Mit der Fernbedienung hat Ralf Schulenburg die Säge in Betrieb genommen. Langsam frisst sich das mit winzigen Diamantstücken beschichtete Stahlseil durch eine Wand des Luitpoldbades. Die beiden Seitenflügel werden komplett durchgesägt. In den Schlitzen landen Edelstahlplatten, Distanzsstücke und Beton. Zur Isolierung, damit keine Feuchtigkeit nach oben steigen kann und die Mauern trocken bleiben. "Horizonatlsperre" nennen die Fachleute diese Art der Abdichtung.

Über Umlenkrollen ist das 20 Meter lange Säge-Seil mit dem Antrieb verbunden. Die Säge arbeitet erstaunlich leise. Wohl auch deswegen, weil ständig Wasser zugeleitet wird. Allerdings nicht des Lärmschutzes wegen. Das Wasser kühlt die Sägeleine und spült den Staub aus der Ritze. Das Luitpldbad steht mitten im Hochwasserbereich der Saale, feuchte Mauern sind da vorprogrammiert. Das haben schon unsere Vorväter erkannt und vor gut 110 Jahren, als die Seitenflüger aufgestockt wurden, eine Horizontalsperre eingebaut. Nicht zur Freude von Gerald Neller und Erwin Full vom Staatlichen Bauamt Schweinfurt, das für den Umbau des Luitpoldbades in ein Behördenzentrum verantwortlich zeichnet.


Rostige "Altlast"

Denn damals wurden neben der Dichtmasse aus Bitumen Distanzstücke aus Eisen eingebaut. Und Eisen rostet. "Wenn Eisen rostet, nimmt das Volumen zu und sprengt den Stein", sagt Neller. Das ist an den Seitenflügeln des Luitpoldbades deutlich zu sehen. Also mussten erst einmal die alten Eisenteile herausgebohrt und die Löcher mit Beton verschlossen werden.


In kleinen Schritten

Etwas oberhalb der alten Abdichtung frisst sich nun die Säge durch das Mauerwerk. "Immer in Abschnitten von 60 Zentimetern", sagt Ralf Schulenburg von der gleichnamigen Firma für Mauertrockenlegung. So lang sind die Edelstahlplatten, die Schulenburgs Mitarbeiter Peer Hüller in den Schlitz drückt. Diese Platten werden das Hochsteigen des Wassers verhindern.

Viel länger als diese 60 Zentimeter dürften die Schlitze in den Wänden ohnehin nicht sein. "Sonst würde das Mauerwerk Risse bekommen oder absacken" betont Erwin Full. Also sägen sich Schulenburg und seine Mitarbeiter abschnittsweise durch das historische Gemäuer.

Zehn Millimeter hoch ist die Fuge, die Edelstahlplatten haben eine Stärke von drei Millimetern. Die Lücke wird mit Beton geschlossen, dazwischen kommen Distanzstücke, die das angesägte Mauerwerk stützen. Sie sind aus Kunststoff und nicht wie früher aus Eisen.

Bis die Arbeiten abgeschlossen sind, werden Schulenburg und seine Mitarbeiter mehrere Seile Seile verbraucht haben. Und die sind angesichts der Diamantenbeschichtung nicht billig. "Ein Seil kostet mehrere tausend Euro", sagt Schulenburg.

"Neu abgedichtet werden nur die beiden Seitenflügel, im Südflügel ist die Horizontalsperre noch in Ordnung", sagt Full. Außerdem betreffen die Arbeiten nur die Außenmauern und einige wenige Innenwände, denn die Seitenflügel werden fast komplett entkernt.

Ralf Schulenburg hofft, dass die Arbeiten bis Weihnachten abgeschlossen sind. Das ist allerdings vom Wetter abhängig. "Bei Frost können wir nicht mit Wasser arbeiten und bei weniger als fünf Grad keinen Beton einbringen", sagt Schulenburg. Auch ein Hochwasser würde die Arbeiten an der neuen Horizontalsperre unterbrechen.