Druckartikel: Burkardroth: Frust über zu schnelle Autos

Burkardroth: Frust über zu schnelle Autos


Autor: Johannes Schlereth

Burkardroth, Mittwoch, 15. Sept. 2021

In der Bürgerversammlung hatten die Burkardrother die Möglichkeit, ihr Ortsoberhaupt auszufragen. Themen waren der Solarpark in Waldfenster und die Verkehrsbelastung in den Orten.
Im Umfeld des Burkardrother Marktplatzes ist vielen Bürgern der Verkehr zu schnell unterwegs. Foto: Johannes Schlereth


Die Leute fahren innerorts viel zu schnell - so der Grundtenor der Burkardrother Bürger in der Ortsversammlung. Bürgermeister Daniel Wehner (CSU) seien zwar zum Großteil die Hände gebunden. Dennoch will er am Thema dranbleiben. Die Bauprojekte und der Haushalt des Marktes (wir berichteten ausführlich über die Präsentationen selbiger in den anderen Versammlungen in mehreren Artikeln aus verschiedenen Orten) beschäftigten die Leute in der Diskussion weitaus weniger als die Themen Sicherheit und Verkehr.

Im Fokus stehen dabei vor allem der Bereich um den Marktplatz und die Forstmeisterstraße. "Man steht teils fünf Minuten weil so viel Verkehr unterwegs ist", brachte eine Anwohnerin vor. Besonders der Bereich am Marktplatz sei für Kinder gefährlich. Durch die Straßenführung ist das Areal nicht übersichtlich. Dennoch ist dort eine Geschwindigkeit von bis zu 50 Kilometern pro Stunde erlaubt. "Es bräuchte einen Zebrastreifen. In Nüdlingen gibt es das ja auch." Das Burkardrother Ortsoberhaupt sah den Bedarf ebenfalls. Allerdings: "Da entscheidet das Straßenbauamt, nicht wir."

Die Verwaltung hatte wenig unversucht gelassen, um dort Linderung zu schaffen. "Wir hatten vorgeschlagen, vom Ortseingang bei der ,Höll' bis Zahlbach Tempo 40 zu machen. Das hat das Straßenbauamt abgelehnt." Gleiches galt für einen Zebrastreifen. Anfreunden konnte sich die Behörde auch nicht mit Tempo 30 im Bereich des Marktplatzes. "Die Ampel ist auch abgelehnt worden." Briefe der Kommune und Anwohner sowie Unterschriftenlisten hätten bei der Behörde ebenfalls nichts bewirkt. Eine Verkehrszählung des Straßenbauamts im Juli habe ergeben, dass zu wenige Autos und Menschen unterwegs sind, um entschleunigende Elemente zu installieren. Der Zahlbacher Ortssprecher und Marktgemeinderat Johannes Schlereth (zufällige Namensgleichheit mit dem Autor) fügte an: "Die erlaubte Geschwindigkeit ist mit bei der Verkehrsführung schleierhaft."

"Das Problem ist, dass wir als Kommune bei Kreis- und Staatsstraßen wenig Mitspracherecht haben", sagte Wehner. Für ihn ist klar: "Wir bohren ständig und bleiben dran. Mit einem ,Es war schon immer so' gebe ich mich nicht zufrieden." Als erster schneller Schritt sollen jetzt Geschwindigkeitstafeln in den Bereichen aufgestellt werden, um das Bewusstsein der Verkehrsteilnehmer zu schärfen.

Ein weiterer kommunaler Brennpunkt am Marktplatz ist der Gerberkeller. "Wir haben dort ein Ruinenfeld stehen", sagte Wolfgang Mahlmeister. "Es muss doch was geschehen, die Zuschüsse verfallen doch?" Das Ortsoberhaupt der Burkardrother schuf in diesem Punkt Klarheit: "Es ist ein Schandfleck mitten im Ort. Die bisherige Planung gibt es so nicht mehr. Der Gerberkeller wird so nicht kommen." Die Kommune will jetzt noch mit dem Planer abrechnen , um das Projekt in dieser Form ad acta zu legen. "Wir haben intern schon darüber gesprochen. Würden wir es realisieren, ist der Gerberkeller ein Fass ohne Boden." Die alternative Vision des Bürgermeisters: "Wir sichern den Hang mit einem Gebäude, in dem Toiletten für Wallfahrer oder Gäste sind und legen den Platz davor an. Allerdings will ich der Entscheidung des Gemeinderats da nicht vorgreifen."

