Die Rhön ist eine Kulturlandschaft. Über Jahrhunderte formte und prägte der Mensch sie nach seinen Bedürfnissen. Diese änderten sich im Laufe der Zeit, manches verschwand über die Jahre und geriet in Vergessenheit. Dem möchte Klaus Wehner etwas entgegen setzen. Deshalb brachte er den Stein für einen neuen Wanderweg im oberen Aschachtal ins Rollen. Auf knapp sechs Kilometern Strecke will Wehner Fenster in die Vergangenheit des Marktes öffnen. Auf Schautafeln sollen Wanderer Informationen über alte Köhlermeiler, die Wasserversorgung und eine jüdische Handelsroute durch die Rhön erhalten.

Wehner ist kein Unbekannter im Markt Burkardroth, war er doch lange Vorstand des ansässigen Rhönklubs. Die Idee für den neuen Wanderweg bei Stangenroth entstand aus zwei vorigen Projekten, bei dem er federführend beteiligt war - der Kulturweg im Aschachtal, dessen Schwerpunkt auf den Stauanlagen und Bewässerungssystemen entlang der Aschach liegt und ein Buch dazu. "Nachdem der Kulturweg im unteren Aschachtal fertig war, haben wir erstmal gesehen, wie viele alte Wehre dort waren", sagt er. Beschildert ist der Weg lediglich im unteren Teil in Richtung Aschach.

"Dann kam der Gedanke, dass wir auch im oberen Bereich was brauchen", sagt Wehner. Gemeinsam mit dem örtlichen Rhönklub trat er an den Markt Burkardroth heran. Die Gemeinderäte bewilligten im März das Vorhaben und sicherten die finanzielle Unterstützung der Kommune zu.

Einen Teil seiner Recherchen für den geplanten Weg baute Wehner auf einem weiteren Projekt auf. Gemeinsam mit Alois Müller - einem Kollegen aus dem Rhönklub - erarbeitete er in den vergangenen Jahren ein Buch zur Aschach und das dörfliche Leben im Einzugsbereich des Baches. Darin kartografierte das Duo unter anderem die gesamte Aschach von der Quelle oberhalb des Ortes Stangenroth, bis zur Mündung in Aschach.

"Wir waren dafür in Würzburg im Archiv und haben alte Karten und Dokumente gesichtet", sagt Wehner. Hinweise und Tipps erhielten Wehner und Müller damals auch von Freunden und Familienmitgliedern. "Früher haben die Leute über alte Wege und Pfade geredet, mittlerweile ist da vieles in Vergessenheit geraten", sagt Wehner. Ein Beispiel dafür ist die im Volksmund als Judenweg bezeichnete Handelsroute. "Bei den Recherchen für das Buch sind wir immer wieder auf alte Karten gestoßen, in denen der Pfad tatsächlich auch als Judenweg ausgeschrieben war."

Der Judenweg kreuzt das obere Aschachtal von Steinach kommend in Richtung Platz und Geroda. "Der Weg verläuft in der Nähe des Vogelsbrunnen. Dort haben die Juden beim Viehtrieb gerastet und ihr Vieh getränkt. Das soll nicht in Vergessenheit geraten, sondern im Gedächtnis bleiben", sagt er. Der Hohlweg ist noch heute sich zu sehen. Für Wehner war klar, dass es sich dabei um den Inhalt einer der vier Infotafeln handelt.

In diesem Bereich sind bereits erste Arbeiten erledigt. Das Areal war in einem schlechten Zustand, der Brunnen eingefallen. 1993 entfernte der Rhönklub das Totholz und richtete ihn wieder her. Das geschah noch ohne Hintergedanken zum derzeit entstehenden Wanderweg. Außerdem stellte der Verein damals einen Findling mit der Inschrift des Brunnennamens auf. "Der hat seitdem natürlich Moos angesetzt und kleinere Witterungsmacken bekommen." Im vergangenen Jahr arbeitete der Stangenrother Steinmetz Hartmann wegen des geplanten Weges den verwitterten Stein ehrenamtlich auf. "Gemeinsam mit dem Bauhof des Marktes hat er ihn sogar neu gesetzt", sagt Wehner.

Eine alte Köhlerstelle ist Thema einer weiteren Schautafel. "Da hat mich ein alter Jäger draufgebracht, dessen Vater hat ihm ein unheimliches Wissen hinterlassen", erklärt er. Noch heute sei der Boden an der Stelle schwarz. Eine andere Tafel vermittelt Wissen über die Bewässerungssituation in der engen und bergigen oberen Aschachtal-Region. "Der Weissenbrunnen war bis in 1970er Jahre Quelle für Wasserversorgung von Burkardroth." Die erste Wasserleitung gab es 1914, zuvor fanden sich Tröge in den Orten. "Aufgrund von Beschwerden kam dann aber die Leitung", weiß Wehner. Die vierte Tafel geht auf den derzeit stattfindenden Waldumbau ein. "Für die ist das Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten verantwortlich."

Wehner ist bereits mitten im Projekt. Seine Texte für seine drei Schautafeln hat er schon geschrieben. "Ich habe bislang etwa 20 Stunden Arbeit in das Projekt gesteckt - aber eigentlich geht es jetzt erst richtig los", meint er. Das betrifft beispielsweise den genauen Standort der Tafeln. Dafür hat es in der vergangenen Woche bereits einen Ortstermin am Startpunkt des Weges mit dem Bürgermeister Waldemar Bug (ödp) gegeben.