp 270 000 Schlaganfälle jährlich in Deutschland, etwa 200 000 davon sind Erstfälle. Viele Betroffene sterben. Und rund die Hälfte der überlebenden Schlaganfall-Patienten bleibt ein Jahr nach dem Ereignis dauerhaft behindert und ist auf fremde Hilfe angewiesen. Fast eine Million Bundesbürger leiden an den Folgen dieser Erkrankung.
Diese alarmierenden Zahlen sind für die Gebietsverkehrswacht Hammelburg Anlass, dieses auch viele Menschen im Altlandkreis Hammelburg betreffende Thema aufzugreifen. "Uns geht es mit dem Vortrag am 13. November darum, Angehörigen und Betroffenen Hilfestellung zu geben", erklärt Karlheinz Franz, Vorsitzender der Hammelburger Verkehrswacht. Viele Menschen mit Beeinträchtigungen durch Demenz, Schlaganfall oder anderen schweren Erkrankungen, so Franz, fürchteten um ihre Mobilität. Gerade in der ländlichen Region könne das schlimme Folgen haben.

"Die Angst, diese Menschen dürften nicht mehr am Straßenverkehr teilnehmen oder ihnen werde gar der Führerschein entzogen, grassiert in der Bevölkerung", weiß Initiator und Vorstandsmitglied Herbert Baus. Das sei unzutreffend und bedürfe der Klarstellung, die Angst sei unbegründet. Immer vorausgesetzt, der Haus- oder Facharzt gibt bei Vorliegen einer solchen Beeinträchtigung grünes Licht für das Führen eines Kraftfahrzeuges.


Experten nehmen Stellung

Deshalb wird Dieter Stecher vom Tüv Süd mit Baus und Franz bei dem Vortrag Stellung beziehen zu dem heiklen Thema. "Für viele Betroffene bietet sich auch weiterhin die Möglichkeit, mit einem Kraftfahrzeug am Straßenverkehr teilzunehmen." Die Fahrerlaubnisprüfer des Tüv und die Führerscheinbehörde arbeiten eng zusammen, wenn es um Einzelfallentscheidungen geht. Im Vortrag wird auch die Verfahrensweise aufgezeigt. Ebenso wird der Referent auf Umbaumaßnahmen an Kraftfahrzeugen eingehen und an Beispielen aufzeigen, was nötig und möglich ist.

Der Vortrag dauert eine knappe Stunde. Anschließend bleibt ausreichend Zeit, Fragen an die Experten zu richten und zu diskutieren. Die Veranstaltung steht allen Interessierten offen. "Angehörige und Betroffene sollten die Gelegenheit nutzen, sich auf den aktuellen Stand zu bringen", rät Karlheinz Franz. "Auf keinen Fall sollten sie erst warten, bis es zu rechtlichen Problemen oder gar einem Unfall kommt!" Eingebunden sind auch die Fahrschulen im Einzugsbereich der Hammelburger Verkehrswacht. Weitere Informationen und Anmeldung bei Herbert Baus, Tel.: 09732/ 1375.


Verkehrswacht gibt Hilfestellung

Die Gebietsverkehrswacht Hammelburg macht es sich bereits seit knapp fünf Jahrzehnten zur Aufgabe, Menschen aller Alters- und Gesellschaftsgruppen innerhalb des Altlandkreises Hammelburg Hilfestellung zu geben. Außer Kindern und Jugendlichen, die besonders der Obhut bedürfen, sind es unter anderem auch die Senioren, auf die die Hammelburger Verkehrswacht ihr Augenmerk richtet. Sie bedürfen auf Grund ihrer alters- und krankheitsbedingten Probleme ebenso der besonderen Hilfe.

"Unser Wunsch und Ziel ist es, so viele Menschen wie möglich seriös zu begleiten und ihnen Hilfestellung zu geben, damit sie bis ins hohe Alter sicher und mit Freude am Straßenverkehr teilnehmen können", bietet Vorsitzender Karlheinz Franz allen Interessierten die Unterstützung durch den ehrenamtlich wirkenden und gemeinnützigen Verein an.