Wohnmobile boomen: Um 45 794 ist deren Zahl von 2018 auf 2019 in Deutschland angestiegen. 532 687 waren es nach der letzten Bestandsaufnahme des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA): 1051 Ferienhäuser auf Rädern sind im Kreis Bad Kissingen registriert. Das ist neuer Rekord. Von 2011 bis heute wuchs der Bestand insgesamt um 207 586 Fahrzeuge. Im Kreis Bad Kissingen stieg die Zahl innerhalb dieses Zeitraums um 414 gleich 65 Prozent. Das ist Platz 39 in der Wohnmobil-Bundesliga, wenn die Zahl der Wohnmobile pro 1000 Einwohnern der Maßstab ist. Spitzenreiter ist der Kreis Schleswig-Flensburg mit 17,31 WoMos pro 1000. Da ist allerdings ein großer Vermieter beheimatet.

Die Werbung verspricht Freiheit und Abenteuer, die Realität verspricht auf Google mal 6202 Stellplätze in Europa oder 4037 Stellplätze in Deutschland. Werden die auf Campingplätzen dazu genommen sind's deutlich mehr. So oder so: Die Zahl der neu zugelassenen Wohnmobile lag 2018 bei 46 859. Damit stiegen die Neukäufe um 15,5 Prozent. Der Bestand stieg parallel um 45 794, und da zeigt sich eine Krux oder ein Vorteil dieser Spezial-Autos: Sie sind ausgesprochen nachhaltig, weil sie lange halten. Denn dass die Zahl der neuzugelassenen WoMos recht genau der Zahl des Bestandszuwachses entspricht, heißt auch, dass wenige dieser Fahrzeuge ausgemustert wurden. Deswegen zittern Wohnmobilisten auch immer noch ein wenig vor Fahrverboten, weil die allermeisten einen schon älteren Diesel unter der Haube haben.

Das heißt zudem, die Ferienhäuser auf Rädern sind begehrt, so um die 7000 Gebrauchtangebote auf Internetplattformen bundesweit sprechen für einen recht leer gefegten Markt. Das heißt auch, die Branche ist auf kaufkräftige Kundschaft angewiesen, denn der Durchschnittspreis für neue Reisemobile lag im vergangenen Jahr bei über 71 000 Euro. Geschäftsführer Daniel Onggowinarso vom Caravaning Industrie Verband (CIVD) nennt die Menschen über 50 als die wichtigste Zielgruppe der Branche. Die wächst derzeit (und zwar auch mächtig der Rente entgegen, was zusätzliche Freizeit eröffnet). Gleichzeitig stellt die Branche einen Outdoor-Trend bei jüngeren Familien fest. Außerdem profitiere die Branche vom Niedrigzinsniveau und vom anhaltenden Wirtschaftswachstum in Deutschland, heißt es bei Pressegesprächen ganz offen.

Daraus lässt sich im Umkehrschluss auch feststellen, dass ein hoher Wohnmobilbestand ein Indiz für eine kaufkräftige Bevölkerung ist. Das sieht auf der lokalen Ebene wie folgt aus: 637 Wohnmobile gab's bei uns 2011. Vergleichen wir die beiden jüngsten Werte aus der Bestandsanalyse des Kraftfahrt-Bundesamtes im Kreis Bad Kissingen Anfang 2019 und 2018, dann stieg die Zahl der zugelassenen Wohnmobile hier binnen eines Jahres um 128 (13,9 Prozent). Was in absoluten Zahlen aber auch zeigt, dass Wohnmobile in der Regel als Dritt- oder Zweitwagen Nischenprodukte sind. Im Kreis Bad Kissingen kommen rund 10,2 Wohnmobile auf 1000 Einwohnerinnen und -wohner. Der bundesweite Spitzenreiter ist mit 17,31 (Vorjahr 16,12) Wohnmobilen pro 1000 Einwohner wieder der Kreis Schleswig-Flensburg. Der Kreis Bad Kissingen liegt in der Wohnmobil-Bundesliga mit seinem Wert auf Platz 39 von 400 ausgewerteten Stadtstaaten, Stadt- und Landkreisen. Die Stadt Halle (Saale) liegt mit 1,83 Wohnmobilen auf dem letzten Platz. Was den Zusammenhang zwischen Einkommen und Wegkommen zwar statistisch nicht beweist, aber nahelegt: Beim Einkommen liegt Halle nach der Einkommensstatistik auf Platz 398.