Fanfaren als Eröffnung lassen vermuten: Es wird feierlich, es wird wichtig. Der kleine Festakt im Sitzungssaal des Rathauses ist der zweite Teil der Bestätigung, dass die Städte künftig näher zusammenrücken wollen. Was am 1. Juli mit dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Bad Neustadt begann, wurde jetzt auch in Bad Kissingen besiegelt. Es begann damals vielversprechend. Im Anschluss an den Festakt gibt ein grandioses Konzert des Kissinger Sommer in der neuen Stadthalle von Bad Neustadt einen ersten Fingerzeig, was möglich ist: Kultur ist ein wichtiges Element der Zusammenarbeit. Klar, dass Musik dann auch zur Feierstunde in Bad Kissingen gehört. Aus dem reichen Fundus der Kissinger Kulturschaffenden überzeugten die jungen Musiker des "Kissinger Posaunentrio" aus der Musikschule mit passenden Intermezzi zwischen den Ansprachen.

Bruno Altrichter, erster Bürgermeister der Stadt Bad Neustadt a. d. Saale bedankte sich für die Einladung, und erinnerte an die positive Entwicklung für die Region, die sich aus der schon bestehenden Zusammenarbeit im Bäderland Bayerische Rhön abzeichnet. Er sei zuversichtlich, dass nicht nur im Bereich der Kultur, sondern auch beim Tourismus, in der Vernetzung des öffentlichen Nahverkehrs und in der Wirtschaft als Oberzentrum Fortschritte zu erzielen seien. "Gemeinsam sind wir stark im Gesundheitswesen. Wenn wir enger zusammenrücken wollen, ist die Vernetzung des ÖPNV zwingend". Die Bayerische Staatsregierung habe sich die Förderung der Heimat auf die Fahnen geschrieben so Altrichter: "Schön, dass jetzt auch verstärkt Mittel für den ländlichen Raum zur Verfügung stehen" und - mit einem leichten Seitenhieb an die Ballungszentren - "nicht nur für die U-Bahn Stammstrecke in München".

Oberbürgermeister Kay Blankenburg bestätigte: "Wir sind Freunde und Partner, keine Konkurrenten". Die Klammer als Gesundheitsregion eine, Bad Kissingen könne mit Kultur punkten, Bad Neustadt ist wirtschaftlich stark. "Die Möglichkeiten, die sich aus dem gemeinsamen Doppeloberzentrum ergeben, sind also keine Luftnummer". Blankenburg lobte die Idee des Stimmkreis Abgeordneten für Bad Kissingen und Bad Neustadt, Sandro Kirchner, dem es gelungen sei, zwei relativ kleine Städte wie Bad Kissingen und Bad Neustadt als gemeinsames Oberzentrum durchzusetzen.

Auch Landrat Thomas Bold, dem besonders die Vernetzung von Bus und Bahn auf dem flachen Land am Herzen liegt, freute sich, dass jetzt Bad Kissingen-Bad Neustadt als Oberzentrum in Unterfranken in einer Liga mit Würzburg, Schweinfurt und Aschaffenburg spielen. MdL Sandro Kirchner ergänzte: "Eine ICE Verbindung von Schweinfurt nach Fulda, ist so eine Aufgabe, die durch das Oberzentrum mehr Schubkaraft erhält.

Was kann ein Oberzentrum?

Im Gesetzesdeutsch wird ein Oberzentrum - ziemlich sperrig - so beschrieben: "Die als Oberzentrum eingestuften Gemeinden sollen auf Grund ihrer räumlichen Lage, ihrer funktionalen Ausstattung und ihrer Potenziale die großräumige, nachhaltige Entwicklung aller Teilräume langfristig befördern". Das bedeutet, dass die Städte neben dem Grundbedarf auch über Infrastruktur- und Dienstleistungsangebote verfügen dürfen, die über diese reine Grundversorgung hinausgehen, wie zum Beispiel Kliniken, Museen, weiterführende Schulen und Regionalbehörden. Auch ein Hochschulstandort ist möglich. Viel Gesprächsstoff also für die beiden Stadtratsdelegationen beim lockeren Beisammensein im Anschluss an den offiziellen Festakt