Es war mehr als ein unterhaltsamer Abend mit Liedern von Reinhard Mey. Es war eine Hommage an den Künstler, der seit über einem halben Jahrhundert mit nachdenklichen Texten, humorvollen Balladen und melancholischen Chansons die Menschen begeistert. Stefan Eichner, der eigentlich als Comedian "Das Eich" auf den Bühnen unterwegs ist, gelang ein Liederabend, der den Menschen Reinhard Mey hinter seinen Evergreens gebührend würdigte.

Mit dem Liederabend hat sich Stefan Eichner ein zweites Standbein aufgebaut, das eher zufällig und auf Wunsch des Publikums entstand, das aber auch seiner Biografie entspricht, denn: "Mit Liedern von Reinhard Mey habe ich das Gitarre spielen gelernt." Diese Beziehung spürt man während des Auftritts, denn mit entsprechender Hochachtung spricht der Kulmbacher von seinem Vorbild und freut sich darüber, dass er ganz offiziell Meys Genehmigung zum Spielen der Lieder hat. Um dem Original möglichst nahe zu kommen, spielt Stefan Eichner auf einer Gitarre, wie sie Mey selbst bei seinen Auftritten nutzt, mit den Original-Saitensatz.

Fast 600 Lieder umfasst das Repertoire des 1942 geborenen Künstlers, doch das Publikum im Bad Bockleter Kursaal erlebt kein "Best-of"-Konzert, denn für Eichner sind die "Lieder aus der 2. oder 3. Reihe" ebenso hörenswert. So ist es seine ganz persönliche Hitliste, die er für das Publikum aufbereitet hat, und die er mit der Stimm- und Klangfarbe des Originals vorträgt. Die rund 70 Gäste im - unter coronabedingten Auflagen - ausverkauften Kursaal spendeten Applaus während des Konzertes und am Ende durch "Standing Ovations", nach Verklingen von "Gute Nacht, Freunde".

Dazwischen lagen 16 Lieder, die Stefan Eichner jeweils mit persönlichen Anekdoten oder humorvollen Überleitungen ankündigte. Programmatisch war der Einstieg mit "Ein Stück Musik von Hand gemacht", das melodisch und textlich auf den Abend einstimmte. Mit "Vernunft breitet sich aus über die Bundesrepublik Deutschland" traf er ebenso den Nerv des aufmerksamen Publikums wie mit der melancholischen Charakterstudie "What al lucky man you are" oder dem gesellschaftskritischen Chanson "Das Narrenschiff". Auch die humorvolle Seite fehlte nicht und war vertreten mit der satirisch-witzigen Parodie "Diplomaten-Jagd" von 1967, der der süffisanten Ballade "Bei Hempels unterm Bett" oder der textlichen Herausforderung bei "Einen Antrag auf Erteilung eines Antragformulars zur Bestätigung der Nichtigkeit des Durchschriftexemplars". Natürlich fehlten weder die musikalischen Botschaften in "Zeugnistag" oder "So viele Sommer", noch die humorvollen Hinweise aus "Das wahre Leben" oder die Evergreens zum Mitsingen wie "Über den Wolken" oder "Gute Nacht, Freunde".

Die Gäste verfolgten die Lieder mit empathischer Aufmerksamkeit, der herzliche Applaus am Ende aber galt dem Künstler auf der Bühne.