Im St. Elisabeth Seniorenzentrum in Münnerstadt hat es quasi über Nacht einen sehr großen Corona-Ausbruch gegeben. Stand Sonntag 27. Dezember 2020, wurden von 68 Bewohnern 51 positiv auf das Virus getestet. "Es sind hochbetagte Menschen darunter, die Lage ist jetzt stabil - noch", sagt Martin Pfeuffer, stellvertretender Vorsitzender der Carl von Heß"schen Sozialstiftung, der Träger der Einrichtung.

Zweimal in der Woche werden die Mitarbeiter automatisch und bei Symptomen per Schnelltest auf das Covid-19-Virus getestet. "Am 23. Dezember mehrten sich die positiven Fälle", so Pfeuffer. Die Bewohner wurden daraufhin zweimal mit den sicheren PCR-Test untersucht. Bilanz: 51 infizierte Bewohner, daneben hatten sich fünf der rund 75 Mitarbeiter des Pflegeheimes ebenfalls angesteckt. "Die Zahlen sind sehr schnell in die Höhe geschnellt."

Corona-Ausbruch in Seniorenzentrum Münnerstadt: Auch fünf Mitarbeiter infiziert

Was dann folgte, war ein riesiger Einsatz aller verfügbaren Mitarbeiter und des Landratsamtes am 23. und 24. Dezember. "Wir haben sofort innerhalb des Heimes die Infizierten von den Gesunden getrennt", so Pfeuffer. Die Bewohner und Bewohnerinnen mit Virus wurden in Trakten zusammengelegt und strikt von den Nichtinfizierten getrennt. "Die Menschen haben es hingenommen", erzählt Martin Pfeuffer. Wer auf ein paar besinnliche Besuchsstunden gehofft hatte, wurde an Heiligabend enttäuscht. Die Menschen mussten zum Teil in anderen Zimmern untergebracht werden, die Angehörigen wurden informiert. Statt Zuwendung und Geschenke gibt es seit dem Wochenende strikte Quarantäne. "Für die alten Menschen ist das schlimm, aber wenn es um die Gesundheit dieser Menschen geht, bleibt uns nichts anderes übrig."

Zum Gesundheitszustand der Bewohner muss Pfeuffer auf seinen Wissensstand vom Samstag zurückgreifen: Da musste keiner der Bewohner wegen Covid ins Krankenhaus eingeliefert werden. Wie das Virus ins Pflegeheim kommen konnte, weiß Pfeuffer nicht. "Wir sind kein Gefängnis. Wenn ein Bewohner zum Spazierengehen mit einem Angehörigen geht und der sich beispielsweise nicht an die Abstandsregel hält, kann es schon passiert sein."

Überlegt wurde, die Münnerstädter Feuerwehr für den internen Umzug zu Hilfe zu bitten, aber das wurde verworfen. "Wir haben es mit eigenem Personal gestemmt."

Seniorenheim nach Corona-Ausbruch: Höchste Sicherheitsstufe fürs Personal

"Sehr professionell" sei das Heim mit der Heimsuchung umgegangen, sagt er. Zum Konzept gehörte auch die Expertise eines Hygienikers aus Würzburg, der das Heim bei der Neustrukturierung nach dem Corona-Ausbruch und bei der Umsetzung der Hygienemaßnahmen beriet. "Die Lage ist jetzt stabil. Aber wir wissen, dass das Virus für den Körper gefährlich ist. Was jetzt noch kommt, wissen wir nicht. Wir kämpfen um jeden, der noch negativ ist", sagt Martin Pfeuffer.

Das heißt, dass nun auch für das Pflegepersonal die höchste Sicherheitsstufe gilt. "Das Heim ist in Bereiche untergliedert: Jene, die die Nichtinfizierten pflegen, haben keinen Kontakt zu anderen, ob Bewohner oder Pflegepersonal." Für die Pflegerinnen und Pfleger sei das ein massiver Aufwand, einschließlich der permanenten Selbstsicherung mit entsprechenden Schutzkleidungen. "Das Personal ist einfach toll", lobt Martin Pfeuffer. "Alle sind bei der Stange geblieben, niemand zeigt seine Angst, sich selbst anzustecken, alle packen an einem Strang an - in der Krise zeigt sich, auf wen Verlass ist - alle sind unglaublich eisern im Bemühen um die Gesundheit unserer Bewohner." Auch zeige sich hier, dass es "den Pflegenden um ,ihre" Bewohner geht, um Menschen, zu denen sie teilweise seit langem ein inniges Verhältnis haben."

Allein, dass die Pflegenden es geschafft hätten, dass sich sechs Monate niemand im Heim angesteckt habe, ringt ihm größten Respekt ab. Martin Pfeuffer zur aktuellen Situation in Münnerstadt: "Es ist zu schade. Die Impfung hätte sechs Wochen früher kommen müssen, dann hätte sie uns einiges erspart."

In mehreren Regionen Oberfrankens konnte am Sonntag nicht wie geplant mit den Impfungen gegen das Coronavirus begonnen werden - Schuld war eine Panne in der Kühlkette.

In der ursprünglichen Version des Artikels vom 27. Dezember hatten wir berichtet, dass die Bewohner automatisch zweimal pro Woche getestet werden. Dabei handelte es sich um eine Falschinformation. Wir haben den Artikel korrigiert.