Die Corona-Krise und die damit verbundenen Einschränkungen hinterließen deutliche Spuren am regionalen Arbeitsmarkt. Zu Beginn des zweiten Quartals stieg die Arbeitslosigkeit in der Region Main-Rhön, unter dem Einfluss der Corona-Pandemie, sprunghaft an. Im April waren 9124 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 1113 Personen mehr als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote stieg von 3,2 Prozent im März auf 3,7 Prozent im April. Zuletzt war diese im April 2016 so hoch. Im Landkreis Bad Kissingen waren im April 2009 Menschen arbeitslos, die Quote beträgt 3,5 Prozent, das waren 0,4 Prozent mehr als im Vormonat und 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

"Die Corona-Pandemie hat deutliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Viele Betriebe mussten auf behördliche Anordnung hin schließen und auf das Mittel Kurzarbeit zurückgreifen. Bereits geplante Wiedereinstellungen müssen teilweise durch die Pandemie bedingten Besonderheiten auf unbestimmte Zeit verschoben werden. In systemrelevanten Bereichen, wie zum Beispiel in den Branchen des Lebensmitteleinzelhandels, des Gesundheitswesens sowie der IT, besteht andererseits ein erhöhter Bedarf an Arbeitskräften", erläutert Thomas Stelzer, der Leiter der Agentur für Arbeit Schweinfurt, die Situation.

Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Arbeitslosigkeit um 1873 Personen an. Dies entsprach einem Zuwachs von rund einem Viertel. Hierbei waren Männer etwas stärker betroffen als Frauen. Die Arbeitslosenquote lag damals bei 2,9 Prozent. Auch bei allen anderen Personengruppen war durchwegs eine Steigerung festzustellen. Am deutlichsten war diese bei der Personengruppe der ausländischen Bürger mit einem Plus von 445 Personen (32 Prozent) sowie der Personengruppe der jüngeren Personen (15 bis unter 25 Jahre) mit einem Plus von 315 Personen (43 Prozent) ausgefallen

Eine weitere Ursache für die deutlich rückläufige Entwicklung am Arbeitsmarkt war laut Bericht sowohl durch mehr Zugänge in Arbeitslosigkeit als auch durch weniger Abgänge aus Arbeitslosigkeit bedingt. Die Abgänge in Erwerbstätigkeit sind im Vergleich zum Vorjahresmonat mit einem Minus von 328 Personen (32 Prozent) auf 700 gesunken, während die Zugänge aus Erwerbstätigkeit mit einem Plus von 428 Personen (45 Prozent) auf 1372 gestiegen waren. Die typischen konjunkturellen Effekte wie z.B. die Frühjahrsbelebung blieben, bedingt durch die Covid-19-Pandemie, aus.

Die Entwicklung der Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit lässt deutlich die Auswirkungen der Coronakrise auf den Arbeitsmarkt erkennen, heißt es in dem Bericht weiter. Seit Anfang dieses Jahres gingen von Betrieben im Arbeitsagenturbezirk Schweinfurt 3598 Kurzarbeitsanzeigen ein (Stand 27. April 20). Dies entsprach rund einem Drittel der 10 955 Unternehmen in der Region. Eine Anzeige wird oft auch vorsorglich und für mehr Mitarbeitende gestellt. Insgesamt bezogen sich die Anzeigen auf 46 737 Personen.

Zeitverzögerung

Daraus lasse sich nicht schließen, wie viele Beschäftigte am Ende tatsächlich in Kurzarbeit waren und in welchem Stundenumfang. Diese Angaben liegen erst mit Zeitverzögerung vor. Die Anzeige von Kurzarbeit löst unmittelbar noch keine Zahlung aus. Nach der Anzeige ist für die Auszahlung ein Antrag auf Kurzarbeitergeld zu stellen. Dieser Antrag ist zusammen mit der monatlichen Abrechnungsliste bei der zuständigen Agentur für Arbeit einzureichen. Dafür gibt es viele neue Wege. So können die Unterlagen, telefonisch, online sowie neuerdings auch per App "Kurzarbeit", eingereicht werden.

Alle Bereiche betroffen

Die hohe regionale Inanspruchnahme der Kurzarbeit, welche zugleich mit umfangreichen Arbeitsausfällen verbunden ist, signalisiere die große Bereitschaft der Betriebe, ihre Arbeitskräfte halten zu wollen. Die Anzahl der Betriebe, die Kurzarbeit angezeigt haben, lag um ein Vielfaches höher als in den Jahren der Wirtschaftskrise 2008 und 2009. Damals waren vor allem die Metallbearbeitung, der Maschinenbau und die Zulieferindustrie für die Automobilbranche in der Region stark betroffen.

Aktuell sind es nahezu alle Wirtschaftsbereiche, mit Ausnahme der systemrelevanten, vor allem auch die kleineren und mittleren Betriebe. "Der große Unterschied zur Finanzkrise ist, dass es diesmal nicht nur vorwiegend die Industrie in unserer Region trifft, sondern auch viele Dienstleister, Restaurants und Hotels, Friseure sowie den Non-Food-Einzelhandel", betont Stelzer.

"Die Firmen halten tatsächlich an ihrer Ausbildungsbereitschaft und -absicht, aufgrund einer positiven Bewertung der zukünftigen wirtschaftlichen Lage, fest", so Stelzer weiter. Wie bereits in den vergangenen Jahren überstieg die Anzahl der gemeldeten Lehrstellen die Zahl der registrierten Bewerber deutlich. Seit Oktober 2019 wandten sich 2371 Jugendliche bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle an die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Schweinfurt. Dies war gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang um 267 junge Menschen und entsprach einem Minus von 10,1 Prozent. Im gleichen Zeitraum wurden der Arbeitsagentur 3680 Berufsausbildungsstellen gemeldet, 203 Ausbildungsplätze oder 5,2 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

"Eigentlich ist derzeit Hochsaison für die Aktivitäten der Berufsberater/-innen der Arbeitsagentur an den Schulen. Im Frühjahr 2020 ist alles anders, die Schulen sind geschlossen, Lernen von zu Hause ist angesagt, und nur ganz langsam wird der Schulbetrieb wieder hochgefahren. Weiterhin gilt dennoch, eine duale Ausbildung ist eine sehr gute Basis für eine positive, berufliche Entwicklung. Deshalb stehen die Berufsberater/-innen den jungen Menschen sowie deren Eltern telefonisch und mit Online-Angeboten beratend zur Seite. Auch in dieser aktuellen Lage unterstützt der Arbeitgeber-Service der Arbeitsagentur die Unternehmen bei der Besetzung ihrer Ausbildungsstellen, online unter: www.arbeitsagentur.de/eServices oder telefonisch unter: 0800/455 55 20", erläutert Stelzer. red