Redebedarf gab es zudem zum möglichen Solarpark in Waldfenster : "Wir stehen ganz am Anfang. Im Gemeinderat haben wir im vergangenen Jahr über mögliche Flächen gesprochen." In Waldfenster gäbe es etwa 40 Hektar, auf denen Solaranlagen möglich sind. "Derzeit bemüht sich der Planer um Flächen." Der Gemeinderat sprach laut Wehner bereits mit dem Planer sowie mit einem neutralen Experten über das Thema. "Wir haben uns nur informiert. Es ist noch kein Beschluss gefasst", teilte das Ortsoberhaupt mit. "Wenn es zu einem Thema werden sollte, gibt es große öffentliche Sitzungen dazu."

Kritik entzündete sich - wie in den bisherigen Bürgerversammlungen - am Lauterer Kreisel. "Der Kreisel ist mit dem Bewuchs kein Aushängeschild für unsere Kommune, so gut der Kreisel an sich auch ist", sagte Karl Schneider. Wehner gab ihm Recht und verwies auf die Eigentumsverhältnisse: "Der Kreisel ist nicht unser Eigentum, selbst zu mähen ist uns nicht erlaubt." Wenn die Kommune dort mähen möchte und das Gelände pflegen will, müsse die komplette Pflege vom Straßenbauamt übernommen werden, was einen enormen Aufwand darstelle. "In Bocklet haben sie dafür zum Beispiel einen extra Wasseranschluss an den Kreisel mit ran gelegt." Gehe es dann an die Mäharbeiten müsse die Straße aus Sicherheitsgründen gänzlich gesperrt werden. "Wir sind dran und haben es auf der Agenda und bohren nach." Laut ersten Gesprächen zwischen Kommune und Behörde möchte letztere nun öfter mit dem Rasenmäher anrücken.

Sicherheit war auch der Grund für die Frage eines weiteren Bürgers. Er wollte vom Zahlbacher Baugebiet einen Fuß- oder Radweg in Richtung der Straße "Am Stützle". "So könnte man dem Straßenverkehr entgehen. Man bekommt es dort mit der Angst zu tun." Marktgemeinderat Ariel Karwacki verwies darauf, dass die Kommune dort keinen Grundbesitz hat. "Es geht nur über die Vorkaufsrechtsatzung, hier einen Fuß in die Türe zu kriegen. Kurzfristig und auf die Schnelle ist so etwas leider nicht zu realisieren", merkte Schlereth an. Auf diese Weise will die Kommune nun das Problem auch angehen.

Dem Wunsch eines Burkardrothers auf die Sanierung der "Strengen Tür" musste Wehner vorerst eine Absage erteilen. Der Wegfall der Straßenausbaubeiträge stelle Kommunen bayernweit vor Hürden. "Wir erarbeiten gerade eine Prioritätenliste, in der wir festhalten in welcher Straße wir Hand anlegen müssen."

Kümmern möchte sich die Verwaltung auch um ein Beleuchtungskonzept der Mittelschule. Ein Anwohner kritisierte, dass diese bis spät in die Nacht grell beleuchtet sei, während der Fußweg "stockdunkel" sei. "Die Beleuchtung läuft über Zeitschaltuhren. Wir kümmern uns darum", versicherte Wehner.

Freude im Büro des Bürgermeisters gab es darüber, dass die Bläservereinigung, die Theatergruppe und die Caritas Interesse am Vereinsheim-Projekt im ehemaligen Thermostat-und Schaltgeräte-Bau Gebäude geäußert haben. Dort soll ein Pendant zur Stralsbacher "Alten Schuel" entstehen.